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Von Marius Joa. Publiziert am 26. Mai 2017

Der amerikanische Filmemacher Terrence Malick gilt als “Poet des Kinos”. Sein neuestes Werk „Song To Song“ wird diesem Ruf inszenatorisch durchaus gerecht.

 

The Crown

Von Marius Joa. Publiziert am 19. Februar 2017

Aufgrund weltweit wachsender Abonnenten-Zahlen scheut sich der Steaminganbieter Netflix auch nicht mehr, richtig teure Serien zu produzieren. Den derzeitigen Höhepunkt dieser Entwicklung bildet sicherlich The Crown von Peter Morgan, über die frühen Regierungsjahre von Königin Elisabeth II.

The Crown
Gesellschaftsdrama/Historienserie UK, USA 2016. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 580 Minuten.
Mit: Claire Foy, Matt Smith, Vanessa Kirby, Eileen Atkins, Victoria Hamilton, Ben Miles, Jeremy Northam, John Lithgow, Jared Harris, Alex Jennings u.v.a. Idee & Drehbuch: Peter Morgan.

 

Beginn einer Ära

Nach ihrer Hochzeit leben Prinzessin Elizabeth von England (Claire Foy) und ihr Gemahl Prinz Philip (Matt Smith) in Malta, wo sie auch ihre Kinder aufziehen. Als Elizabeths Vater, König George VI. (Jared Harris), schwer erkrankt, kehrt das Prinzenpaar nach England zurück. Unterdessen wurde Winston Churchill (John Lithgow) als Premierminister wiedergewählt. George versucht seine ältere Tochter auf ihre künftige Rolle als seine Nachfolgerin vorzubereiten, doch stirbt der englische König am 6. Februar 1952 im Alter von nur 56 Jahren. Elizabeth, die sich gerade auf einer Tour durch die Länder des Commonwealth befindet, kehrt als Königin in ihre Heimat zurück. Ein Jahr später wird sie schließlich gekrönt. Neben einem erfahrenen Umfeld stehen der jungen Monarchin auch der Premierminister zur Seite. Während sie langsam in ihre Rolle hineinwächst, muss Elizabeth aber immer zwischen ihren unterschiedlichen Pflichten als Familienoberhaupt und Königin abwägen, vor allem in der Angelegenheit ihrer Schwester, Prinzessin Margaret (Vanessa Kirby), die den geschiedenen Group Captain Peter Townsend (Ben Miles) ehelichen will…

 Probetermin mit der Krone

Der Schwerpunkt der bisherigen Arbeit von Peter Morgan (*1963) liegt eindeutig auf der Historie des britischen Königshauses und jüngeren Zeitgeschichte. Der britische Autor jüdischer Abstammung schrieb die Drehbücher zur Miniserie Henry VIII (2003), Die Queen (2007), Die Schwester der Königin (2008) sowie das Skript zu Der letzte König von Schottland (2006), Theaterstück und Filmadaption von Frost/Nixon (2008) und das Drehbuch zum biographischen Rennfahrer-Film Rush – Alles für den Sieg (2013). Mit The Crown hat sich Morgan einem für ihn logischen, wenngleich auch viel aufwändigerem Projekt zugewandt. Die im Auftrag des Streaminganbieters Netflix produzierte Historienserie soll sukzessive die komplette bisherige Herrschaftszeit von Königin Elizabeth II. von England (mittlerweile 90 Jahre alt und seit nunmehr 65 Jahren auf dem Thron) behandeln. 6 Staffeln mit insgesamt 60 Episoden sind geplant. Morgan schrieb alle zehn Folgen der ersten Staffel, die mit einem Budget von geschätzten 100 Millionen Pfund zu den teuersten Serien überhaupt gehört. Doch die große Investition hat sich gelohnt. Denn vor großer, detailreicher, historischer Kulisse wird hier ein episches Charakterdrama inszeniert, das überraschenderweise in den kleinen, intimen Momenten besonders glänzt.

Wenn die starre, von Tradition geprägte Hofetikette und die Maschinerie hinter den Kulissen des Königshauses (und der Regierung) dargestellt werden, präsentiert sich Morgan als ausgewiesener Kenner des Metiers, vor allem auch in der gleichzeitig ausschweifenden und präzisen Sprache. The Crown blickt auf die Menschen hinter der Institution, liefert aber keinen reißerischen Intrigenstadel oder gar eine sensationsgeile Ausbeutung der Figuren. Wer Boulevard-Futter konsumieren will, sollte sich eher der Serie The Royals zuwenden.

Inmitten dieser üppig ausgestatteten, wenngleich oft trist-grauer Szenerien finden sich immer wieder kleine Charaktermomente, in denen der große Zirkus um die Monarchie fast ausgeblendet wird, etwa in Folge 9 wenn sich Churchill mit seinem Porträtmaler Graham Sutherland (gespielt von Stephen Dillane, Game Of Thrones) unterhält und die beiden völlig grundverschiedenen Männer über den Verlust eines Kindes Gemeinsamkeiten entdecken. Oder als sich „Queen Mum“ (Victoria Hamilton) mit einem schottischen Landadeligen trifft und dieser die Königin-Mutter für eine bekannte Schauspielerin hält.

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so aussehen mag, so wird die Serie keineswegs nur aus der Sichtweise der jungen englischen Königin erzählt. Der Titel bezieht sich eben auf die Krone als Institution, weshalb auch die verschiedenen weiteren Mitglieder der königlichen Familie und die politische Führung um den Premierminister ausreichend Raum erhalten. Eine eigenwillige, aber sehr wichtige Außenperspektive nimmt Edward, Herzog von Windsor und Onkel Elizabeths ein, der nach seinem Thronverzicht zugunsten einer Ehe mit der mehrfach geschiedenen Amerikanerin Walli Simpson (Lia Williams) bei seiner Familie in Ungnade gefallen ist und mit seiner Frau im französischen Exil lebt. Hin- und hergerissen zwischen Verachtung für seine Gegner, dem Zauber des royalen Lebens und starkem Heimweh analysiert der von Alex Jennings (Prinz Charles in Die Queen) gespielte „Ex-König“ die Vorgänge in seiner Heimat mit bitteren Bemerkungen.

Der im Verlauf immer gebrechlichere, aber dennoch ungemein willenstarke Churchill wird vom amerikanischen Schauspieler John Lithgow (Garp und wie er die Welt sah, Interstellar) verkörpert. In der Hauptrolle glänzt Claire Foy, die gut ein Jahr zuvor noch als Anne Boleyn in der Miniserie Wölfe zu sehen war. Foy sieht zwar der jungen Köngin Elisabeth nicht unbedingt sehr ähnlich, es gelingt ihr doch den Sprachduktus und die Präsenz der Monarchin zu adaptieren. Auch die übrigen Darsteller wie Matt Smith (Doctor Who) als Prinz Philip, Jared Harris (Mad Men) als König George oder Pip Torrens als preußisch anmutender Privatsekretär Tommy Lascelles sind hervorragend. Im Grunde könnte man unter Berücksichtigung bestehender Filme zum Thema Morgans Serie auch als Fortsetzung zu The King’s Speech und (vorbehaltlich der noch kommenden Staffeln) Prequel zu Die Queen einordnen. Wobei The Crown im Vergleich wohlmöglich noch einen Hauch besser abschneidet.

Die komplette erste Staffel von The Crown ist seit dem 4. November 2016 auf Deutsch oder in der englischen Originalfassung bei Netflix abrufbar. Die Dreharbeiten zur zweiten Season begannen bereits Anfang Oktober 2016. Mit einer Ausstrahlung ist ab November 2017 zu rechnen.

Fazit: Peter Morgan blickt in seiner Serie The Crown, in deren Zentrum eindrucksvolle Darsteller-Leistungen stehen, hinter die Kulissen der englischen Monarchie zur Zeiten der jungen Elisabeth II. 9 von 10 Punkten.

 


Die glamouröse Prinzessin Margaret
Premierminister Winston Churchill
Privatsekretär Tommy Lascelles
Der Herzog von Windsor und seine Frau Wallis

Marius Joa, 19. Februar 2017. Bilder: Netflix.

 

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