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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 12. Mai 2019

Vier befreundete, britische Schauspielikonen treffen sich, um über alte Zeiten zu plaudern. Ein Kamerateam hat die “Dames” begleitet.

 

Die fabelhafte Welt der Amelie

Von Sventja Franzen. Publiziert am 30. Juni 2007

Sie liebt die kleinen Dinge im Leben, die wir halb heimlich, halb unbewusst auch lieben – und sie sieht die Menschen auf ihre ganz eigene Weise. Wer sie nicht im Kino bewundern konnte, sollte das schnellstmöglich auf DVD nachholen – Sventja Franzen verrät, warum.

Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’ Amélie Poulain)
Komödie, Frankreich 2002. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. 117 Minuten.
Mit: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz u.a. Regie: Jean-Pierre Jeunet.

Ein Stück französisches Lebensgefühl – mit Liebe zum Detail

Paris. Amélie (Audrey Tautou) hat eine sehr trostlose Kindheit: ihre Eltern gehen nicht auf das Mädchen ein, und obwohl sie wie jedes Kind gerne in den Arm genommen werden möchte, geschieht dies nur bei der wöchentlichen Gesundheitsvisite durch den verstockten Vater – der wegen ihres starken Herzklopfens während der ungewohnten Intimität davon ausgeht, dass sie einen Herzfehler haben muss. Amélie darf also nicht die Schule besuchen und wächst völlig isoliert auf. Was bleibt ihr da anderes übrig, als sich eine Phantasiewelt zu schaffen? Auch nach ihrem Auszug aus dem elterlichen Haus bleibt sie innerlich alleine und wahrt, obgleich sie in einem Bistro arbeitet, Abstand zu ihren Mitmenschen. Als sie eines Tages zufällig eine kleine Schatzkiste eines Jungen findet, der diese vor über 40 Jahren in ihrem Badezimmer hinter einer Fliese versteckt hat, und es Amélie nach vielen Mühen auch noch gelingt, das Leben dieses Mannes durch die Konfrontation mit seiner Jugend zu verändern, beschließt sie, sich ab nun in das Leben anderer Menschen einzumischen und mit ihrer zauberhaften Welt die Tristesse um sie herum zu beeinflussen. Sie lässt jahrzehntelang verschollene Briefe wieder auftauchen, rächt den armen, gedemütigten Helfer des Gemüsehändlers und schickt den Gartenzwerg ihres Vaters stellvertretend für ihn in den Urlaub. Doch als ihr jemand begegnet, der ihr in vielerlei Hinsicht wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, wird plötzlich ihre Welt durcheinander gebracht und sie muss feststellen, dass sie ihrem Glück selbst im Weg steht. Da bleibt ihr nur noch eine Möglichkeit: den Mann aus Glas um Rat zu fragen und das Rätsel um das ausdrucklose Phantom zu lösen…

Amélie träumt lieber ihr Leben und malt sich aus, was passieren könnte.

Jean-Pierre Jeunet schafft es auch in Die fabelhafte Welt der Amélie, alle Sinne zu berühren und den Zuschauer in eine farbenprächtige Welt hineinzuziehen, die dieser nur zu gut zu kennen scheint. Oder wer liebt es nicht, große Teile von Tapeten abzureißen, Luftpolsterfolie zu zerdrücken und Steinchen über die Wasseroberfläche springen zu lassen? Amélie, einfach im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaft gespielt von Audrey Tautou, führt uns mit spielerischer Leichtigkeit zurück an den Punkt, an dem wir vergessen haben, wie schön gerade die kleinen Dinge unser Leben gestalten können, ohne dabei den Bezug zur Realität zu verlieren. Schließlich handelt es sich immer noch um ein Großstadtmärchen, das zwar viel Humor, aber auch nicht ganz untragische Wendungen erfährt – und am Ende die Erkenntnis mit sich bringt, dass auch ein Problem, wie alles in der Welt, eine ganz unbewusste Sache sein kann.

Die Charaktere selbst sind wahrlich meisterhaft ausgespielt. Ganz gleich, ob es sich um die neurotische Hypochonder, den widerlichen Gemüsehändler, die verlassene Hausmeisterin oder den vereinsamten Mann aus Glas handelt. Viele neue, in dieser Art noch nicht da gewesene Ideen an Bildlichkeit wurden verwirklicht und machen Die fabelhafte Welt der Amélie einzigartig. Die Filmmusik ist auch ausgesprochen passend gewählt und schon fast den Kauf des Soundtracks wert. Ein Film, der französisches Lebensgefühl ins Wohnzimmer zaubert!

Die DVD selbst enthält außer der Scheibe mit dem Hauptfilm leider kein Booklet – bei einem so phantasievollen Streifen ist das ein absolutes Muss! Auch die Extras halten sich sehr in Grenzen. Außer den Trailern und ein wenig anderer Filmwerbung sucht der Zuschauer vergeblich nach zusätzlichen Szenen oder einem Kommentar des Regisseurs oder Ähnlichem. Sehr schade!

Fazit: Sehenswerte, bildgewaltige Komödie mit Tiefgang und Humor – in jedem Fall einen zweiten Blick wert! Aufgrund der mageren DVD-Ausstattung 8 von 10 Punkten.


Schon früh liebt Amélie die unscheinbaren Dinge.

Beratung findet sie auch in ihrer sprechenden Nachttischlampe.

DVD-Features:

Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Französisch; Deutsche Untertitel für Gehörlose
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9
Extras: deutscher Trailer, französischer Trailer, Filmwerbung

Sventja Franzen, 30. Juni 2007. Bilder: Universal.

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