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Filmkritik DVD: Hulk
Thema: Filmkritiken DVD



Vor fünf Jahren versuchte sich der vielseitige Arthaus-Regisseur Ang Lee mit Hulk erstmals an einer Comicverfilmung. Das Resultat sorgte für geteiltes Echo. Marius Joa hat sich den Film angesehen und erläutert die Gründe.   


Hulk
Comicverfilmung USA 2003. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 133 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Eric Bana, Jennifer Connelly, Sam Elliott, Josh Lucas, Nick Nolte u. a. Regie: Ang Lee. Nach den Comics von Stan Lee und Jack Kirby.


Große Ambitionen

Bruce (Eric Bana) ist ein hochbegabter Wissenschaftler, der mit seiner Ex-Freundin Betty (Jennifer Connelly) am Berkeley-Institut in Kalifornien an einem aussichsreichen Experiment mit Gamma-Strahlen arbeitet. Als jedoch bei einem Unfall Bruce einer hohen Konzentration der Strahlung ausgesetzt wird, ändert sich alles. Von nun an verwandelt sich der eigentlich zurückhaltende Bruce bei hohem Stressfaktor in das wütende Ungeheuer Hulk. Das bleibt natürlich auch dem US-Militär unter Bettys Vater, General Ross (Sam Elliott), nicht lange verborgen. Zudem entpuppt sich der neue Labor-Hausmeister als Bruces totgeglaubter Vater David Banner (Nick Nolte), der seinem Sohn erklärt, dass sein Alter Ego nicht nur auf den Unfall, sondern auch auf sein verändertes Erbgut zurückzuführen ist. Das Militär nimmt Bruce in Gewahrsam und stellt ihn auf einer abgelegenen unterirdischen Basis unter Beobachtung. Doch als Bruce sich wieder in Hulk verwandelt, gelingt ihm die Flucht, natürlich nicht ohne eine Spur der Verwüstung anzurichten.  

Bild links: Bruce und Betty

Wirft man einen Blick auf das bisherige Werk des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee (Das Hochzeitsbankett, Sinn und Sinnlichkeit, Der Eissturm, Tiger & Dragon, Gefahr und Begierde), so erkennt man, dass sich der 53jährige auf kein Genre festlegen lässt und immer wieder Neues ausprobiert. Sein Markenzeichen sind die tiefe Darstellung innerer und äußerer Konflikte, jedoch ohne übertriebene Melodramatik. Dieser Aspekt macht auch die halbwegs gelungene erste Hälfte seiner ambitionierten Marvel-Comicadaption Hulk aus. In der zweiten Hälfte verliert sich der Film aber leider in plumpen, überladenen Action-Szenen, was ein gemischtes Gefühl beim Zuschauer hinterlässt.  

Vor allem wenn man die Kritik eines Kollegen zur Hand nimmt, die an Hulk wahrlich kein gutes Haar lässt, so ist man angenehm überrascht, wie der Film auf emotionaler und psychologischer Ebene überzeugen kann. Bruce Banner wurde als kleiner Junge nach einem traumatischen Erlebnis von seinen Eltern getrennt und wuchs bei Pflegeeltern auf. Seine früheste Kindheit hat er seit jenem Ereignis verdrängt, doch taucht sie immer wieder in seinen Träumen auf. Mit der Hilfe von Betty gelingt es ihm, sich teilweise wieder zu erinnern. Die gelungene erste Hälfte ist natürlich auch den guten Schauspielern Eric Bana (Troja, München) und Jennifer Connelly (Oscar für A Beautiful Mind) zu verdanken.

Doch leider wird die Charaktertiefe in der zweiten Hälfte des Films fast völlig vernachlässigt und stattdessen bekommt der Zuschauer (ob er will oder nicht) plumpe Action vorgesetzt. Die CGI-Version von Hulk ist wirklich gelungen, aber der aussichtslose Kampf des Militärs gegen ihn ermüdet zu schnell und wirkt mitunter unfreiwillig komisch. Erschwerend kommt die ziemlich überzeichnete Rolle von David Banner, gespielt von Nick Nollte, hinzu. Dieser hetzt z. B. seine mutierten Hunde (darunter ein Pudel!) auf die ahnungslose Betty. Das Finale des Films ist dann hemmungslos überladen und laut.

Doch die o. g. Schwachpunkte sind nicht die einzigen. Die Musik von Danny Elfman hat eigentlich nur zweierlei zu bieten: ein eingängiges, aber auf Dauer nervendes Thema und das übliche, einfallslose Ethno-Geheule. Für die Optik dachten sich die Macher was ganz „Revolutionäres“ aus. In vielen Szenen wird der Bildschirm wie ein Comic geteilt und man bekommt dadurch mehrere Blickwinkel geboten. Was am Anfang noch innovativ und interessant ist, ermüdet den Zuschauer mit der Zeit auch immer mehr.

Ang Lees Hulk scheitert zwar nicht auf ganzer Linie, wäre aber deutlich besser geworden, wäre man der ersten Hälfte treu geblieben. Am 10. Juli 2008 wird das Hulk-Film-Franchise mit Der unglaubliche Hulk neu aufgelegt. In einem fast kompletten „Reboot“ spielen Edward Norton (Bruce/Hulk), Liv Tyler (Betty Ross) und William Hurt (General Ross) unter der Regie von Louis Leterrier (The Transporter) die Hauptrollen. Der Film soll geradliniger als sein Vorgänger werden. Wir werden sehen.

Fazit: Unausgewogene, überambitionierte Comicverfilmung mit zwei qualitativ extrem schwankenden Hälften. Zwar kein kompletter Reinfall, aber enttäuschend. 4 von 10 Punkten.


Betty macht sich Sorgen um Bruce

 
Was führt David Banner im Schilde?

 
General Ross und seine Tochter Betty

 
 

DVD-Features

Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch 

Ang Lees Hulk gibt es in drei DVD-Ausgaben. Als Single Disc-Edition mit ca. 19 Minuten Bonusmaterial, als Special Edition (2 DVDs) und als Limited Edition (3 DVDs inklusive einer Neuauflage des ersten Comic-Bandes). Die deutsche Kinofassung war für die Freigabe ab 12 Jahren übrigens um eine Minute geschnitten. Alle DVD-Fassungen sind dagegen ungeschnitten.

 

Marius Joa, 6. Juli 2008. Bilder: Universal.


 
Filmbewertung
10 = grandios
9 = hervorragend
8 = sehr gut
7 = sehenswert
6 = passabel
5 = durchschnittlich
4 = lasch
3 = enttäuschend
2 = einfach schlecht
1 = katastrophal
0 = keine Wertung

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