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Von Marius Joa. Publiziert am 15. Oktober 2017

Bei der Flut von unnötigen Sequels und Reboots, auch von teilweise lang zurückliegenden Filmen, kommt es wie eine Wohltat, wenn es dann doch ausnahmsweise eine wahrlich würdige Fortsetzung gibt: „Blade Runner 2049“, von Regisseur Denis Villeneuve.

 

Die unglaublichen Abenteuer des Herkules

Von Marius Joa. Publiziert am 21. Februar 2010

Die Rezensionsreihe „Klassische Sagen“ brachte Marius Joa in den Genuss von ein paar Sandalenfilmen. Nun setzt er seine Entdeckungsreise in die Welt der italienischen Heroen-Streifen fort, mit Die unglaublichen Abenteuer des Herkules, der als erster klassischer Sandalenfilm gilt.

Die unglaublichen Abenteuer des Herkules (Le fatiche di Ercole)
Abenteuerfilm Italien/Spanien 1958. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 87 Minuten (gekürzte Fassung, PAL-DVD).
Mit: Steve Reeves, Sylvia Koscina, Fabrizio Mioni, Ivo Garrani, Arturo Dominici, Gabriele Antonini, Aldo Fiorelli, Andrea Fantasia, Gino Mattera, Gianna Maria Canale, Mimmo Palmara, Luciana Paluzzi u.v.a. Regie: Pietro Francisci. Frei nach dem Epos Die Argonauten von Apollonios Rhodos.

Unglaublich langweilig

Auf dem Weg nach Iolkos rettet Herkules (Steve Reeves), der mit übermenschlicher Kraft ausgestattete Sohn des Zeus, der Königstochter Iole (Sylvia Koscina) das Leben. König Pelias (Ivo Garrani) möchte Herkules zum Mentor seines übermütigen Sohnes Iphitos (Mimmo Palmara) machen, damit der junge Mann Pelias auf den Thron nachfolgt. Ein Fluch scheint auf Iolkos zu liegen. Zehn Jahre zuvor war König Aison, Pelias’ Bruder, ermordet worden. Aisons Sohn Jason (Fabrizio Mioni) und sein Lehrmeister Chiron (Afro Poli) sollen die Tat begangen haben und sind seitdem verschwunden.

Als Herkules gegen den nemeïschen Löwen kämpft, funkt ihm Iphitos dazwischen und wird getötet. Herkules besiegt das Untier, doch der Tod seines Sohnes stürzt Pelias in noch größeren Kummer. Zufällig trifft Herkules auf Jason und den sterbenden Chiron. Vergeblich versucht Jason von Chiron das Geheimnis um die Identität von Aisons Mörder zu entlocken. Herkules schlägt Jason vor, nach Iolkos zu gehen, um seinen Anspruch auf den Thron geltend zu machen. Pelias willigt ein, dass Jason den Thron unter der Bedingung erhält, dass er das verschollene Goldene Vlies wieder zurückbringt. Dazu macht sich Jason mit einer Gruppe tapferer Männer im Schiff des Baumeisters Argos (Aldo Fiorelli) auf den Weg. Herkules steht den Abenteuern auf ihrer Reise bei.

Als italienische Antwort auf amerikanische Monumentalfilme wie Quo Vadis oder Ben Hur entstand der sog. Sandalenfilm, benannt nach dem antiken Schuhwerk, das die Darsteller trugen. Von den späten 1950ern bis Mitte der 1960er boomte das Genre mit vielen, kostengünstig produzierten Filmen mit einfachem Rezept: ein zumeist amerikanischer Bodybuilder erlebt als mythologisch inspirierter Sagenheld mannigfaltige Abenteuer und schlägt die ein oder andere Schlacht für den guten Zweck.

Das Erfolgsrezept begann 1958 mit Steve Reeves als Herkules in Die unglaublichen Abenteuer des Herkules, dem ersten offiziellen Sandalenfilm. Reeves drehte einige weitere einschlägige Streifen, darunter Herkules und die Königin der Amazonen sowie Der Kampf um Troja und dessen Fortsetzung Aeneas – Held von Troja. Aus heutiger Sicht sind viele dieser Sandalenfilme wenig berauschend, was meist daran liegt, dass die Kampfszenen wenig spektakulär sind und die Ohren der Zuschauer meist mit eintöniger, penetranter Filmmusik belästigt werden.

Das Problem mit der Musik hat der vorliegende Film allerdings weniger. Neben den obligatorischen Pauken und Trompeten ist die melodische Untermalung überraschend abwechslungsreich. Auch die Kampfszenen sind teilweise einigermaßen spannend. Nur ist das der restliche Film kaum. Die unglaublichen Abenteuer des Herkules krankt vor allem daran, dass einfach zu wenig passiert. Die Drehbuchautoren hatten grundsätzlich gute Ideen. So wurden Elemente der Heraklessage mit der Argonautensage (in der Herakles/Herkules einer der Nebenfiguren ist) vermischt, was zur Folge hat, dass mit Eurystheus auch der mythologische Erzfeind des Helden heimlich die Intrigen spinnt.

Aber anstatt dieses inhaltliche Potenzial zu nutzen, verplempert der Film seine Zeit mit Nebensächlichkeiten, weil in der Story die Schwerpunkte falsch gesetzt wurden. So verbringen die Argonauten eine gefühlte Ewigkeit bei den Amazonen unter Königin Anteia (Gianna Maria Canale). Und so ist die eigentlich ereignisreiche Fahrt der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies nicht mehr als ein leicht ausgedehnter Betriebsurlaub. Zwar versuchte man gegen Ende mit einem sinnlosen und für die weitere Story völlig irrelevanten Angriff von Affenmenschen (!) die gähnende Langeweile etwas zu kaschieren, doch erst bei der finalen Schlacht gibt es richtig Action, auf die man schon den ganzen Film über wartet. Irgendwie bezeichnend ist es, dass möglichst viele bekannte Sagenhelden wie Odysseus und sein Vater Laërtes zu den Argonauten gehören, aber es keinen Platz für die Personen in Kolchis (wie z.B. Medea) gab.

Im Nachhinein betrachtet wirkte hier bereits das „Who is Who“ der Sandalenfilm-Darsteller mit, z.B. Mimmo Palmara (der in so gut wie jedem dieser Film mitwirkte), Arturo Dominici oder Lidia Alfonsi. Steve Reeves gibt hier den ausgewogenen Helden, der trotz seiner Muskeln noch menschlich wirkt und nicht nur Kraft, sondern auch Köpfchen besitzt.

Ein amerikanischer Produzent kaufte die Rechte an Die unglaublichen Abenteuer des Herkules für den US-Markt. Dank einer massiven Werbekampagne, die mehr kostete als die eigentliche Produktion, wurde der Film zum Kassenschlager. 1959 folgte mit Herkules und die Königin der Amazonen eine Fortsetzung. Für das Genre des Sandalenfilms war Steve Reeves erster Auftritt als Herkules Stil prägend. Bis in die Mitte der 1960er Jahre wurden im Italien unzählige Streifen nach ähnlichem Schema produziert.

Fazit: Ordentlich produzierter, aber völlig langweiliger Sandalenstreifen, bei dem inhaltlich die Schwerpunkte völlig falsch gesetzt wurden. 3 von 10 Punkten.


Herkules lässt die Säulen wackeln.

DVD-Features

Sprachen: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial
Programmtipps

Die unglaublichen Abenteuer des Herkules gibt es zusammen mit der Fortsetzung Herkules und die Königin der Amazonen in einer DVD-Box. Erstaunlicherweise ist zusätzlich nicht die italienische Originalfassung, sondern die englische Tonspur enthalten. Leider handelt es sich bei der vorliegenden nur um eine gekürzte Fassung. Die ungekürzte englische Fassung kann man sich auf diversen Internetseiten ansehen.

Marius Joa, 21. Februar 2010. Bilder: Concorde.

Empfehlungen
Weitere Sandalenfilme mit Steve Reeves in der Hauptrolle

Herkules und die Königin der Amazonen (3/10)
Der Kampf um Troja (2/10)
Aeneas – Held von Troja (4/10)

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