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Von Marius Joa. Publiziert am 30. November 2019

So wie Hollywood allgemein das Mainstreamkino weltweit beherrscht so dominieren Disney und Pixasr den Animationsfilm-Markt. Werke, die ohne große Studiopower entstehen, haben es da schwer. Umso schöner, dass Netflix dem französischen Beitrag “Ich habe meinen Körper verloren” eine großflächige Veröffentlichung ermöglicht hat.

 

Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter

Von Marius Joa. Publiziert am 18. Dezember 2006

Mit der Verfilmung des Fantasy-Bestsellers “Eragon” des jungen Autors Christopher Paolini läuft nun der diesjährige Fantasy-Blockbuster zu Weihnachten im Kino. Die Vieraugen-Redaktion hat ihn gesehen.

(Eragon)
Fantasyfilm USA 2006. Regie: Stefen Fangmeier. Nach dem Roman von Christopher Paolini. 104 Minuten. FSK ab 12.
Mit Edward Speleers, Jeremy Irons, Sienna Guillory, Robert Carlyle, John Malkovich, Garrett Hedlund, Alun Armstrong, Christopher Egan, Gary Lewis, Djimon Hounsou, Joss Stone u.v.a.

Im Lande Alagaësia: beim Jagen im Wald entdeckt der 17jährige Bauernjunge Eragon (Edward Speleers), der mit Onkel und Cousin auf einem Hof nahe Carvahall wohnt, einen merkwürdigen großen blauen Stein. Daraus schlüpft sogleich ein kleiner blauer Drache. Der alte Geschichtenerzähler Brom (Jeremy Irons) erzählt öfters von der alten sagenhaften Zeit der Drachenreiter, in der Frieden und Wohlstand herrschte, die jedoch vom bösen Galbatorix (John Malkovich) durch die Vernichtung aller Drachen und ihrer Reiter beendet wurde. Seitdem herrscht Galbatorix als tyrannischer König über Alagaësia. Brom rettet schließlich Eragon vor den Ra’zac, die vom Diener des Königs, dem Schatten Durza (Robert Carlyle) ausgesandt wurden, um Eragon, den neuen zukünftigen Drachenreiter zu töten und die Hoffnung der sich versteckenden Rebellen zu zerstören. Brom erklärt Eragon, dass dieser die Varden, tapfere Widerstandskämpfer, die sich im Gebirge versteckt halten, aufsuchen muss, um mit ihnen gemeinsam den Kampf gegen den König aufzunehmen. Die Drachendame Saphira ist mittlerweile gut gewachsen und so machen sich die drei auf den gefährlichen Weg, verfolgt von den barbarischen Urgals. Doch erst gilt es noch, die Elfenprinzessin Arya (Sienna Guillory) aus den Klauen des Schatten Durza zu befreien.

Eragon und Brom beim Drachenreiter-Crash-Kurs.

Christopher Paolini erhielt Privatunterricht zuhause und schaffte dadurch seinen Schulabschluss bereits mit 15. Die verbleibende Zeit bis zum Studium nutzte er, um seinen Fantasyroman “Eragon” zu schreiben, der zuerst im kleinen Verlag seiner Eltern veröffentlicht wurde. Mit 20 konnte Paolini das Werk bei einem großen Verlag veröffentlich und so wurde sein Erstling zum internationalen Bestseller. 2005 erschien schließlich Band zwei der als Trilogie angelegten Geschichte.

Wie zur Zeit bei großen, erfolgreichen Fantasy-Geschichten ließ die Filmindustrie mit ihrer Adaption nicht lange auf sich warten. Bei 20th Century Fox gab man den Regiestuhl an den Effektespezialisten Stefen Fangmeier, zu dessen Arbeiten die Effekte von “Terminator 2”, “Jurassic Park” oder “Lemony Snicket” gehören. Für den deutschstämmigen Amerikaner ist “Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter” somit sein Regiedebüt. Angeblich unter 180 000 Bewerbern wählte man den damals 17jährigen Briten Edward Speleers, der lediglich Schultheater gespielt hatte, für die Titelrolle aus. Speleers hatte sich 2004 erfolglos für die Rolle des Peter Pevensie in “Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia” beworben. Für die weiteren Rollen holte man sich große Namen wie Jeremy Irons (“Der Kaufmann von Venedig“, “Königreich der Himmel“), John Malkovich (“Klimt”) oder Robert Carlyle (“James Bond – Die Welt ist nicht genug“). ILM und Weta Digital wurden mit der aufwendigen Erstellung der visuellen Effekte betraut.

Spätestens seit “Harry Potter” und “Der Herr der Ringe” ist Fantasy im Kino mehr als salonfähig. Bei den genannten Buchreihen gilt das Gleiche wie bei “Eragon”: die Adaption der mehrere hundert Seiten starken Romane auf die Kinoleinwand gestaltet sich als schwierig. Mit Einschränkungen gelang das bei den oben genannten Buchreihen. Jedenfalls nahm man sich für die Umsetzung viel Zeit, was sich auch in der Filmdauer niederschlägt. Diese Zeit hat man sich bei der Drachenreiter-Geschichte nicht genommen. Und so ist die Verfilmung auch leider alles andere als gelungen. Alles steht und fällt mit der Laufzeit des Films, die nur 104 Minuten beträgt. Auch wenn man die Story des über 600 Seiten dicken Romans für die Dramaturgie eines Kinofilms deutlich straffen muss und dabei einige Personen und Schauplätze wegfallen, so ist das hier Gebotene einfach zu wenig. Die fehlende Qualität liegt nicht daran, dass sich die Geschichte des Buches bei “Herr der Ringe” und “Star Wars” bedient, sondern einfach am höchst oberflächlichen Drehbuch und Gesamtkonzept. Wieso es vier (!) Drehbuchautoren benötigt, um solch ein hingeschludertes Skript zu verfassen, ist sowieso unerklärlich. Scheinbar haben Peter Buchman, Lawrence Konner, Mark Rosenthal und Jesse Wigutow das Buch nur überflogen. Das würde zumindest Einiges erklären. Mittlerweile ist bei einer großen internationalen Filmdatenbank übrigens nur noch Buchman als Drehbuchautor verzeichnet.

In der oberflächliche Inszenierung ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Darsteller aus ihren Rollen nichts herausholen können. Edward Speleers (mit Boyband-Frisur) macht seine Sache als Eragon so gut er kann. Sienna Guillory (“Helena von Troja”) darf keine erhabene, übersinnliche Elfe sein, sondern eine amazonenhafte Hupfdohle im hauteng anliegendem Kampfanzug. Die Rolle der Angela, gespielt von Sängerin Joss Stone, hätte man konsequenterweise komplett weglassen können. John Malkovich ist zum hüftsteifen Bösewicht degradiert, der lediglich ein paar böse Bemerkungen von sich gibt. Am besten zieht sich wohl noch Jeremy Irons aus der Affäre. Die teilweise platten Dialoge tun ihr Übriges.

Die Effekte sind fast durch die Bank wirklich sehr gelungen und auch die Landschaftsaufnahmen sind teilweise ein echter Hingucker. Die Drachendame Saphira ist sehr gut animiert und kommt, bis auf die Flügel, der Beschreibung aus dem Buch recht nahe. In der deutschen Synchronisation hätte man allerdings eine passende Sprecherin wählen sollen. Die Stimme von Nena ist einfach zu hoch und meist klingen die Dialoge aus ihrem Mund einfach aufgesetzt. Für Saphira kann nur eine tiefere, aber sanfte Stimme passend sein.

Leider fehlt es dem filmischen Flickwerk trotz einiger Schauwerte auch noch an Spannung, auch wenn man das Buch nicht kennt. Eine Entwicklung des Hauptcharakters findet kaum statt, lernt Eragon doch innerhalb kürzester Zeit Schwertkämpfen, Fliegen und Zaubersprüche benutzen, wenn er sie noch nicht von vorneherein beherrscht hat. Die völlige dramaturgische Bankrotterklärung ist allerdings die Szene, in der Saphira innerhalb weniger Sekunden vom Baby zum ausgewachsenen Drachen wächst.

Anscheinend war trotz eines stattlichen Budgets von 100 Millionen Dollar und der finanziell günstigen Außendreh-Locations Ungarn und Slowakei kein besseres Endprodukt möglich. Da es aller Voraussicht nach eine Fortsetzung geben wird, bleibt als Tipp an die Beteiligen noch sagen: Ändert euer Grundkonzept und holt euch andere Drehbuchautoren oder noch einfacher: Lest das Buch !!!

Das Buch, eine gut erzählte, wenn auch nicht bahnbrechend neue Fantasy-Geschichte, ist auch für alle anderen Kinozuschauer, die mehr erwartet hatten, zu empfehlen. Selbst im Vergleich zu anderen Popcorn-Filmen ist “Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter” unterdurchschnittlich.

Fazit: Oberflächlicher und spannungsarmer Fantasyfilm, der nur durch tolle Effekte und andere Schauwerte ein wenig zu unterhalten weiß. Das hingeschluderte Drehbuch wird dem unterhaltsamen Roman von Christopher Paolini so gut wie gar nicht gerecht. 4 von 10 Punkten. Eine große deutsche Filmkritik-Seite bezeichnete den Film übrigens als „simple Bebilderung der Best-Of-Szenen des Romans“. Das kann man so in etwa stehen lassen.


Bösewicht Galbatorix und Schatten Durza.

Fies: Durza.
Marius Joa, 18. Dezember 2006. Bilder: 20th Century Fox.

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Rubrik Kino

Eine Antwort zu “Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter”

Sarah Böhlau Sarah Böhlau

Zweite Filmkritik zu Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter:

Im Land Alagaësia sind die mächtigen und weisen Jedi-Ritter Drachenreiter die Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit, bis sich Anakin Galbatorix (John Malkovich), ihr vielversprechenster Schüler, gegen seine eigenen Leute wendet und alle vernichtet. Seitdem beherrscht er als letzter Drachenreiter das Land.
Es gelingt jedoch der Widerstandskämpferin Prinzessin Leia Arya (Sienna Guillory), ein Drachenei von Galbatorix zu stehlen und es in Sicherheit zu teleportieren.
Ortswechsel: Auf dem Wüstenplaneten Tatoine In einem abgeschiedenen Bergdorf lebt der junge Eragon (Edward Speleers), mit seinem Onkel und seinem Cousin in einfachen, aber glücklichen Verhältnissen. Seine Mutter verließ ihn aus mysteriösen Gründen direkt nach seiner Geburt, über seinen Vater weiß er (noch) nichts. Luke Eragon findet beim Jagen in den Bergen die beiden Androiden das Drachenei. Und ganz ganz zufällig handelt es sich bei ihm um den passenden Drachenreiter – der imposante blaue Drache Saphira schlüpft aus.
Schon bald tauchen unheimliche Gestalten auf, die nach dem Drachen suchen und Eragons Onkel töten. Nur Eragon und Saphira entkommen mit Hilfe des geheimnisvollen Alten Obi-Wan Kenobi Brom (Jeremy Irons) und versuchen nun, sich zur letzten Rebellenfestung weit im Osten Alagaësias durchzuschlagen.

Abgesehen von den offensichtlichen Parallelen zu Star Wars, bedient sich die Romanvorlage von Christopher Paolini auch großzügig bei Tolkien. Ist das jetzt wirklich ein Freibrief für Regisseur Stefen Fangmeier, schamlos bei Peter Jackson abzukupfern? Als Durza seine blutdurstigen Urgals für die Schlacht gegen die Varden heiß macht, könnte man die Tonspur bequem gegen die der entsprechenden Rede Sarumans aus Die Zwei Türme austauschen, gar kein Problem. Wenn man schon so offen den wahrscheinlich besten Fantasy-Film aller Zeiten schändet, sollte das Ergebnis dann nicht wenigstens gut sein?
Scheinbar nicht. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Eine so lieblose Exposition sah man in diesem Kinojahr selten. Die Monate, während Saphira auswächst und sich die Beziehung zwischen Reiter und Drache entwickelt, werden auf ein paar Sekunden zusammen geschnitten.
Was die – ohnehin schon eher schlicht gestickte – Romanvorlage an Charakterentwicklung und Grautönen vorzuweisen hat, wird hier ganz frech weggelassen. Im Buch wartet Galbatorix sehnsüchtig auf einen zweiten Reiter, den er in seine Dienste nehmen kann. So steht Eragon stets vor der Wahl, sich entweder dem König unterzuordnen oder den Varden anzuschließen. Die allerdings sind ein eher undurchsichtiger Haufen, durch innere Streitigkeiten geschwächt. Der Kampf für die Freiheit Alagaësias ist mit dem Risiko verbunden, den gemeinsamen Feind durch etwas Schlimmeres zu ersetzen. Dem Film war diese Problematik wohl zu kompliziert.
Es keimt auch der Verdacht, dass die Drehbuchautoren den – 2005 erschienenen – zweiten Teil der Trilogie gar nicht gelesen haben. Zu viele für die Fortsetzung wichtige Elemente wurden gestrichen. Die einzig wirklich ambivalente Figur des jungen Kämpfers Murtagh wurde fies beschnitten, was die Umsetzung seiner Schlüsselrolle am Ende des zweiten Teils erschweren dürfte. Auf das furchtbare Drehbuch wurde bereits ausgiebig eingegangen, deswegen nur ein kleiner Hinweis am Rande, liebe Filmemacher: Wenn beim eigentlich traurigen Tod des Mentors das Publikum zu kichern anfängt, dann ist irgendwas schief gelaufen.
Ebenfalls erwähnenswert sind die Kostüme. Die beiden Kostümdesigner Kym Barrett und Carlo Poggioli haben es mit ihrer offensichtlichen Vorliebe für Pailletten übertrieben. Am bösen Dämon/Hexenmeister/Schatten Durza beispielsweise wirkt das schwarz-rote Glitzerkostüm ziemlich lächerlich.
Es gehört zu den spannungstechnisch besseren Entscheidungen Paolinis, seinen Oberbösewicht im ersten Band nicht persönlich in Erscheinung treten zu lassen. Stattdessen taucht Galbatorix nur in den angstvollen Erzählungen einiger Figuren auf und agiert durch seine Handlanger. Es ist einzusehen, warum sich Fangmeier dagegen entschied: Wenn man John Malkovich hat, dann will man John Malkovich auch zeigen. Leider beschränkt sich sein Part darauf, im Pailletten-Outfit einen düsteren Thronsaal zu durchschreiten und seine Untergebenen anzufauchen. Das hätte man sich auch sparen können. Auch Jeremy Irons und der sympathische Edward Speleers verkümmern in ihren Rollen und können den Film nicht retten.
Trotzdem ist Eragon nicht grundsätzlich schlecht, denn er verfügt über ein enormes Potenzial an unfreiwilliger Komik. Urgals zum Beispiel sehen aus wie übergewichtige Gothik-Fans und auch das missratene Drehbuch ist immer für einen Lacher gut.
Es ist zu erwarten, dass diese brutale Misshandlung eines passablen Jugendromans genug Kinogänger angelockt hat, um auch die nächste „Verfilmung“ der Drachenreiter-Trilogie rechtfertigen. Ich schließe mich deswegen der Empfehlung der ersten Vieraugen-Kritik an: Lieber das Buch lesen!

Fazit: Manches sollte lieber im Ei bleiben. 2 von 10 Punkten.

Sarah Böhlau, 21. Dezember 2006.

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