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Von Marius Joa. Publiziert am 12. November 2017

Nun läuft auch die neueste Verfilmung von Agatha Christies Kriminalroman „Mord im Orientexpress“ in den Kinos, dieses Mal unter Regie von Kenneth Branagh, der auch die Hauptrolle spielt.

 

Mord im Orientexpress (2017)

Von Marius Joa. Publiziert am 12. November 2017

Nun läuft auch die neueste Verfilmung von Agatha Christies Kriminalroman Mord im Orientexpress in den Kinos, dieses Mal unter Regie von Kenneth Branagh, der auch die Hauptrolle spielt.

Mord im Orientexpress (Murder On The Orient Express)
Krimi USA 2017. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 114 Minuten. Kinostart: 9. November 2017.
Mit: Kenneth Branagh, Tom Bateman, Penélope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr., Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley u.a. Regie: Kenneth Branagh. Drehbuch: Michael Green. Nach dem Roman von Agatha Christie.

 

 

Wenn nicht nur der Zug entgleist

1934. Nachdem Hercule Poirot (Kenneth Branagh) einen Diebstahl an der Klagemauer in Jerusalem aufklären konnte, wird er für einen neuen Auftrag nach London zurückbeordert. Zufällig trifft der belgische Detektiv auf seinen Landsmann Monsieur Bouc (Tom Bateman), dem Direktor des Orientexpresses, der ihm einen Platz in der ersten Klasse reservieren lässt. Die zweite Nacht endet für Poirot, Bouc sowie die illustren weiteren Passagiere des Zuges mit zwei dramatischen Vorfällen. Der Zug steckt irgendwo in Jugoslawien in einer Schneeverwehung fest. Außerdem findet man den Geschäftsmann Mr. Ratchett (Johnny Depp) tot in seinem Abteil vor, ermordet durch zwölf Messerstiche. Auf Bitten Boucs nimmt Poirot sogleich die Ermittlungen auf. Nach einer ersten Beweisaufnahme befragt der Meisterdetektiv die übrigen Zuggäste, darunter die gechwätzige Witwe Mrs. Hubbard (Michelle Pfeiffer), die russische Prinzessin Dragomiroff (Judi Dench), die Gouvernante Mary Debenham (Daisy Ridley) sowie Ratchetts Sekretär Mr. MacQueen (Josh Gad) und seinen Diener Masterson (Derek Jacobi). Alles deutet darauf hin, dass der Mord im Zusammenhang mit einem vor Jahren in den USA begangenen anderen Verbrechen in Zusammenhang steht…

Meine Begeisterung als die kommende Neuverfilmung von Mord im Orientexpress von/mit Kenneth Branagh bekannt gegeben wurde war eher verhalten. Es gibt schließlich bereits zwei sehr gute Adaptionen des Romanes von Agatha Christie (1890-1976), von Regisseur Sidney Lumet aus dem Jahre 1974 sowie die betreffende Episode aus der Serie Poirot. Nach dem Kinobesuch der 2017er Version kann ich deren Notwendigkeit leider nicht bejahen. Vielmehr ringt diese dem Stoff nicht wirklich etwas Neues ab und verhaspelt sich dazu in einer nicht besonders schwierigen Handlung.

Das Problem fängt schon bei der Hauptfigur an. Kenneth Branagh ist ein guter Regisseur und Schauspieler, der sich sich vor allem mit seinen herausragenden Shakespeare-Adaptionen für die große Leinwand – darunter Henry V (1989), Viel Lärm um Nichts (1993) sowie die Volltext-Filmversion von Hamlet (1996) – einen Namen gemacht hat. Während man die bisherigen Darsteller durch Auspolsterungen und Makeup in den belgischen Meisterdetektiv verwandelte, so trägt Branagh einfach einen geradezu lächerlich unechten Schnurrbart (Jean Pütz hat vermutlich jetzt noch Tränen in den Augen) und spricht mit dem üblichen Akzent. Das wars. Poirots Marotten, die ihn sonst exzentrisch-liebenswert wirken lassen, werden hier bis zur Peinlichkeit ausgewalzt. So entzaubert man eine Ikone der klassischen Kriminalliteratur.

An sich ist weder Geschichte noch Dramaturgie der Vorlage besonders schwierig oder verwirrend. Doch irgendwie kriegen es die Macher des Remakes hin, sich durch unnötige Verkomplizierung oder kleine Aussparungen in ihr zu verzetteln, was dem ein oder anderen Zuschauer ohne Vorkenntnisse (sei es durch Roman oder die alte Verfilmung) sicherlich unnötigerweise verwirren dürfte, schlicht weil die innere Logik des Ausgangsmaterials dadurch nicht mehr ganz funktioniert. Völlig deplatziert, vor allem in Bezug auf die Atmosphäre des Werkes, sind auch die beiden effektheischenden „Actionszenen“. Vom übermäßig theatralischen Finale gar nicht zu reden. Das Drehbuch stammt übrigens von Michael Green, der mit Alien: Covenant, Logan und Blade Runner 2049   die Skripts zu gleich drei weiteren 2017er Blockbustern (mit)verfasste.

Positiv in Erinnerung bleibt neben einer soliden Ensembleleistung (große Namen wie Dame Judi Dench, Johnny Depp, Sir Derek Jacobi und Michelle Pfeiffer geben sich hier die Klinke in die Hand) die ungewöhnliche, aber wirkungsvolle Kameraarbeit von Branaghs zypriotischem Stammkameramann Haris Zambarloukos (Thor, 1 Mord für 2), der mit seinem Team die Geschehnisse aus außergewöhnlichen Blickwinkeln, etwa in langen Takes von oben oder durch leicht verspiegelte Fenster eines Waggons, einfängt. Es gibt durchaus auch wenige gelungene (Dialog-)Szenen, von denen man gerne mehr gesehen hätte. Aber leidet ist Regisseur Kenneth Branagh insgesamt der Film recht (pun intended) entgleist.

Fazit: Die wenigen guten Ansätze von Kenneth Branaghs im Grunde unnötiger Neuverfilmung können leider nicht die unlogisch aufgebaute Handlung und alberne Änderungen kompensieren. 4 von 10 Punkten.


Ratchett spürt die Gefahr

 

Die „lustige“ Witwe

 

 


Die ernste Prinzessin

Marius Joa, 12. November 2017. Bilder: Fox.

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