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Von Marius Joa. Publiziert am 6. Mai 2018

Ein Stamm einfacher Steinzeitbewohner kämpft gegen die überlegenen Bronzezeit-Menschen um ihre Heimat, und das in einem Fußball-Spiel. Anpfiff für “Early Man”, den neuesten Knetanimationsfilm aus Brexit-Land…

 

300

Von Marius Joa. Publiziert am 8. April 2007

In den USA spielte “300” trotz seiner hohen Altersfreigabe in den ersten vier Wochen 180 Millionen Dollar ein. Die Adaption des Comics von Frank Miller gilt als umstritten, erhielt sie doch auf der Berlinale und von der iranischen Presse negative Kritiken, die dem Film u.a. eine „faschistoide Geisteshaltung“ (artechock film) vorwerfen. Marius Joa schreibt darüber, was wirklich hinter “300” steckt.

Comicverfilmung USA 2006. Regie: Zack Snyder. Nach Frank Miller & Lynn Varley. Musik: Tyler Bates. 116 Minuten. FSK ab 16.
Mit Gerard Butler, Lena Headey, Dominic West, David Wenham, Vincent Regan, Michael Fassbender, Andrew Tiernan, Rodrigo Santoro, Tom Wisdom, Andrew Pleavin u.v.a.

Stilisierte Schlachtplatte

480 vor Christus: Der persische Großkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) bereitet einen Krieg gegen Griechenland vor. Dabei hat er allerdings die Rechnung ohne Sparta und seinen König Leonidas (Gerard Butler) gemacht. Unter Missachtung der als Gesetz geltenden Prophezeiung des Orakels entschließt er sich, gegen die Invasoren zu kämpfen. Mit 300 seiner besten Männer zieht Leonidas zum engen Gebirgspass der Thermopylen („heißen Quellen“), um die gigantische Übermacht der Perser am einzigen Durchgang zu stellen. Währenddessen kämpft Leonidas Ehefrau Gorgo (Lena Headey) am Hofe Spartas gegen die Nachstellungen des intriganten Politikers Theron (Dominic West). Vor dem Rat der Stadt will sie das Handeln ihres Gatten rechtfertigen und um Verstärkung für das Selbstmordkommando bitten.

Als Kind sah der Comicautor und Zeichner Frank Miller den Historienfilm “Der Löwe von Sparta” (Originaltitel “The 300 Spartans”) von 1962 und wurde von ihm so nachhaltig beeindruckt, dass er aus der Geschichte um die 300 Spartaner, die sich dem hunderttausend Mann starken Perserheer entgegenstellen, einen Graphic Novel (etwa Comicroman) entwickelte, den er gemeinsam mit seiner Frau Lynn Varley schrieb und zeichnete. In der Comicszene hatte sich Miller bereits mit Neuinterpretationen von bekannten Helden wie Batman einen Namen gemacht. 2005 erschien die Verfilmung von Millers visuell überzeichneter, brutal-düsterer Comicreihe “Sin City“, die zum Kinoerfolg wurde. Neben Kultregisseur Robert Rodriguez war es Miller selbst, der Regie führte. Im September 2005 begannen unter der Regie von Zack Snyder (“Dawn Of The Dead”) die Dreharbeiten zur Adaption von “300”. Hier begnügte sich Frank Miller mit der Rolle des ausführenden Produzenten. Gedreht wurde das 60 Millionen Dollar teure Projekt fast ausschließlich vor Blue und Green Screen auf drei Studio-Sets in Montreal, Kanada. Nur eine einzige Szene entstand im Freien. Ähnlich wie bei “Sin City” besteht der fertige Film zum Großteil aus digitalen Computereffekten, die in der aufwendigen Nachproduktionsphase entstanden. Auf diese Weise hat “300” einen einzigartigen Comic-Look.

Die Vorlage wurde vor allem visuell fast 1:1 umgesetzt. Ein paar kleine Änderungen gibt es bei der Story, wo die Rolle der spartanischen Königin Gorgo (Bild links) erweitert wurde.

“300” will keine exakte Abbildung der Vorgänge um die historische Schlacht bei den Thermopylen sein, sondern ein optisch berauschender und überbordender Comicfilm. Die Bilder sollen nicht historisch korrekt sein, sondern einfach nur spektakulär, um das Hauptanliegen des Films, die Optik, zu verstärken. Regisseur Zack Snyder gab zu, dass vor allem der Kampfstil der Spartaner dahingehend geändert, wurde, damit alles einfach „cool“ wirkt. In dieser Hinsicht überzeugt “300” auf ganzer Linie. In Zeitlupe abgespulte Kampfszenen und große Schlachtenbilder, vereint mit bisweilen eklig-bizarren Bildern. Die Spartaner ziehen mit nichts als Lendenschurz, Umhang und Waffen in den Kampf, ihre gestählten Muskeln zur Schau gestellt. Viel nackte Haut gibt es auch von weiblicher Seite zu sehen. Wären da nicht die realen Darsteller, so könnte man meinen, die Bilder des Comics würden einfach auf die Leinwand projiziert.

Durch den ganzen Film zieht sich die Kultur des alten Spartas, bei der es nur um eines geht: Kampf. Gleich nach der Geburt werden die Söhne genau untersucht. Wenn sie nicht gesund und kräftig sind, dann werden sie ohne Gnade ausgesetzt. Im Kleinkindalter beginnt der knüppelharte Drill des Kampftrainings, denn der einzige Lebenssinn, den Spartas Ideologie vorsieht, ist der heldenhafte Tod in der Schlacht. König Leonidas und seine Männer kämpfen für die Freiheit, ihnen gegenüber stehen die Sklaven und Söldner des persischen Heeres. Getreu ihrer Geisteshaltung wählen die Spartaner lieber den sicheren Tod als sich dem fremden Perserkönig, der sich als Gott anbeten lässt, zu unterwerfen. Aufgrund dieser Ideologie wurde der Film schon mehrfach als faschistoider Propagandafilm kritisiert. Iranische Medien störten sich vor allem an der Darstellung der Perser und sahen darin, eine Verunglimpfung ihrer Nation. Der Film bestehe aus Durchhalteparolen für amerikanische Soldaten im Krieg gegen den Irak und Iran. Doch hier tut man dem Streifen Unrecht, ist er doch nur ein visuell stilisierter und überzeichneter aber einfach gestrickter Actionfilm. Wenn man so will, ist “300” eine Oper der Gewalt, der die Kriegskunst der Spartaner in überspitzter Weise darstellt.

Eine wirklich ausgewogene Story besitzt der Film nicht, was man vor allem in der zweiten Hälfte bemerkt, als die Perser nacheinander verschiedenes Getier wie Kriegselefanten, gepanzerte Nashörner oder entstellte Mutanten auf die Gegner loslassen. Diese Szenen wirken fast zusammenhanglos aneinandergereiht. Da hilft auch nicht die Rahmenhandlung mit David Wenham (“Der Herr der Ringe“) als Erzähler Dilios, der sich immer wieder in das Geschehen einschaltet und vor allem die Beweggründe von Leonidas (Gerard Butler, u.a. “Das Phantom der Oper”, “Beowulf“) und das spartanische Gedankengut erläutert. Die ohnehin schon hemmungslos stilisierten Bilder werden noch durch die pathetisch-trashigen Dialoge und die überzogene Musik von Tyler Bates gesteigert, wodurch manche Szenen fast ins Groteske abdriften.

Frank Millers Werk wird auch nach diesem Spektakel weiterhin im Kino vertreten sein, kommt doch nun endlich Bewegung in die Fortsetzung von Sin City, deren Dreharbeiten angeblich im Juni beginnen sollen, mit einem geplanten Starttermin für 2008. Bezüglich der Bewertung kann man “300” gut mit “Sin City” vergleichen. Beide sind wegen ihrer extremen Gewaltdarstellung fragwürdig, aber dennoch selten werkgetreue Comicverfilmungen.

Fazit: Für alle Action- und Comicfans ist diese überzeichnete, überstilisierte Schlachtplatte ein Ohren- und Augenschmaus. Für alle anderen wegen der Optik sehenswert. 7 von 10 Punkten.


Perserkönig Xerxes ist „not amused“.

Mitten im Schlachtgetümmel: Spartas König Leonidas.
Marius Joa, 8. April 2007. Bilder: Warner Bros.

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Sin City (9/10)

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