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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 29. November 2017

Wie verarbeitet man nach dem Tod der Eltern auch noch den Verlust des einzig verbliebenen Familienmitglieds? Diese Frage erforscht Regisseur Oliver Kienle mit seinem neuen Film: „Die Vierhändige“.

 

The Fall

Von Sarah Böhlau. Publiziert am 10. März 2009

Sarah Böhlau sah das Fantasy-Drama The Fall im Kino und würde ihn später gerne auch auf DVD kaufen. Nur ist sie sich nicht sicher, ob man diesen Film auch auf DVD ansehen kann. Möglicherweise enthält der Streifen zu viele Farben für einen normal großen Fernsehbildschirm.

The Fall
Fantasy-Drama Großbritannien/Indien/USA 2006. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 117 Minuten. Deutscher Kinostart: 12. März 2009.
Mit: Lee Pace, Catinca Untaru, Justine Waddell, Leo Bill, Jeetu Verma u. a. Regie: Tarsem Singh. Drehbuch: Tarsem Singh, Dan Gilroy, Nico Soultanakis

Der Geschichtenerzähler

Irgendwann um 1910 in Los Angeles: Roy (Lee Pace) ist Stuntman für Stummfilme – oder war es, denn bei seinem letzten Sturz hat er sich das Rückgrat gebrochen. Seine Karriere ist vorbei, ebenso die Beziehung zu der Frau, die er mit dem Stunt zurückgewinnen wollte. Jetzt liegt er in einem Krankenhaus , hadert mit der Welt und will sterben.
Einen Ausweg bietet die fünfjährige Alexandria (Catinca Untaru), die mit einem gebrochenen Arm auf der Kinderstation liegt. Die Kleine mit der süßen Zahnlücke ist der Liebling des Krankenhauspersonals. Sie streift auf dem Gelände herum, schleckt  an den Eisblöcken für das Kühlhaus und bewirft Priester mit Orangen.  Diesen Bewegungsfreiheit des Mädchens beschließt sich Roy zunutze zu machen. Er gewinnt die Freundschaft des Mädchens indem er ihr eine Geschichte erzählt. Roys Geschichte ist ein arabisch-indisches Märchen, in dem fünf Männer aufbrechen, um ihren gemeinsamen Erzfeind, den bösen Gouverneur Odoius zu töten. (Einer davon ist Charles Darwin in einem roten Schmetterlingspelzmantel. Schon allein deswegen sollte man den Film sehen.)

Die Explosion von Farbigkeit in den Bildern der Geschichte steht im ultimativen Widerspruch zum Schwarz-Weiß  der Stummfilme, die die Filmhandlung einrahmen. Die staubig-gelbe Realität des in der kalifornischen Sonne dösenden Krankenhauses stellt einen Mittelpunkt zwischen beiden Extremen dar. Theoretisch könnte man den Film auch ohne Ton sehen und sich nur an den Bilder sattsehen.
The Fall
ist der zweite Film von Regisseur Tarsem Singh. Auch in seinem Debütfilm etablierte er neben der Realität der Handlung eine Parallelwelt, die rein durch die menschliche Vorstellungskraft geschaffen ist. In einer The Fall nicht unähnlichen Handlung koppelte sich 2000 in The Cell Jennifer Lopez in die Gedankenwelt eines komatösen Serienkillers ein.

Die wunderbaren Farben und Bilder der Fantasiewelten in beiden Filmen haben allerdings auch grausame Züge. The Fall ist ein Film über die Macht der Fantasie, aber kein fröhlicher. Mit Roys wachsender Verbitterung bekommt auch seine Geschichte zunehmend düstere Züge. Auch wenn die Bilder bunt und bombastisch bleiben, schleicht sich die Realität ihres depressiven Erzählers in die Handlung ein. Gegen die Einmischungen und das Flehen seiner kleinen Zuhörerin wird die Geschichte immer hoffnungsloser und blutiger. Am Ende sind beide Bereiche so eng verwoben, dass die Entscheidung  für oder gegen ein Happy End für seinen Protagonisten auch über Roy selbst entscheiden wird.
Der Originaltitel wurde übernommen und glücklicherweise nicht vom deutschen Verleiher durch eine geschmacklosere Variante a lá Krankenhaus der zerschmetterten Träume oder The Fall – Fantasie wird dich retten ersetzt. Ich sag ja nur. Der offensichtlichste (wahrscheinlich aber nicht einzige) Bezug des Films zum Titel The Fall sind die beiden Stürze, die die beiden Protagonisten ins Krankenhaus bringen. Der eine springt mit einem Pferd von einer Eisenbahnbrücke, die andere fällt beim Orangenpflücken von der Leiter.
Am 12. März kommt The Fall in die deutschen Kinos und hat damit bei uns einen reichlich späten Starttermin verpasst bekommen. Bereits ein Jahr bevor Hauptdarsteller Lee Pace durch Pushing Daisies zum Tote erweckenden Kuchenbäcker wurde, lief The Fall 2006 dem Filmfestival in Toronto. Wie schade. Wir hätten diesen wunderbaren Film gerne früher gesehen.

Fazit: Einfach toll. Salvador Dalí malt 1001 Nacht. 10 von 10 Punkten.


Gestürzt: Alexandria und Roy.

Kommen ganz schön rum: Die fünf Gefährten.

Auf der Suche nach dem bösen Governeur …

… muss aber trotzdem noch Zeit für eine kleine Hochzeit sein.
Sarah Böhlau, 10. März 2009. Bilder: Capelight.

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