splash
Willkommen
Herzlich Willkommen bei Vieraugen Kino.
Bei uns finden Sie aktuelle Filmkritiken in Sachen Kino, DVD und Fernsehen.
Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 29. November 2017

Wie verarbeitet man nach dem Tod der Eltern auch noch den Verlust des einzig verbliebenen Familienmitglieds? Diese Frage erforscht Regisseur Oliver Kienle mit seinem neuen Film: „Die Vierhändige“.

 

Blade Runner – Final Cut

Von Marius Joa. Publiziert am 29. September 2017

35 Jahre nach der Veröffentlichung des einflussreichen Science-Fiction-Films Blade Runner kommt im Oktober 2017 eine Fortsetzung ins Kino. Eine passende Gelegenheit, sich den vor zehn Jahren veröffentlichten „Final Cut“ von Regisseur Ridley Scott anzusehen…

Blade Runner – Final Cut
Science-Fiction-Film USA, UK, Hongkong 1982. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 113 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, William Sanderson, Brion James, Joe Turkel, Joanna Cassidy u.a. Regie: Ridley Scott. Drehbuch: Hampton Fancher und David Webb Peoples. Nach dem Roman
Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip Kindred Dick.

 

Tears In Rain

Im frühen 21. Jahrhundert gelang Wissenschaftlern die Erschaffung fast perfekter künstlicher Menschen, den sogenannten Replikanten. Diese werden bei der gefährlichen Erforschung und Kolonisierung neuer Planeten eingesetzt. Vier Replikanten vom Model Nexus-6 rebellierten und töteten einige Menschen bei ihrer Flucht auf die Erde. Dort sollen sie von Blade Runnern, Mitglieder einer Spezialeinheit, ausgeschaltet („in den Ruhestand versetzt“) werden. Aus diesem Grund wird der Ex-Polizist Rick Deckard (Harrison Ford) von seinem früheren Vorgesetzten, Captain Bryant (M. Emmet Walsh), widerwillig in den aktiven Dienst zurückberufen, nachdem ein anderer Blade Runner (Morgan Paull) von Leon (Brion James), einem der flüchtigen Replikanten, angegriffen wurde. Deckard soll die drei anderen Nexus-6-Modelle Roy (Rutger Hauer), Pris (Daryl Hannah) und Zhora (Joanna Cassidy) zur Strecke bringen. Dazu sucht er deren Erfinder Dr. Tyrell (Joe Turkel), den Chef der mächtigen Tyrell Corporation, in dessen Firmensitz auf. Tyrell bittet Deckard, den „Voight-Kampff“-Test zur Ermittlung, ob jemand Mensch oder Replikant sei, an Assistentin Rachel (Sean Young) durchzuführen. Es stellt sich nach vielen Fragen heraus, dass Rachel ein Replikant ist, sie aber nichts davon weiß. Nachdem Rachel Deckard zu dessen Apartment folgt, erklärt ihr der Polizist, dass die Erinnerungen an ihre Kindheit implantiert wurden. Unterdessen versuchen Roy und die anderen an ihren Schöpfer Tyrell heranzukommen, damit dieser ihre auf vier Jahre begrenzte Lebenszeit verlängert. Dabei treffen sie auf den einsamen Konstrukteur J. F. Sebastian (William Sanderson), dessen einziger Lebensinhalt die unzähligen von ihm konstruierten Puppen und Roboter scheinen…

1968 veröffentlichte der unfassbar visionäre Science-Fiction-Autor Philip Kindred Dick (1928-1982) seinen Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (OT: Do Androids Dream Of Electric Sheep?). Kurz danach kam bereits Interesse an einer Verfilmung auf, unter anderem von Martin Scorsese. Doch erst Produzent Michael Deeley (Die durch die Hölle gehen), Drehbuchautor Hampton Fancher und Regisseur Ridley Scott (Alien) brachten das Projekt ins Rollen. Dick hingegen war anfänglich äußerst skeptisch. Erst als er das von David Webb Peoples (12 Monkeys) überarbeitete Skript las, war Dick zufrieden. Der Autor wurde sogar ins Studio eingeladen und zeigte sich von erstem Filmmaterial der Spezialeffekte-Abteilung Douglas Trumbulls überaus begeistert. Philip K. Dick starb vor der Fertigstellung des Films am 2. März 1982.

Roman und Film haben ihre Gemeinsamkeit überwiegend im groben Handlungsablauf, funktionieren aber ansonsten unterschiedlich. Insgesamt ergänzen sich die beiden Medien fast perfekt, denn beide haben ihre Themenschwerpunkte abseits der gemeinsamen Grundstory. Der Roman versteht es auf lediglich etwa 200 Seiten auf mehreren Ebenen ein düsteres Zukunftsszenario zu entwerfen. Dagegen wirkt der Film inhaltlich gerade zu dünn, erklärt wenig, macht dafür viele Andeutungen und transportiert die Charakteristiken seiner Welt vor allem über die Bilder. Vordergründig erscheint Los Angeles im November 219 (also in ziemlich genau zwei Jahren) eine grenzenlose Stadt der Lichter, eine asiatisch-amerikanische Mega-Metropole, die allerdings unter einer Kuppel von Smog und Nebel. Eine zwielichtige Welt, in welcher die Sonne nur die obersten Stockwerke der hochtechnisierten Wolkenkratzer(und damit durch die Reichen und Mächtigen) zu erreichen vermag. Abseits des Glamours verelenden nicht nur die ärmeren Menschen, sondern auch alte Gebäude durch die ständige Feuchtigkeit verrotten. Sicherlich keine erstrebenswertte Zukunftsperspektive, sondern eher ein Albtraumszenario, eine gentrifizierte Unterwelt, immerhin ästhetisch aufgemacht.

Blade Runner gilt gemeinhin als eine der Filme, denen Hauptdarsteller Harrison Ford (Indiana Jones, Star Wars) unter anderem seine Berühmtheit verdankt. Die schauspielerischen Glanzlichter setzen freilich andere. Der amerikanische Charakterdarsteller William Sanderson (True Blood) verkörpert den einsamen, hochbegabten Techniker J.F. Sebastian, der an fortschreitendem Altern leidet und nicht mehr lange zu leben hat, weshalb er mit den flüchtigen Replikanten sympathisiert. In seiner Wohnung, in einem der verfallenen Gebäude, hat sich Sebastian ein surreales Kabinett mit verschiedensten mechanischen Puppen und Robotern erschaffen. Das schauspielerische Highlight liefert zweifelsohne der niederländische Akteur Rutger Hauer als Replikant Roy Batty. In seiner Figur und der Gegenüberstellung mit dem überwiegend kaltherzigen Deckard werden die Rollen zwischen dem „echten“ Menschen und dem künstlich erzeugten vertauscht. Roy ist zwar bereit, für sein Überleben zu töten, aber dennoch keine gewissenlose Killermaschine. Sein bwegender „Tears In Rain“-Monolog gehört zu den bewegendsten Momenten der Filmgeschichte, vor allem in der Kombination von Hauers ergreifendem Spiel und dem Score des griechischen Elektronik-Apollons Vangelis.

25 Jahre nach dem Kinostart von Blade Runner wurde im Herbst 2007 der sogenannte „Final Cut“ (auch bekannt als „25th-Anniversay Cut“) veröffentlicht. Im Gegensatz zu dem 1992 auf dem Markt geworfenen „Director’s Cut“ handelt sich bei ersterem um die bevorzugte Version von Regisseur Ridley Scott, da er bei ihrer Erarbeitung im Gegensatz zum DC volle künstlerische Kontrolle besaß. Der „Final Cut“ ist seitdem auf DVD und BluRay erhältlich.

In wenigen Tagen (5. Oktober 2017) startet mit Blade Runner 2049 eine Fortsetzung des Scifi-Noir-Klassikers in den Kinos. Mit Scott als ausführendem Produzenten und unter der Regie des Kanadiers Denis Villeneuve (Enemy, Arrival) spielt die Geschichte etwa 30 Jahre nach dem ersten Teil. Es bleibt zu hoffen, dass „2049“ nicht nur hohle Effekt- und Design-Hülle wird, sondern sich als würdiger Nachfolger erweist.

Fazit: Blade Runner wirkt auch 35 Jahre nach der Veröffentlichung als filmischer Meilenstein, als eigenwillige, stimmungsvoll-bildstarke Mischung aus Film Noir und düsterer Zukunftsvision, in welcher den Menschen der Spiegel vorgehalten wird. 10 von 10 Punkten.

Marius Joa, 29. September 2017. Bilder: Warner.

Stichwörter: , , , , , , , , , , , ,

Ähnliche Beiträge
Rubrik DVD

Kommentar hinterlassen

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu hinterlassen.