Die Fahrten des Odysseus

Die Sagen der griechischen Mythologie, speziell der Sagenkreis um Troja und Odysseus, wurden schon oft fürs Kino und Fernsehen adaptiert. Eine der ersten Verfilmungen: Die Fahrten des Odysseus mit Hollywoodlegende Kirk Douglas in der Titelrolle. Mit diesem Film beginnt Marius Joa seine Rezensionsreihe zu klassischen Sagen.

Die Fahrten des Odysseus (Ulisse)
Historienfilm Italien 1954. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 98 Minuten (gekürzte Fassung, PAL-DVD). Kinostart: 8. Februar 1955.
Mit: Kirk Douglas, Silvana Mangano, Anthony Quinn, Rossana Podestà, Sylvie, Daniel Invernel, Jacques Dumesnil, Franco Interlenghi, Ferrucio Stagni u.v.a. Regie: Mario Camerini. Nach Homer.

Klassiker in der Kurzfassung

Der Krieg gegen Troja ist schon seit Jahren beendet und alle überlebenden griechischen Könige sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt, nur nicht Odysseus (Kirk Douglas), König von Ithaka. Seine treue Ehefrau Penelope (Silvana Mangano) ist verzweifelt. Denn im Palast lauern Freier, die den Besitz des Königshauses verprassen und den Sohn Telemach (Franco Interlenghi) bedrohen. Wie lange wird Penelopes Hinhaltetaktik noch funktionieren?

Odysseus wird unterdessen an den Strand der Insel der Phäaken gespült, wo ihn die junge Königstochter Nausikaä (Rossana Podestà) findet. Ohne Gedächtnis wird er am Hofe des Königs Alkinoos (Jacques Dumesnil) gastfreundlich aufgenommen und gepflegt. Nausikaä verliebt sich sogar in den geheimnisvollen Odysseus, der im Laufe der Zeit beeindruckende Fähigkeiten offenbart. Und bald kehrten Odysseus’ Erinnerungen zurück. Wie Troja erst dank seiner List mit dem hölzernen Pferd erobert werden konnte und wie ihn der Meeresgott Poseidon dazu verflucht hat, jahrelang über die Meere zu reisen. Auf ihren Irrfahrten trotzen Odysseus und seine Gefährten dem menschenfressenden Zyklopen Polyphem (Umberto Silvestri) und landen auf der Insel der Zauberin Circe (Silvana Mangano zum zweiten).

Penelope (Silvia Mangano).

Die dem griechischen Dichter Homer zugeschriebenen Versepen Ilias und Odyssee enthalten zentrale Aspekte der Geschichten aus dem Sagenkreis um den Trojanischen Krieg. Bereits 1905 wurde ein kurzer Stummfilm über Odysseus produziert. Im Laufe der Jahre hat der Held Odysseus die Filmemacher nie ganz losgelassen. Die erste Farbfilmadaption der Odyssee drehte 1954 der italienische Regisseur Mario Camerini. Für die Titelrolle in Die Fahrten des Odysseus konnte niemand Anderes als Kirk Douglas gewonnen werden. Nicht zu Unrecht ist der mittlerweile 90jährige eine lebende Hollywood-Legende. Denn seine Darstellung des Odysseus ist hervorragend, schafft er es doch die verschiedenen Charakterzüge der sagenhaften Figur mehr als überzeugend darzustellen. Silvana Mangano, die sowohl Penelope als auch Circe verkörpert (eine interessante Interpretation der Magie Circes), steht Douglas in nichts nach. Ihr nimmt man sowohl die verzweifelte Ehefrau als auch die kalte, einsame Zauberin ab. Mit Anthony Quinn (1915-2001), als Freier Antinoos, ist ein weiterer Hollywoodstar mit dabei. Rossana Podestà, die zwei Jahre später in Der Untergang von Troja (1956) als Helena zu sehen war, spielt die liebenswert-naive Nausikaä. Typisch für das Kino der 1950er und 1960er Jahre bestehen die Szenen aus sehr langen Takes und das Spiel der Darsteller ist sehr ans Theater angelehnt.

Mancher Kenner des Homer-Epos mag sich fragen, wie man den Inhalt in nicht einmal 100 Minuten adäquat umsetzen kann. Die Fahrten des Odysseus zeigt, dass dies funktioniert. Vieles wird weggelassen, manches vereinfacht und dennoch gelingt es dem Drehbuch (zusammengestellt von sieben Autoren!), die Essenz des homerischen Epos darzustellen. Viele Stationen von Odysseus’ Irrfahrten fehlen. Die Nymphe Kalypso, bei der Odysseus laut Homer acht Jahre verbringt, ebenfalls. Ihr Wesen und ihre Verlockungen werden auf Circe übertragen. Auch der Verlust von Odysseus’ Gefährten und der kurze Blick ins Reich der Toten werden auf Circes Insel „eingeschoben“. Negativ ist sicherlich, dass der Film von Szene zu Szene springt und dadurch sehr hektisch wirkt. Die aufwendigen Kostüme wirken zum Teil unpassend und in ihrem Prunk überzogen. So sieht z.B. Alkinoos’ Leibarzt wie ein Transsexueller aus. Die sehr plakative Inszenierung ist ebenfalls etwas zwiespältig. Einen mehr als dicken Filmfehler gibt es noch: Der „Wein“, den Odysseus dem Zyklopen verabreicht, entsteht anscheinend durch eine Art „Instant-Gärung“.

Obwohl schon stolze 53 Jahre alt, kann Die Fahrten des Odysseus dank seiner beiden tollen Hauptdarsteller und der effektiven Vorlagenumsetzung immer noch überzeugen. Homers Odyssee sollte 1968 (mit Beim Fehmiu) und 1997 (Die Abenteuer des Odysseus, mit Armand Assante) erneut verfilmt werden. Der gute Kirk Douglas hat auf jeden Fall mehr als ordentlich vorgelegt.

Fazit: Trotz des hohen Alters eine überzeugende, effektive Adaption der Odyssee mit tollen Darstellern, angeführt von einem hervorragenden, ausdruckstarken Kirk Douglas in der Titelrolle. Ein echter Klassiker. 8 von 10 Punkten.


Kirk Douglas als Odysseus.

DVD-Features:

Sprache: Deutsch (Mono)

Bonusmaterial
Deutscher Trailer
Bildergalerie (Slideshow)
Darstellerinfos zu Kirk Douglas und Anthony Quinn
Trailer zu weiteren Filmen aus der DVD-Reihe „Cinema Colossal“

Auch wenn die DVD ein wenig Bonusmaterial enthält, so ist sie nicht unbedingt gelungen. Die Texttafeln mit den Darstellerinfos zu Douglas und Quinn sind z.B. veraltet. Das Bildformat des Films ist mit 1,44:1 auch irgendwie merkwürdig. Der Ton ist auch nicht der beste, bei einigen Dialogen zischt es gewaltig. Vor allem zu Beginn des Films gibt es abrupte Schnitte, die darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine gekürzte Fassung handelt. Der Vorspann ist wie die beiden Texttafeln nur auf Italienisch.
Am 22. November erscheint von e-ms eine sogenannte „Woodpak Edition“ (siehe Bild oben), die neben dem Film eine zweite DVD mit der Dokumentation Antike Kulturen: Das Alte Griechenland beinhaltet.

Marius Joa, 6. Oktober 2007. Bilder: e-m-s.

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