Watchmen – Die Wächter

Das vielfach gelobte Comicbuch Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons galt lange als unverfilmbar. Bereits seit den späten 1980ern versuchten sich diverse Drehbuchautoren an einer Adaption des Opus Magnum der Comicwelt. Regisseur Zack Snyder hat sich an den Stoff herangewagt. Marius Joa über das Ergebnis.

Watchmen – Die Wächter (Watchmen)
Comicverfilmung/Drama USA/UK 2009. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 162 Minuten. Deutscher Kinostart: 5. März 2009.
Mit: Malin Akerman, Billy Crudup, Matthew Goode, Jackie Earle Haley, Jeffrey Dean Morgan, Patrick Wilson, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie u.v.a. Regie: Zack Synder. Drehbuch: David Hayter und Alex Tse. Nach dem Comic von Alan Moore und Dave Gibbons.

Die Welt am Abgrund

In einem alternativen 1985. Nixon ist zum dritten Mal zum US-Präsidenten gewählt worden. Doch neben sozialer Kälte und ständigen vor allem in New York auftretenden Unruhen droht die Vernichtung der Menschheit durch den bevorstehenden Atomkrieg zwischen USA und UdSSR. In dieser Welt des Kalten Krieges sind maskierte Superhelden verboten. Seit ihr Treiben per Gesetz 1977 untersagt wurde, haben sich die meisten zurückgezogen. Der durch einen Strahlenunfall zum fast allmächtigen Wesen mutierte Dr. Manhattan (Billy Crudup) ist der einzige der „Watchmen“, der Superkräfte besitzt, die er im Dienste der US-Regierung unter anderem für einen Sieg im Vietnam-Krieg eingesetzt hat.

Die Ermordung von Edward Blake alias The Comedian (Jeffrey Dean Morgan), einem zynisch-sadistischen Söldner, der ebenfalls für die Regierung arbeitete, ruft den letzten noch tätigen Vigilanten Rorschach (Jackie Earle Haley) auf den Plan. Der soziopathische Rächer mit Tintenklecks-Maske vermutet einen Angriff auf alle ehemaligen maskierten Helden. Doch sowohl bei Dr. Manhattan, dessen Freundin Laurie Juspeczyk alias Silk Spectre II (Malin Akerman) als auch beim schüchternen Bastler Daniel Dreiberg alias Nite Owl II (Patrick Wilson) stößt Rorschach mit seinen Theorien auf Unverständnis. Erst als Dr. Manhattan mit einer Hetzkampagne, mit der haltlosen These, er würde bei seinen Mitmenschen Krebs verursachen, zum extraterrestrischen Exil gedrängt wird und außerdem ein Mordanschlag auf den sechsten „Watchman“, den hochintelligenten Milliardär Adrian Veidt alias Ozymandias (Matthew Goode) verübt wird, schließen sich Nite Owl II und Silk Spectre II ihrem alten Kampfgefährten Rorschach an.

Der zynisch-sadistische „Comedian“ wird ermordet.

Watchmen, der komplexe Comic von Autor Alan Moore (League Of Extraordinary Gentlemen, From Hell, V For Vendetta) und Zeichner Dave Gibbons, sollte bereits kurz nach Erscheinung 1986/87 verfilmt werden. Doch diverse Drehbuchautoren versuchten sich vergeblich an einer Adaption und so galt der düstere Stoff über gescheiterte Superhelden als unverfilmbar. Mitte der 1990er Jahre versuchte sich Ex-Monty Python Terry Gilliam an einer Verfilmung, ließ das Projekt aber wegen Budget-Problemen fallen. Ein weiterer Drehbuchentwurf von Autor David Hayter sollte von Paul Greengrass (Flug 93) oder Darren Aronofsky (The Fountain) verfilmt werden, doch wieder blieb das Projekt in der Produktions-Vorhölle stecken.

Schließlich fand sich im Sommer 2006 mit Zack Snyder endlich ein Regisseur. Der Erfolg von Snyders Adaption von Frank Millers Comic 300 war sicherlich ein gutes Omen. Das Script von Hayter, das in die heutige Zeit nach den Ereignissen des 11. September 2001 versetzt worden war, wurde vom neuen Autor Alex Tse überarbeitet, um das ursprüngliche Setting des Comics wieder zu verwenden. Und obwohl die beiden Medien Comic und Film sehr unterschiedlich sind, ist mit Watchmen eine werkgetreue Adaption gelungen, die auch als Film funktioniert.

Entgegen so mancher Befürchtung wurde die düstere Story der Vorlage nicht zugunsten einer 08/15-Hollywoodmär mit Schwerpunkt auf Actionszenen verwässert. Mit der Erwartungshaltung an diesen Film heranzugehen, es handelte sich hier um einen mit Effekten vollgestopften Comic-Actionfilm, ist grundsätzlich falsch. Denn Watchmen ist ein düsterer Abgesang auf alle Comichelden, das die Klischees und Fehltritte der maskierten Kämpfer sogar ein wenig parodiert.

Aus visueller Sicht ist Zack Synder und seinem Team zwar kein meisterhafter Bilderrausch gelungen, aber die düstere Stimmung spiegelt sich vor allem in der Optik gut wieder. Die Optik der Vorlage ist leider aus heutiger Sicht etwas veraltet und so wirkt die Frischzellenkur, die den Bildern verpasst wurde, angenehm. Bezeichnend für die Grundstimmung ist es auch, dass sich die meiste Zeit der Handlung bei Nacht abspielt. Trotz aller Düsternis in Story und Aufmachung ist auch ein bisschen Humor vorhanden.

Was die Wahl der Schauspieler betrifft, so war es richtig, auf eher unbekannte Gesichter zu setzen. Denn so lenkt kein bekanntes Gesicht von der Story oder den Charakteren ab. Denn eigentlich ist hier die Vorlage der Star. Da stört es auch nur marginal, dass mit Malin Akerman die Darstellerin der Silk Spectre II in ihrer Rolle ein wenig nichtssagend wirkt. Die meiste Screentime in diesem Ensemble-Film haben vor allem Jackie Earle Haley (Little Children), der als Rorschach die meiste Zeit nur hinter seiner Maske zu sehen ist und Patrick Wilson (Little Children, Das Phantom der Oper) als Nite Owl. Allgemein wurde hier verstärkt auf junge Schauspieler gesetzt, die dann mitunter auch künstlich altern. So sieht man Carla Gugino (Sin City) als Sally Jupiter sowohl in jungen Jahren als auch als 67jährige Rentnerin.

Der Inhalt der Vorlage wurde nur minimal gekürzt und dennoch funktioniert das Gesamtergebnis auch als Film. Es ist zwar dem Vorankommen der Story in der ersten Filmhälfte etwas abträglich, dass es wie im Comic viele Rückblenden gibt, aber dennoch fügen sich die Einzelteile zu einem runden Ganzen zusammen. Für Zuschauer ohne Vorkenntnisse hat der Film allerdings dann doch ein paar Längen. Das Ende wurde für den Film leicht verändert, ohne jedoch die Ausgangssituation zu ändern. Das Comic im Comic, Tales Of The Black Freighter, wird übrigens im April als separater Animationsfilm auf DVD veröffentlicht, genau wie die fiktive Autobiografie Under The Hood von Hollis Mason alias Nite Owl. Der von Regisseur Zack Snyder anvisierte Director’s Cut soll allerdings diese Segmente wieder beinhalten.

Watchmen ist düster, brutal und kompromisslos. Die heldenhaften Figuren sind nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Dem allmächtigen Übermenschen ist das Schicksal der Menschheit egal, Batmans Bruder im Geiste ist impotent und der maskierte Rächer lebt nur noch für seine nächtlichen Streifzügen. Und da gibt es noch den nationalistischen Söldner, der seinen Hang zur Gewalt damit rechtfertigt, dass er ja nur dafür sorgt, dass die Selbstzerstörung der Menschheit schneller vorangeht. Jedenfalls ist die cineastische Comicwelt nach diesem Film nicht mehr die Gleiche.

Fazit: Düsterer Abgesang auf die Welt der Comic-Helden. Sehr werkgetreue Umsetzung der Vorlage. 8 von 10 Punkten.


Der maskierte Rächer Rorschach.

Wieder in Aktion: Silk Spectre II und Nite Owl II.
Marius Joa, 8. März 2009. Bilder: Warner Bros.

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