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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 12. November 2017

Nun läuft auch die neueste Verfilmung von Agatha Christies Kriminalroman „Mord im Orientexpress“ in den Kinos, dieses Mal unter Regie von Kenneth Branagh, der auch die Hauptrolle spielt.

 

Before Midnight

Von Marius Joa. Publiziert am 21. Juni 2013

Mit Before Sunrise (1995) gelang Regisseur Richard Linklater ein bittersüßer Liebesfilm. 2004 folgte das Wiedersehen mit den beiden Protagonisten in Before Sunset. Nun weitere neun Jahre später erzählt Before Midnight die Liebesgeschichte von Jesse und Celine weiter.

 

 

8-10Before Midnight
Liebesdrama USA 2013. FSK: ohne Altersbeschränkung. 109 Minuten. Kinostart: 6. Juni 2013.
Mit: Ethan Hawke, Julie Delpy, Walter Lassally, Athina Rachel Tsangari u.a. Regie: Richard Linklater. Drehbuch: Julie Delpy, Ethan Hawke, Richard Linklater.

 

Before Midnight_Poster

 

Unter griechischer Sonne

1994 lernten sich der Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und die Französin Celine (Julie Delpy) während einer Zugfahrt kennen, verbrachten einen Tag und eine Nacht in Wien. Neun Jahre später trafen sie sich in Paris wieder, hatten jedoch nur wenige Stunden Zeit füreinander. Nun sind achtzehn Jahre seit ihrer ersten Begegnung vergangen. Seit Paris sind Celine und Jesse endgültig ein Paar und die Eltern von hübschen Zwillingsmädchen. Beide sind erfolgreich in ihrem Beruf. Jesse hat diverse Bücher über seine Geschichte mit Celine geschrieben und wurde dadurch zum gefragten Schriftsteller. Celine erwägt nun einen Job-Wechsel zu einer Regierungsorganisation. Den sechswöchiger Urlaub auf dem griechischen Anwesen des alternden Autors Patrick (Walter Lassally), einem Mentor Jesses, genießt die junge Familie. Bis die geplante Liebesnacht in einem schicken Hotel im Ausbruch sämtlicher Differenzen kulminiert…

Before Midnight_Essen Noch herrscht ausgelassene Urlaubsstimmung

1994. Ein Amerikaner und eine Französin lernen sich im Zug kennen, verbringen einen gemeinsamen Tag in Wien. Sie spazieren durch die Stadt, lernen sich innerhalb von kurzer Zeit kennen, reden über Gott und die Welt. Nach diesem im Grunde einfachen Rezept funktionierte Richard Linklaters 1995 veröffentlichter „Liebesfilm“ Before Sunrise mit Ethan Hawke (Gattaca) als Jesse und Julie Delpy (Homo Faber) als Celine. Am Ende gehen die beiden gezwungenermaßen wieder getrennte Wege. Bis sie sich neun Jahre später in Paris bei einer Lesung treffen (Before Sunset, 2004). Jesse hat über seine Begegnung mit Celine ein Buch geschrieben und tourt als erfolgreicher Autor durch Europa. Erneut bleiben nur wenig Zeit und der Ausgang der Beziehung offen.

Nach dem offenen Ende von Before Sunset war irgendwie klar, dass früher oder später eine weitere Fortsetzung kommen würde und aus Sicht des Zuschauers auch musste. Mit dem Drehbuch erneut vom Regisseur und seinen beiden Hauptdarstellern verfasst, fanden die Dreharbeiten im Sommer 2012 in Griechenland statt. Diesmal ist der zentrale Aufhänger kein Spaziergang durch eine europäische Großstadt, sondern das Ende eines langen Urlaubs unter griechischer Sonne, den das Paar mit einer romantischen Nacht in einem Hotel ausklingen lassen möchte.

Eigentlich könnten die beiden Protagonisten glücklich sein. Mittlerweile Anfang 40, sind beide beruflich erfolgreich und dank Jesses Erfolg als Schriftsteller finanziell auch recht unabhängig. Celine engagiert sich immer noch sehr für die Umwelt. Auch mit den beiden Töchtern Nina und Ella ist alles bestens. Nach dem Spaziergang (in bekannter Manier) kriegen sich die Liebenden im Hotelzimmer jedoch in die Haare. Ihre Ängste, der Frust, gegenseitige Anschuldigungen entladen sich mit einem Mal. Celine erwägt einen Jobwechsel. Weil Jesse oft auf Lesereise unterwegs ist, fühlt sie sich mit den Kindern allein gelassen und wirft ihrem Partner Egoismus vor. Jesse dagegen erwägt einen Umzug von Paris in die USA, damit er seinen vierzehnjährigen Sohn Hank aus erster Ehe häufiger sehen kann. Zu Beginn des Films wird Hank von seinem Vater zum Flughafen gebracht. Der Abschied von seinem Sohn macht Jesse nachdenklich, während es Hank kaum zu stören scheint.

War in den beiden Vorgängern die Grundstimmung meist positiv und schufen die kurzen intensiven Begegnungen eine reizvolle Atmosphäre, so ist die Ausgangssituation beim dritten Teil eine völlig andere. Als Zuschauer erlebt man den eigentlich traumhaften Urlaub in Griechenland mit. Relaxen am Strand, ein kleiner Plausch unter Schriftstellern, gemütliches Beisammensein beim Abendessen, malerische Sonnenuntergänge. Doch irgendwann wird klar, dass die Urlaubsidylle für die beiden Hauptfiguren nur Fassade ist und die unterdrückten Streitpunkte brechen heraus. Diese Wende in der Story macht Before Midnight wesentlich trauriger und ernüchternder als vermutet. Aber das ist auch die Stärke der gesamten Filmreihe. Romantikklischees werden vermieden, stattdessen lebensechte Situationen behandelt.

Auch beim dritten Mal glänzen Regisseur Richard Linklater (School of Rock, A Scanner Darkly) und sein Team mit den bekannten Inszenierungsmitteln. Da dürfen die langen Dialogszenen ohne Schnitt nicht fehlen, vor allem eine fünfzehnminütige Einstellung einer Autofahrt ist besonders eindrucksvoll. Seinen beiden Vorgängern hat Teil drei voraus, dass es diesmal richtige Nebenfiguren gibt. Da wäre vor allem der gealterte Autor Patrick, gespielt vom britischen Kameramann Walter Lassally (Alexis Sorbas) in seinem Schauspieldebüt, oder auch das griechische Ehepaar Ariadni (Athina Rachel Tsangari) und Stefanos (Panos Koronis).

Mal ehrlich, eigentlich keine Fortsetzung eines Blockbusters der letzten Jahre war sinnvoller als Before Midnight. Auch wenn der Film den Abschluss der Geschichte von Jesse und Celine bilden könnte, wissen wir nicht sicher, was in weiteren neun Jahren so alles passieren kann.

Fazit: Before Midnight bringt die gemeinsame Geschichte von Jesse und Celine zu einem entscheidenden Wendepunkt. Szenen und Einstellungen von simpler Schönheit, authentisch inszeniert und gespielt. 8 von 10 Punkten.

 

Before Midnight_Tisch
Kurz vor Mitternacht

 

 

Demnächst: DVD-Kritik zu Before Sunset

 

 

Marius Joa, 21. Juni 2013. Bilder: Fox/Prokino.

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