Goliath und Herkules

Neben pseudo-mythologischen gab es auch einige pseudo-historische Sandalenfilme. In Goliath und Herkules geht es um den Konflikt zwischen Alexander dem Großen und Perserkönig Dareios. Mittendrin: ein tapferer Held und ein unentschlossener König.

Goliath und Herkules
Alternativ: Der Tiger von Sardes (Goliath e la schiava ribelle)
Historienfilm Italien/Frankreich 1963. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 76 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Gordon Scott, Ombretta Colli, Massimo Serato, Mimmo Palmara, Gabriele Antonini, Gloria Milland, Serge Nubret. Giuseppe Fortis u.v.a. Regie: Mario Caiano.

Planloser Plot

Makedoniens König Alexander der Große  (Gabriele Antonini) und der persische König Dareios befinden sich im Krieg. Schon marschiert die makedonische Streitmacht in Richtung Lydien. In Lydiens Hauptstadt Sardes berät sich König Marcius (Massimo Serato) mit seinem Hof. Der edle Krieger Gordian (Gordon Scott) rät Marcius zum Bündnis mit Alexander, während Marcius’ Verwandter Artafernes (Mimmo Palmara) sich für eine Union mit Dareios einsetzt. Als sich der König schließlich für den makedonischen Herrscher entscheidet, beginnt Artafernes ein teuflisches Intrigenspiel, mit dem Ziel, die Macht zu ergreifen und sich den Persern anzuschließen. Doch Gordian, der sich nebenbei in die hübsche Prinzessin Cori (Ombretta Colli) verliebt, hält dagegen.

Mit dem Sandalenfilm Herkules, der Sohn der Götter gelang dem italienischen Regisseur Mario Caiano mit 29 Jahren ein ordentliches Regiedebüt. Ein Jahr später drehte Caiano einen weiteren Helden-Streifen, Goliath und Herkules. Obwohl der pseudohistorische Kontext und die Ausgangssituation der Story mit den politischen Ränkespielen Potenzial birgt, so versagt der Film fast auf ganzer Ebene.

Die italienisch-französische Produktion von 1963 enthält die gängigen Zutaten einschlägiger Sandalen-Streifen. Liebreizende Frauen, hier und da Schwertkampf-Action und einen fiesen Bösewicht mit finsterem Plan. Mittendrin befindet sich wie immer der strahlende Held, der auch hier wieder von einem amerikanischen Ex-Bodybuilder verkörpert wird. Der deutsche Titel ist übrigens vollkommen sinnlos. Es gibt im Film weder einen Goliath noch einen Herkules, denn die Titelfigur heißt Gordian und wird vom ehemaligen Tarzan-Darsteller Gordon Scott (1926-2007) gespielt. Der ursprüngliche deutsche Verleihtitel Der Tiger von Sardes passt da schon eher.

Insgesamt wirkt der Plot an zu vielen Stellen zusammenhang- und planlos. Viele Nebencharaktere tauchen auf, um gleich wieder zu verschwinden und nie wieder aufzutauchen. Der Zuschauer verliert hier schnell den Überblick, auch weil sich die Figuren stark ähneln. Den Überblick bei den diversen Intrigen und Ränkespielen haben wohl auch die Drehbuchautoren zu früh verloren, und so begibt sich die Story in immer undurchsichtigere Gefilde, bis am Ende der Plot-Wirrwarr einigermaßen aufgelöst wird.

Immerhin dauert der Film nicht lange und in den ca. 75 Minuten passiert dem Grunde nach viel, wobei man das Gefühl hat, es wurde zu viele Storywendungen in die kurze Laufzeit gepresst. Wer hat eigentlich diese massakrierte Schnittfassung verbrochen? Der Cutter selbst, die Produzenten oder der deutsche Verleih? Da wird eine Szene mitten im Satz abgebrochen oder ohne Übergang zur nächsten übergegangen, so dass man als Zuschauer erschrickt. Die voll gestopfte Story lässt jedenfalls vermuten, dass die ursprüngliche Schnittfassung mindestens eine halbe Stunde länger sein könnte.

Auch wenn viel passiert (Action, Intrigen, Action, Intrigen und noch mehr Intrigen), so bleibt die Inszenierung höchst oberflächlich. Gordon Scott fällt fast nur durch seinen falsch aussehenden Bart auf, die weiblichen Darstellerinnen sind nur schmuckes Beiwerk. Immerhin hat Sandalenfilm-Guru Mimmo Palmara hier einen großen Part als intriganter Schurke, aber schauspielerisch wirklich gelungen ist das alles nicht, was aber hauptsächlich an der fehlenden Figurenzeichnung liegt. Wenigstens am Ende wird man mit etwas spannenderen Kampfszenen entschädigt.

Fazit: Amateurhaft geschnitten und höchst oberflächlich inszeniert. Kurz und schlecht. 2 von 10 Punkten.

DVD-Features

Sprache: Deutsch

Goliath und Herkules gibt es zusammen mit Herkules, der Sohn der Götter (ebenfalls von Regisseur Mario Caiano) auf einer DVD. Die Bild- und Tonqualität ist weitgehend annehmbar. Kein Bonusmaterial vorhanden.

Marius Joa, 4. Juni 2010. Bilder: ZYX Music.


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