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Von Marius Joa. Publiziert am 26. Mai 2017

Der amerikanische Filmemacher Terrence Malick gilt als “Poet des Kinos”. Sein neuestes Werk „Song To Song“ wird diesem Ruf inszenatorisch durchaus gerecht.

 

Kino kolossal / Sandalenfilme – Eine Bilanz

Von Marius Joa. Publiziert am 7. Juli 2010

Bei der Flut der unzähligen Sandalenfilme verliert man als Zuschauer schnell den Überblick. Wie gut, dass es die Dokumentation Kino kolossal gibt, in der das Genre aus diversen Blickpunkten beleuchtet wird. Marius Joa schließt hiermit seine Rezensionsreihe zu Sandalenfilmen ab und zieht Bilanz.

Kino kolossal – Herkules, Maciste & Co
Dokumentation Deutschland/Schweiz 2000. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 59 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Giovanni Cianfriglia, Mimmo Palmara, Ennio De Concini, Brad Harris, Gordon Mitchell, Moira Orfei, Bud Spencer u.a. Sprecher: Joachim Höppner. Regie: Hans-Jürgen Panitz und Inga Seyric.

Mimmo Palmara & Co.

Herkules, Maciste, Goliath, Samson. Das waren die muskulösen Helden in den Sandalenfilmen des italienischen Kinos der späten 1950er bis Mitte der 1960er. Doch wie kam es zu dieser Flut an Genre-Produktionen in Südeuropa? An einer Erklärung versucht sich die deutsch-schweizerische Dokumentation Kino kolossal, gemeinsam produziert vom NDR und dem Kultursender Arte. Dank der recht aktuellen Interviews mit alten Schauspielern und Beteiligten von damals ist der Film eine sinnvolle Zugabe zum Konsum von Sandalen-Streifen.

Gespickt mit diversen Filmszenen beginnt der Film mit einem inszenierten Schwertkampf-Revival der ehemals jungen Darsteller und Stuntmen, die mittlerweile gut siebzig oder gar älter sind. Der Film folgt teilweise anhand der Biografie von Stuntman Giovanni Cianfriglia, dem Double von Steve Reeves, sowie den Erlebnissen von Mimmo Palmara, einem der am häufigsten besetzten Darsteller, einzelnen Anekdoten während des Drehs diverser Sandalenfilme. Im Grunde ist der Sandalenfilm nämlich eine Antwort auf die in Europa und speziell in Italien gedrehten Hollywood-Monumentalfilme wie Quo vadis?, Das Gewand und Ben Hur.

Doch bereits im frühen zwanzigsten Jahrhundert gab es Monumental-Streifen in Italien, als der beliebte Held Maciste (was übersetzt soviel wie „Maschine“ bedeutet) auch im Faschismus für Propagandazwecke missbraucht wurde. Später, in der Blütezeit des „Sandalone“ (wie dieses Genre im Italienischen oft bezeichnet wird), standen Mut und Tapferkeit des Heroen im Vordergrund, der keiner radikalen Ideologie dient, sondern den Schwachen und Unterdrückten hilft.

Neben Palmara und Cianfriglia werden auch die ehemaligen Hauptdarsteller Gordon Mitchell und Brad Harris interviewt, die sich zwar schon im fortgeschrittenen Alter befinden, aber immer noch topfit scheinen. Außerdem kommt mit Ennio De Concini auch ein Drehbuchautor aus der Zeit der Sandalenfilme zu Wort. Die Beteiligten geben vor allem diverse Anekdoten zum Besten. Das ist alles gut und schön, aber interessanter wäre natürlich eine systematischere Annäherung an das Genre gewesen, vor allem mehr aus filmhistorischer Sicht zu erklären. Und mit knapp einer Stunde Laufzeit ist die Dokumentation etwas kurz, vor allem weil auch noch in mehr als ausreichendem Maße über die nachfolgende Welle der Italo-Western eingegangen wird, anstatt auf das Revival des „Sandalone“ in den 1980er Jahren mit Filmen wie Herkules (1983) und Ator, der Unbesiegbare hinzuführen.

Auf DVD gibt es diese Dokumentation als Bonusmaterial in der „Kino Kolossal“-Box von Blackhill/MC One, zusammen mit fünf entsprechenden Filmen oder auf der DVD zu Die Rache des Herkules.

Fazit: Dokumentation mit interessanten Einblicken in die Welt des Sandalenfilms, allerdings viel zu wenig systematisch aufgemacht und mit  teilweise unwichtigen Details. 7 von 10 Punkten.

Sandalenfilme – Eine Bilanz
Nach elf rezensierten Sandalenfilmen und einer Dokumentation zum Genre ist es Zeit Bilanz zu ziehen. Was waren die Highlights und welche Filme waren besonders schwach?

Die besprochenen Filme waren fast ausschließlich durchwachsen bis einigermaßen schwach. Da konnte auch ein meist sympathischer Hauptdarsteller wie etwa Steve Reeves nichts ausrichten. Die Austauschbarkeit der Drehbücher (in zu vielen Filmen ging es z.B. um Atlantis!) und die oberflächliche, zum Teil altmodische Produktionsart sind nur einige der Gründe dafür, dass Sandalenfilme in der heutigen Zeit kaum noch Wirkung erzielen und deshalb beim Mainstream-Zuschauer wenig Begeisterung hervorrufen. Selbst Mythologie-Fans dürften früh feststellen, dass die Sagenwelt in den Filmen meist nur fragmentarisch verwendet oder teilweise fast ins Absurde verkehrt wurde. Ei elf gesichteten Filmen liegt die Durchschnittswertung bei 3,64 von 10 möglichen Punkten, insgesamt also enttäuschend. Die Höchstwertung erhielt ein Film mit 6 Punkten, während zwei Produktionen sich mit 2 Pünktchen begnügen mussten.

Reg Park als Herkules.

Doch auch in diesem recht enttäuschenden Filmgenre gibt es hoffnungsvolle Kandidaten. Als erstes sei der 1961 veröffentlichte Streifen Herkules erobert Atlantis zu erwähnen. Die Atlantis-Thematik mag zwar völlig abgedroschen sein, aber dank einer ordentlichen Story wird dieses Manko wettgemacht. Außerdem verdient der Streifen dank aufwendig wirkender Kulissen und eines herrlich ironisch angehauchten Titeldarstellers Reg Park unseren Award als bester Sandalenfilm. Und Reg Park, dessen Herkules auch dadurch besticht, dass er eigentlich keinen Bock auf Abenteuer und „Action“ hat, ist aus unserer Sicht der beste Hauptdarsteller in einem Sandalenfilm. Der Brite Park spielte übrigens nur in fünf Kinofilmen, zwei davon waren Herkules erobert Atlantis und die Genremixtur Vampire gegen Herakles, mit Christopher Lee als finsterem Schattenwesen.

Auch in der Sparte Nebendarsteller können wir verdientermaßen einen Preis vergeben. Und dieser geht an den Franzosen Georges Marchal, der in Herkules, der Sohn der Götter nicht nur einen Prügelknaben des Titelhelden gibt, sondern seiner Figur, dem sagenhaften Helden Odysseus vielschichtige Facetten abgewinnen kann. Es müsste mehr Filme wie diesen geben, in welchem der Muskelheld nicht nur dämliche Sidekicks mit sich schleift. Leider war es nicht möglich, einen Auszeichnung für die beste Schauspielerin auszugeben, was daran liegt, dass die Frauenrollen in Sandalen-Streifen durch die Bank eindimensional sind. Denn die Aufgabe der Frau ist es hier, sich vom tapferen Helden retten zu lassen, um sich dann in dessen starken Armen der angedeuteten Leidenschaft hinzugeben. Und für späteren Nachwuchs des Helden muss natürlich auch gesorgt werden.

Szene aus Goliath und Herkules.

Mal ehrlich, was wären die Oscars ohne die Goldenen Himbeeren? Wer also Awards für Bestleistungen vergibt, muss sich auch mit dem filmischen Bodensatz beschäftigen und diesen „auszeichnen“. Deshalb küren wir zum schlechtesten Machwerk unter den Sandalenfilmen den 1963 veröffentlichten Goliath und Herkules, der bezeichnenderweise in der deutschen Fassung keinen der im Titel genannten Helden beinhaltet, weshalb er früher auch unter Der Tiger von Sardes lief. Die zweifelhafte Ehre, von uns zum schlechtesten Darsteller gekürt zu werden, gebührt Arturo Dominici, dessen Verkörperung des Achilles in Der Kampf um Troja wohl Homer und andere antike Dichter im Grabe rotieren lassen würde. Achilles als völlig verbrauchter, nach letzten Ruhmfragmenten lechzenden Proto-Rentner zu konzipieren, ist natürlich ein „Teilverdienst“ der Drehbuchautoren.

Einen haben wir aber noch. Unabhängig von der Qualität seiner Filme und Rollen küren wir den heute noch unter uns weilenden italienischen Darsteller Mimmo Palmara zum „Mister Sandalenfilm“. Palmara, der unter anderem mit Steve Reeves und Reg Park zusammenarbeitete, war in etwa einem Dutzend Sandalenfilmen zu sehen, meist in kleineren Parts oder als Bösewicht. Anschließend gelang ihm wie vielen anderen Schauspielern des Genres der nahtlose Übergang zum Spaghetti-Western.

Die Preisträger im Überblick:

Bester Sandalenfilm: Herkules erobert Atlantis (1961)
Bester Hauptdarsteller: Reg Park als Herkules in Herkules erobert Atlantis (1961)
Bester Nebendarsteller: Georges Marchal als Odysseus in Herkules, der Sohn der Götter (1962)

Schlechtester Sandalenfilm: Goliath und Herkules (1963)
Schlechtester Darsteller: Arturo Dominici als Achilles in Der Kampf um Troja (1961)

Mister Sandalenfilm: Mimmo Palmara

Und hier eine Liste mit allen besprochenen Sandalenfilmen:

1958 – Die unglaublichen Abenteuer des Herkules
1959 – Herkules und die Königin der Amazonen
1960 – Die Rache des Herkules
1961 – Herkules erobert Atlantis
1961 – Vampire gegen Herakles
1961 – Der Kampf um Troja
1962 – Achilles: Der Zorn des Kriegers
1962 – Äneas: Held von Troja
1962 – Herkules, der Sohn der Götter
1963 – Goliath und Herkules
1965 – Kampf um Atlantis

Marius Joa, 7. Juli 2010. Die Bilder sind Eigentum des jeweiligen Filmverleihs.

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