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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 29. November 2017

Wie verarbeitet man nach dem Tod der Eltern auch noch den Verlust des einzig verbliebenen Familienmitglieds? Diese Frage erforscht Regisseur Oliver Kienle mit seinem neuen Film: „Die Vierhändige“.

 

Lady Macbeth

Von Marius Joa. Publiziert am 19. November 2017

Im England des 19. Jahrhunderts nutzt die junge Frau eines Gutsbesitzers die Gelegenheit, aus ihrem tristen Eheleben auszubrechen. Doch so schnell will die gewonnene Freiheit nicht aufgegeben werden…

Lady Macbeth
Drama UK 2016. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 89 Minuten. Kinostart: 2. November 2017.
Mit: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Naomi Ackie, Paul Hilton, Christopher Fairbank u.a. Regie: William Oldroyd. Drehbuch: Alice Birch. Nach
Die Lady Macbeth von Mzensk von Nikolai Leskow.

 

 

Mörderische Kargheit

England im 19. Jahrhundert. Die 20jährige Katherine (Florence Pugh) heiratet den etwa doppelt so alten Gutsbesitzer Alexander Lester (Paul Hilton). Doch Alexander vollzieht die Ehe nicht und macht sich kurze Zeit später auf eine lange Geschäftsreise. Katherine bleibt mit dem Hausmädchen Anna (Naomi Ackie) allein zurück und verfällt in Lethargie. Bei einem Vorfall im Gesindehaus wird die junge Mrs. Lester auf den rebellischen Gutsarbeiter Sebastian (Cosmo Jarvis) aufmerksam. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, welche die Hausherrin aufblühen lässt. Um ihr neues Glück zu erhalten schreckt Katherine auch vor Mord nicht zurück…

 Sleeping Beauty

Eine gute Ehefrau verlässt das Haus nie, benimmt sich zurückhaltend und erledigt ihre wichtigsten ehelichen Pflichten zur vollsten Zufriedenheit. Solch ein Leben muss die frisch verheiratete Katherine führen. Doch aufgrund der Dienerschaft hat sie keinerlei Arbeit zu erledigen und ihr Ehemann verlässt sie kurz nach der Hochzeit, ohne die Ehe zu vollziehen. Eine absurde Situation für Katherine, die vor lauter Langeweile und Einsamkeit den halben Tag zu verschlafen droht. Als die junge Mrs. Lester aber dem schneidigen Arbeiter Sebastian begegnet, ist fortan nichts mehr wie es einmal war. Doch um das schöne Leben weiterhin genießen zu können, gerät Katherine in einen Strudel von Lügen und Gewalt.

Aus so einem Stoff hätten andere Regisseur sicherlich einenn theatralisch-intensiven und wendungsreichen Film gemacht. Nicht so William Oldroyd, der nach mehreren Jahren als Theaterschaffender und drei Kurzfilmen mit Lady Macbeth sein Langfilmdebüt gab. Basierend auf einer russischen Novelle reduziert nicht nur das Drehuch von Alice Birch die ganze Geschichte auf ein notwendiges Minimum. Auch die Inszenierung könnte spärlicher nicht sein. Wo sollte sich die Handlung sonst abspielen, als in einer völlig schmucklosen Herrenhaus mitten in einer von kargen Wäldern und farblosen Panoramen durchsetzten englischen Ödnis? Dazu wird das Geschehen in überaus langen Takes bei einer höchst statischen Kameraführung eingefroren. Viele Szenen wirken wie sich nur geringfügig bewegende Gemälde aus einer Epoche der biederen Farblosigkeit. Musikalische Untermalung gibt es fast gar keine. Vermutlich gab es zuletzt mit Sleeping Beauty (2011) einen derart karg inszenierten Film.

Und doch gelingt trotz der minimalen Zutaten ein fesselndes und gleichzeitg eisig-nüchterndes Befreiungsdrama, bei dem sich noch mehr auf der subtextuellen Ebene abspielt. Obwohl die Geschichte im 19. Jahrhundert spielt, so könnten die enthaltenen Themen aktueller nicht sein: Misogynie, Rassismus, rechtloses Arbeiterdasein, die Grenzen zwischen Arm und Reich sowie totale Bigotterie. In diesem Spannungsfeld kann vor allem Hauptdarstellerin Florence Pugh (Marcella) glänzen, aber auch die weiteren Darsteller wie Naomi Ackie als das schwarze Hausmädchen Anna, dem es bei den Untaten ihrer Herrin irgendwann die Sprache verschlägt, agieren wirkungsvoll.

Lady Macbeth ist sicherlich alles andere als ein Wohlfühlfilm und Fans von Jane Austen sollten sich die Sichtung lieber zweimal überlegen. Allerdings überzeugt das für lediglich 500 000 Pfund gedrehte Drama als ungemein homogenes Werk kühl-ästhetischer Filmkunst.

Fazit: Spielfilmdebütant William Oldroyd zelebriert das Aufbegehren einer Frau gegen rigorose patriarchalische Strukturen als unfassbar minimalistisches Filmdrama von inszenatorischer Präzision, welches zudem von seiner starken Hauptdarstellerin Florence Pugh lebt. 8 von 10 Punkte.

Mr. und Mrs. Lester
Katherine und Sebastian

 

Marius Joa, 19. November 2017. Bilder: Koch Media.

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