Machete

Nach einem Fake-Trailer in Grindhouse erhielt der Messer schwingende Antiheld Machete, gespielt von Danny Trejo, 2010 auch endlich seinen eigenen Kinofilm. Nun erscheint mit Machete Kills sogar eine Fortsetzung in den deutschen Kinos. Doch erst einmal hat sich Todd Hirn den ersten Teil angesehen!

 

 

7-10Machete
Actionfilm USA 2010. FSK: keine Jugendfreigabe. 101 Minuten (PAL-DVD). Kinostart: 4. November 2010.
Mit: Danny Trejo, Steven Seagal, Jessica Alba, Robert De Niro, Michelle Rodriguez, Jeff Fahey, Cheech Marin, Don Johnson, Tom Savini, Shea Wigham, Lindsay Lohan u.a. Regie: Robert Rodriguez, Ethan Maniquis. Drehbuch: Robert Rodriguez, Álvaro Rodriguez.

 

Machete_DVD

 

„We didn’t cross the border. The border crossed US!“

Seit der Drogenbaron Torrez (Steven Seagal) seine Familie ermordet hat, führt der ehemalige mexikanische Bundespolizist „Machete“ (Danny Trejo) ein trostloses Leben als illegaler Einwanderer und Tagelöhner im Süden von Texas. Da bietet ihm der geheimnisvolle Geschäftsmann Booth (Jeff Fahey) einen lukrativen Job an: Machete soll für 150 000 Dollar den rechtskonservativen Senator John McLaughlin (Robert De Niro) töten. McLaughlin propagiert eine massive Verschärfung der US-Einwanderungspolitik und will daher an der amerikanisch-mexikanischen Grenze einen elektrischen Zaun installieren. Zu spät erkennt Machete, dass der Mordauftrag eine Falle ist und von Booth inszeniert wurde, um McLaughlins Wiederwahl als Senator zu sichern. Niedergeschossen und schwer verletzt wird Machete im Krankenhaus wieder notdürftig zusammen geflickt. Die Tacobuden-Besitzerin Luz (Michelle Rodriguez) nimmt ihn vorübergehend bei sich auf. Machete macht sich sogleich daran, seine Gegner zur Strecke zu bringen. Dabei wird er von der hübschen Grenzpolizistin Sartana Rivera (Jessica Alba) verfolgt…

Machete_Machete Machete braucht keinen zweiten Gesichtsausdruck!

Mit mehr als 250 Filmen im Zeitraum von über 30 Jahren ist der mexikanischstämmige US-Schauspieler Danny Trejo ein gefragter Mann, jedoch nur für keine Parts und meist als Handlanger des Bösewichts oder schweigsamer Auftragskiller. Auch in den Werken seines entfernten Cousins Robert Rodriguez tritt Trejo regelmäßig auf, wie z.B. in Desperado oder From Dusk Till Dawn. Rodriguez erfand für ihn die Figur des mexikanischen Ex-Polizisten Machete, benannt nach seiner „Weapon of Choice“. Erstmalig trat Machete in den ersten drei Filmen der Kinder-Agenten-Reihe Spy Kids auf. Schließlich wurde ein Fake-Trailer zu einem „Machete“-Film für das Double-Feature Grindhouse von Rodriguez und Quentin Tarantino produziert. Und nachdem Trejo seinen Verwandten Robert Rodriguez mehrfach bearbeitet hatte, inszenierte dieser schließlich den Film zum Trailer. Machete braucht schließlich seinen eigenen Film! Gleichsam wie das 2007 von Rodriguez und Tarantino veröffentliche Double Feature Grindhouse bietet Machete Genre-Kino nach Art des Exploitationfilms der 1970er. Die Zutaten dieses B-Movie-Cocktails: massiv überzeichnete Gewalt, eine gehörige Portion Nacktheit und Sex sowie ein höchst reißerischer Plot.

Wenn Machete seine Gegner reihenweise diverser Körperteile entledigt oder etwa einem Kontrahenten den Bauch aufschneidet, um sich anschließend an dessen Gedärmen aus dem Fenster zu hangeln, dann ist das ultrabrutal aber gleichzeitig so überdreht, dass ein schallendes Lachen beim Zuschauer unter Umständen nicht ausbleibt. In Verlauf des Films geht der grimmige Titelantiheld bisweilen aber etwas milder mit seinen Gegnern um, etwa wenn er einer Horde Bodyguards lediglich mit schwerer Gartenausrüstung zu Leibe rückt.

Auch wenn Danny Trejo zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 65 Jahre alt war und mit seinem von Narben zerfurchten Gesicht keineswegs gut aussieht, so ist er als Machete ein echter Frauentyp. Neben der selbstbewussten Luz bekommt er es vor allem mit der von Jessica Alba verkörperten Grenzpolizistin Sartana Rivera zu tun, die allerdings eher wie eine Kosmetikvertreterin daherkommt. Zwischendrin bleibt aber auch noch Zeit, mit Ehefrau und Tochter eines dubiosen Geschäftsmannes einen kleinen Softporno zu drehen. Machete kriegt eben die Frauen!

Während er sich die Regie mit seinem langjährigen Cutter Ethan Maniquis teilte, schrieb Robert Rodriguez das Drehbuch mit seinem Cousin Álvaro. Die Story bietet sogar mehr als nur den Nährboden für eine Splatterorgie. Das Herz des Films ist die plakative, aber ehrliche Sozialkritik im Bezug auf die Einwanderungspolitik. Bisweilen handelt es sich bei Machete auch um ein recht abgründiges Machwerk. Der B-Movie-Look mit den absichtlichen Bildfehlern wird allerdings nur in der Eröffnungsszene und beim Vorspann beibehalten, der Rest ist im Hochglanz-Look aus Hollywood gehalten, auch wenn der Film mit 10,5 Millionen Dollar Budget vergleichsweise günstig produziert wurde.

Da Hauptdarsteller Danny Trejo bisher nicht als klassischer „Leading Man“ in Erscheinung getreten war, wurde ihm eine illustre Runde namhafter Schauspieler zur Seite gestellt. Oscar-Preisträger Robert De Niro gibt eine herrliche bissige Performance als rassistischer US-Senator, der vor den Fernsehkameras gerne gute Miene zum bösen Spiel macht. Ex-Serienstar Don Johnson (Miami Vice, Nash Bridges) ist als Chef einer Bürgerwehr zu sehen, die bei ihrer Grenzpatrouille öfter mal mexikanische „Eindringlinge“ abknallen. Daneben gibt Steven Seagal, zuletzt nur dicker Dauerbrenner in billigen Videotheken-Actionern, einen gnadenlosen Drogenboss. Lindsay Lohan, ehemaliger Kinderstar und seit Jahren nur noch durch Suchtprobleme und Verkehrsdelikte in den Schlagzeilen, gelingt als Booth-Tochter April eine veritable Selbstparodie.

Obwohl sich dieser „Mexploitation“-Kracher durchgehend in der überhöhten Stilisierung seiner Titelfigur suhlt, so geht ihm gegen Ende doch etwas die Luft aus, vor allem weil im Finale die ganze Chose etwas durcheinander gerät. Der Unterhaltungswert des Gesamtwerks wird dadurch allerdings nur geringfügig gemindert, sofern man je nach Geschmack vorher schon seinen Spaß hatte.

Das zu Beginn des Abspanns gegebene Versprechen, dass Machete zurückkehren wird, wird diese Woche eingelöst. Am 19. Dezember 2013 startet nämlich die Fortsetzung Machete Kills in den deutschen Kinos. Ein dritter Teil ist auch schon in Planung. Machete ist eben nicht zu stoppen.

Fazit: Furioses „Tex-Mex-Massaker“; brutal, sexistisch, hemmungslos überzeichnet und dennoch über weite Strecken ungemein spaßig. 7 von 10 Punkten.

 

Machete_Sartana
Grenzpolizistin Sartana Rivera
Machete_Booth
Booth hat eine SMS bekommen
Machete_Senator
Senator McLaughlin will die „Taco-Fresser“ loswerden

 

 

 

Todd Hirn, 18. Dezember 2013. Bilder: Sony.

 

 

Linktipp
Der Fake-Trailer zu Machete bei Youtube


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