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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Zodiac

Von Johannes Michel. Publiziert am 19. Juni 2007

Seit Sieben, Panic Room und Fight Club ist David Fincher der Hollywood-Spezialregisseur für Krimithemen. Mit Zodiac liefert er allerdings einen Thriller, der gar keiner ist. Johannes Michel war im Kino und schreibt, warum seine Nacherzählung des Serienkiller-Falls dennoch größtenteils überzeugt.

Zodiac
Thriller, USA 2007. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 157 Minuten.
Mit: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey Jr., Brian Cox, John Carroll Lynch, Richmond Arquette, Bob Stephenson, John Lacy u.a. Regie: David Fincher.

Beeindruckende Langzeitermittlung

Zwölf Jahre nach seinem Erfolgsfilm Sieben verfilmt Regisseur David Fincher erneut einen spektakulären Kriminalfall. Die Bezeichnung „Thriller“ ist allerdings nicht unbedingt zutreffend, viel mehr handelt es sich um eine Zusammenführung der heutigen Erkenntnisse über einen Fall, der von 1968 bis ins neue Jahrtausend die Polizei in den Vereinigten Staaten beschäftigte.

In der Nähe von San Francisco beginnt im Jahr 1968 eine grausame Mordserie. Der Killer, der sich selbst in Briefen an Presse und Polizei „Zodiac“ nennt, hat es besonders auf junge, verliebte Pärchen abgesehen. Die Briefe, allesamt kryptisch verschlüsselt, helfen der Polizei bei ihren Ermittlungen kein Stück weiter. Zwei Jugendliche überleben die Attacke, können der Polizei aber nur schemenhafte Hinweise liefern. Insgesamt werden in den Folgejahren über 30 Menschen ermordet. Karikaturist Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal) beschließt, nachdem er in seiner Redaktion so einiges über den Fall gehört hat, ermittelt auf eigene Faust, analysiert die Briefe und blättert in den Ermittlungsakten. Wer „Zodiac“ wirklich ist und ob er überhaupt existiert, bleibt über das Ende des Films hinaus ungeklärt.

Journalist Robert (rechts) mit seinem Kollegen Paul Avery (Robert Downey Jr.).

Zodiac ist ein äußerst zurückhaltender Film. In den ersten Minuten, die einen kaltblütigen Mord des Killers zeigen, wird das noch nicht deutlich. Als Jake Gyllenhaal als Journalist Robert ins Spiel kommt, dann umso schneller. Behutsam arbeitet er sich, Beruf und Leben vernachlässigend, durch Berge von Akten, aus seiner Ermittlungsarbeit wird Besessenheit, die aber nicht zum Erfolg führen kann.

David Fincher zeichnet hier einen vollkommen anderen Kriminalfilm als in Sieben. Hier geht es nicht um rituelle Morde, sondern schlicht und ergreifend um einen Psychopaten, der Spaß am Mord hat. Höhere Ziele scheint dieser dabei nicht zu verfolgen. Mag er auch nicht gerade intelligent sein (viele seiner Briefe enthalten gravierende Rechtschreibfehler), weiß er doch, wie er die Ermittlungsbeamten auf Abstand halten kann. Er streut Hinweise, aber nur in soweit, dass sie nicht weiterhelfen können. Das wirklich Schockierende dabei ist, dass Zodiac vollständig auf der Realität basiert. Als Quelle dienten Fincher die Bücher Zodiac und Zodiac Unmasked, die der Journalist Robert Graysmith nach dem „Abschluss“ seiner Ermittlungen verfasste und die in den USA zu Bestsellern wurden.

Die Schauspieler Jake Gyllenhaal (Brokeback Mountain) und Robert Downey Jr. (Good Night, And Good Luck) tragen den Film über seine lange Spieldauer von fast 160 Minuten. Langeweile will zu keinem Zeitpunkt aufkommen, auch wenn dem Kinobesucher auf jeden Fall Sitzfleisch abverlangt wird. In einer Nebenrolle ist zudem Brian Cox (The Ring, Troja) zu sehen, der als Moderator den „Zodiac“ an der Strippe hat, mit einem Treffen aber scheitert. Die restliche Schauspielerriege bleibt eher blass, gerade auf der Polizeiseite fehlt ein überzeugender Charakterdarsteller, der den Ermittlungs-Überdruss ausdrücken kann.
Wie viele der Morde wirklich von „Zodiac“ begangen wurden, ist bis heute nicht aufgeklärt. Es ist anzunehmen, und das spiegelt sich auch im Film wieder, dass einige Trittbrettfahrer den Hype um den Killer für sich genutzt haben könnten. Fincher demontiert mit seinem Film den bis heute herrschenden Mythos um den Serienmörder, genau das Gegenteil hatte er mit Sieben heraufbeschworen. Dennoch fehlt dem Film für eine Spitzenbewertung das gewisse Etwas – sowohl schauspielerisch als auch spannungstechnisch.

Fazit: Detailgetreuer Krimithriller, der gut beginnt, aber langsam nachlässt. 8 von 10 Punkten.


Wird vernachlässigt: Roberts Frau Melanie (Chloë Sevigny).

Versucht, mit Zodiac Kontakt aufzunehmen: Moderator Melvin Belli (Brian Cox).
Johannes Michel, 19. Juni 2007. Bilder: Warner.

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