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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 30. November 2019

So wie Hollywood allgemein das Mainstreamkino weltweit beherrscht so dominieren Disney und Pixasr den Animationsfilm-Markt. Werke, die ohne große Studiopower entstehen, haben es da schwer. Umso schöner, dass Netflix dem französischen Beitrag “Ich habe meinen Körper verloren” eine großflächige Veröffentlichung ermöglicht hat.

 

Der Baader Meinhof Komplex

Von Myriam E. Michel. Publiziert am 30. September 2008

Der Baader Meinhof Komplex ist ein weiterer Versuch, dem Kinopublikum Geschichtsunterricht über die bedeutendste revolutionäre Bewegung in der BRD zu erteilen. Ob dies dem Film mit Staraufgebot gelang, soll hier kritisch beleuchtet werden.

Der Baader Meinhof Komplex
Terrorismus-Drama, Deutschland 2008. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 150 Minuten. Deutscher Kinostart: 25.
September 2008.
Mit: Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Jan Josef Liefers, Heino Ferch u. a.
Regie: Uli Edel

„… natürlich darf geschossen werden…“

Der Baader Meinhof Komplex beginnt im Jahre 1967. Die RAF existiert noch nicht, allerdings kämpft bereits eine Studentenbewegung gegen die unerbittliche Härte der Amerikaner gegen die Einwohner Vietnams und kritisiert auch die mangelnde Aufarbeitung der jüngsten deutschen Vergangenheit, des Nationalsozialismus. Stattdessen macht sich ein ihrer Meinung nach immer stärker werdender Konsumterror breit, der durch die „Tretmühle des Geldverdienens und –ausgebens“ vom Nachdenken über die derzeitige Situation ablenkt.
Eskalation und Beginn des Ganzen: Im Juni 1967 wird an der Deutschen Oper in Berlin der Schah aus Persien empfangen. Unter der Bevölkerung befinden sich Schah-Gegner, die gegen dessen Regierung der Unterdrückung jeglicher Opposition in seinem Land protestieren. Es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wird. Erschüttert von der Art des Vorgehens, beschließt eine gewaltbereite Minderheit, etwas gegen den Polizeistaat, den Kapitalismus und die herrschende Elite zu unternehmen.
In der Folge werden Anschläge auf Kaufhäuser verübt. Vorreiter sind hier Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek). 1970 gelingt es den beiden, die Starkolumnistin der Zeitschrift „Konkret“, Ulrike Meinhof (Martina Gedeck), zu gewinnen und sie gründen mit weiteren Personen die Rote Armee Fraktion, eine linksextremistische Terrororganisation, die sich der Waffengewalt verschrieben hat.
Gezeigt werden im Der Baader Meinhof Komplex in chronologischer Abfolge Ereignisse wie der gleichzeitige Überfall der RAF auf drei deutsche Banken, der Tod der RAF-Terroristin Petra Schelm, Anschläge auf deutsche Polizeieinrichtungen, das Axel-Springer-Haus und US-Stützpunkte.
Kurz aufgerollt werden der Stammheim-Prozess und die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer (Bernd Stegemann), sowie die Ermordung mehrerer wichtiger Persönlichkeiten der damaligen Zeit.

Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) beim Stammheim-Prozess.

Der Baader Meinhof Komplex entstammt der Feder des Drehbuchautors Bernd Eichinger, der sich bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an das Thema RAF heranwagen wollte. Geschafft hat er dies nun letztendlich mit Unterstützung des ehemaligen Chefredakteurs des Spiegel, Stefan Aust, der zu diesem Thema bereits einen gleichnamigen Roman verfasst hat.

Die Terroristen wurden mit hochkarätigen deutschen Darstellern besetzt. So verkörpert Moritz Bleibtreu Andreas Baader, Martina Gedeck Ulrike Meinhof. Diesen gelingt eine authentische Darstellung der einzelnen Charaktere. Dem Zuschauer wird der zugrunde liegende Fanatismus, der alle leitete, gut näher gebracht. Die Akteure zeigen dies mit derber Sprache und in ihrem Verhalten. Jedoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass dies erst ab einer gewissen Zeit des Films gelingt. Zu Beginn empfindet der Zuschauer jeden einzelnen der Terroristen viel zu sympathisch, was den Reaktionen des Kinopublikums deutlich an zu merken ist. Dem Zuschauer ist es dadurch viel zu wenig möglich, sich mit der Situation, die schließlich ein Stück wahre Vergangenheit der deutschen Geschichte verkörpert, zu identifizieren. Die Dramatik wird erst dann deutlicher, wenn der Film an Lautstärke und an Tempo verstärkt zunimmt. Ab diesem Augenblick wird die Tragik der Geschehnisse viel greifbarer. Der einzige Nachteil: Alle einschneidenden Ereignisse der 70er Jahre werden schier im Schweinsgalopp erzählt. So erwartet der Film einen bereits aufgeklärten Zuschauer. Er wird aufgefordert, sein Wissen über die RAF aus dem Gedächtnis zu holen und parallel Namen von RAF-Persönlichkeiten oder Anschlägen zu rekapitulieren. Schade für denjenigen, der vielleicht noch nicht alles Wichtige über die Terrorgruppe weiß und sich durch den Film eine Erweiterung seines Wissens wünscht. Durch das enorme Tempo bleiben hierbei wichtige Aspekte der Vergangenheit unerschlossen: Welche Ziele verfolgte die RAF genau, welche Folgen hatten die Taten der RAF auf die Bevölkerung und auf den Staat, wer waren die heimlichen Anhänger der RAF, die z. B. auch die Waffen ins Stammheimer Gefängnis schmuggelten, um den Terroristen ihre Selbsthinrichtung zu ermöglichen? Dies wird alles außen vorgelassen. Hinzu kommt, dass die RAF für den Zuschauer nur auf diese zehn Jahre von 1967 bis 1977 reduziert wurde. Sicher war es weder Drehbuchautoren noch Regisseur möglich, alle Handlungen und Taten der RAF, die immerhin bis 1998 existent und aktiv war, in einen Film zu packen. Vermutlich war dies auch nicht das Ziel der Filmemacher, sonst würde der Film nicht den Titel Der Baader Meinhof Komplex tragen. Aber es ist zumindest die Aufgabe, dem Zuschauer kurz zu vermitteln, dass nach Filmende noch mehr Handlungen stattgefunden haben.

Der Baader Meinhof Komplex reiht sich in eine Vielzahl von anderen Filmen ein, die seit den 1970er Jahren gedreht wurden. Einige dieser Filme beschäftigen sich jedoch nur mit einer einschneidenden Tat der RAF-Terroristen, was die Filme als hochwertiger und tiefgründiger für den Zuschauer bewerten lässt, so zum Beispiel der Fernsehzweiteiler Todesspiel aus dem Jahr 1997.

Fazit: Ein erneuter Versuch, die RAF zu beleuchten, jedoch geht aufgrund des Tempos die Tiefgründigkeit verloren. 6 von 10 Punkten.


Die RAF besorgt sich Geldmittel.

Hanns-Martin Schleyer (Bernd Stegemann) wird entführt.
Myriam E. Michel, 30. September 2008. Bilder: Constantin

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