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Von Marius Joa. Publiziert am 15. Oktober 2017

Bei der Flut von unnötigen Sequels und Reboots, auch von teilweise lang zurückliegenden Filmen, kommt es wie eine Wohltat, wenn es dann doch ausnahmsweise eine wahrlich würdige Fortsetzung gibt: „Blade Runner 2049“, von Regisseur Denis Villeneuve.

 

The Fountain

Von Marius Joa. Publiziert am 29. Januar 2007

Der neue Film von Regisseur Darren Aronofsky („Requiem For A Dream“) spaltet Publikum sowie Kritiker. Bei den Filmfestspielen in Venedig gab es Buh-Rufe und Applaus. Um den Film zu sehen, ist Marius Joa etwa 100 Kilometer gefahren. Hier seine Kritik.

Drama USA 2006. Regie: Darren Aronofsky. Musik: Clint Mansell. 96 Minuten. FSK ab 12.
Mit Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn, Mark Margolis, Cliff Curtis, Sean Patrick Thomas, Donna Murphy, Ethan Suplee u.v.a.

In der Gegenwart: Izzy (Rachel Weisz), die Ehefrau des Arztes Tommy Creo (Hugh Jackman) hat Krebs im Endstadium und nicht mehr lange zu leben. Verzweifelt sucht Tommy ein Mittel, um sie zu heilen. Ein geheimnisvoller Baum könnte die Lösung bringen. Mit Sorgen sieht Tommys Kollegin Lillian (Ellen Burstyn), das er seine ganze Kraft in die Forschung steckt anstatt die verbleibende Zeit mit Izzy zu verbringen. Izzy selbst hat ein Buch geschrieben, das fast fertig ist. Es fehlt nur noch das letzte Kapitel.
Die Handlung des Buches spielt zur Zeit der spanischen Inquisition. Um ihr Land und sich selbst vor der Terrorherrschaft des Großinquisitors zu retten, bittet Königin Isabella (auch Weisz) ihren treuesten Gefolgsmann, den Hauptmann Tomas (auch Jackman), nach „Neu-Spanien“ (das heutige Mexiko) zu reisen, um den „Baum des Lebens“ zu finden. Nach der Bibel und nach einer Legende der Maya sei dieser Baum der Schlüssel zur Unsterblichkeit.
In ferner Zukunft reist ein Mann (Jackman in seiner dritten Rolle) mit einem sterbenden Baum in einer Luftblase zum sterbenden Xibalba-Nebel ins All. Der Nebel soll die Quelle des Lebens sein.

Macht sich Sorgen um Tom: Lillian (Ellen Burstyn).

Bereits 2002 kündigte Darren Aronofsky, Regisseur von „Pi“ und dem Sucht-Drama „Requiem For A Dream“ an, den Film „The Fountain“ zu drehen, mit den Hollywoodstars Brad Pitt (auch Produzent) und Cate Blanchett in den Hauptrollen sowie einem Budget von 75 Millionen Dollar. Nachdem Pitt wegen großer kreativer Differenzen ausstieg, wurde das Projekt auf Eis gelegt. Anfang 2004 entschloss sich Aronofsky den Film mit einem kleineren Etat von 35 Millionen Dollar zu drehen. Die Hauptrollen übernahmen die nicht ganz so bekannten Hugh Jackman und Rachel Weisz, die Verlobte Aronofskys. Gedreht wurde von November 2004 bis Februar 2005 in Montreal (Kanada) und Guatemala. Aus Budget-Gründen wurde das Script von 2002 gekürzt und vereinfacht. Die ursprüngliche Fassung ist als Graphic Novel bei Vertigo Comics bzw. Pannini erschienen.

Die visuellen Effekte wurden nicht durch computergenerierte Bilder erzeugt, sondern durch mikroskopische Fotografien chemischer Reaktionen in Petri-Schalen. Der Regisseur erklärte diese Herangehensweise damit, dass der Film zeitloser wirken soll.

Die meisten Kinos in Deutschland machen anscheinend einen großen Bogen um den Film, gilt er doch als schwierig und spaltet Zuschauer sowie Kritiker gleichermaßen. Auf der Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig im September 2006 gab es nach der Vorstellung laute Buh-Rufe und großen Applaus zugleich. Fest steht, „The Fountain“ ist ein Film, auf den man sich einlassen muss. Wer eine herkömmliche Lovestory und/oder einen actiongeladenen, spannenden Science-Fiction-Film erwartet, sollte sich den Kinobesuch lieber sparen. Wer im Kino nichts von Philosophie und Religion hören will, sicher auch. Wer sich aber auf ein Kinoerlebnis, das einfach anders ist, einlassen kann, den bringt das komplexe Werk sicher zum Nachdenken. Und das will „The Fountain“ auch. Zum einen wird der Zuschauer durch die Verknüpfungen der drei nicht linear erzählten Geschichten und deren Zusammenhang dazu angeregt, sich selbst einen Reim daraus zu machen. Außerdem kann man sich von der Magie der surreal schönen Bilder einfangen lassen.

Wie in „Requiem For A Dream“ arbeitete Score-Komponist Clint Mansell wieder u.a. mit den Streichern vom Kronos Quartet zusammen und schaffte damit den etwas verstörenden Teil des Films: die Musik. Der Soundtrack dürfte für alle Filmmusik-Fans ein Pflichtkauf sein.

Eine passende Genre-Bezeichnung für den Film zu finden, ist so gut wie unmöglich. Liebes-Drama, Historienfilm, Science-Fiction, Fantasy, Mystery, „The Fountain“ vereint alle Elemente aus all diesen Genren zu einem einzigartigen Ganzen. Dazu kommen Themen wie Tod und Unsterblichkeit, vor allem aus der Sicht der Mythologie der alten Maya-Hochkultur.

Wenn man sich die Darstellungen der beiden Hauptdarsteller Hugh Jackman und Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz anschaut, die beide durch reine Unterhaltungsfilme wie die „X-Men„-Trilogie (Jackman) und die Mumien-Filme (Weisz) bekannt wurden, kann man sich kaum vorstellen, wie Brad Pitt und Cate Blanchett diese Rollen gespielt hätten. Hugh Jackman liefert die vielleicht beste Performance seiner Karriere ab. Rachel Weisz überzeugt als todkranke, aber emotional starke Frau. Die Hauptgeschichte um die todkranke Izzy und ihren Mann, der einfach nicht loslassen kann, ist natürlich die greifbarste.

Es gibt sicher viele Botschaften und Deutungsmöglichkeiten, doch sollte sich jeder Zuschauer selbst darüber Gedanken machen. Eine allgemeingültige Lösung bietet das Genre-Puzzle von Darren Aronofsky nicht. Mitunter wirkt das ganze Werk sehr verwirrend und die visuellen Effekte sowie die Szenen in der Zukunft etwas merkwürdig, vielleicht auch etwas unfreiwillig komisch. Stellt man sich vor, das ursprüngliche Script wäre verfilmt worden, hätte dies den Film vielleicht undurchdringlich gemacht.

Fazit: Philosophisches Genre-Puzzle über den Tod und das ewige Leben, das sehr zum Nachdenken anregt und Raum für vielerlei Deutungsmöglichkeiten lässt. Surreale, schöne Bilder mit verstörender Musik und zwei Hauptdarstellern in Höchstform. Jeder interessierte Kinofan sollte sich diesen Film anschauen. 9 von 10 Punkten.

Marius Joa, 29. Januar 2007. Bilder: Warner.

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