Kampf der Titanen

In der Rezensionsreihe „Klassische Sagen“ darf natürlich das Remake von Kampf der Titanen nicht fehlen. Marius Joa war im Kino und wenig begeistert.

Kampf der Titanen (Clash Of The Titans)
Fantasy/Actionfilm USA/UK 2010. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 106 Minuten. Kinostart: 8. April 2010.
Mit: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Gemma Arterton, Alexa Davalos, Jason Flemyng, Mads Mikkelsen, Hans Matheson, Pete Postlethwaite u.v.a. Regie: Louis Leterrier. „Drehbuch“: Travis Beacham, Phil Hay und Matt Manfredi.

Krampf der Titanen

Von seinem Stiefvater wird der Säugling Perseus mit seiner Mutter Danaë (Tine Stapelfeldt) in einer Kiste in den Fluss geworden. Der Fischer Spyros (Pete Postlethwaite) findet die beiden und zieht Perseus wie seinen eigenen Sohn auf. In Griechenland fühlen sich viele Menschen vom Joch der unsterblichen Götter unterdrückt. Als Soldaten des Königreiches Argos eine Statue des Göttervaters Zeus (Liam Neeson) zerstören, greift Hades, der Gott der Unterwelt (Ralph Fiennes), die Menschen an und zerstört das Schiff von Spyros. Der mittlerweile erwachsene Perseus (Sam Worthington) muss mit ansehen, wie seine Familie ertrinkt. Hades erscheint auch am Hofe von Kepheus (Vincent Regan), dem König von Argos, und tötet Königin Kassiopeia (Polly Walker). In zehn Tagen, so kündigt Hades an, werde ein riesiger Kraken die Stadt vernichten, wenn nicht die Prinzessin Andromeda (Alexa Davalos) dem Untier geopfert wird. Perseus und die tapfersten Krieger von Argos machen sich auf den Weg, um eine Waffe gegen den Kraken zu finden. Unterstützt werden sie von der Halbgöttin Io (Gemma Arterton).

Kampf der Titanen, das Original von 1981, ist ein mittelmäßiger Fantasyfilm, der einigermaßen werkgetreu die Perseus-Sage erzählt. Obwohl zumeist die Spannung fehlt, haben die Stop-Motion-Tricks von Altmeister Ray Harryhausen in diesem Film immer noch einen gewissen Charme. Ein Remake war keine völlig abwegige Sache, bieten doch die heutigen CGI-Effekte wesentlich mehr Spielraum bei der Gestaltung der mythologischen Götter und anderer Fantasie-Wesen. Und die flache Story des Originals hätte man auch ein wenig auffrischen können. Doch leider schafft es Louis Leterriers Neuverfilmung die 1981er Version in fast allen Punkten zu unterbieten. Was für ein Krampf!

Die drei Autoren (siehe oben) müssten eigentlich jetzt schon die Goldene Himbeere für das schlechteste Drehbuch in Empfang nehmen. Wie schafft man es eigentlich soviel mythologisch extrem uninspirierten Unsinn zu Papier zu bringen und das Ganze dann als Skript für einen Film zu nehmen? Die Story schafft es nur in wenigen Punkten der griechischen Mythologie wirklich treu zu bleiben. Das wäre grundsätzlich nicht direkt ein Problem, wenn das was von den bekannten Sagen hier übrig bleibt, nicht so ein ausgemachter Blödsinn wäre. Beispiele: Ursprünglich ist Akrisios der Großvater von Perseus, der seine Tochter und seinen Enkel dem Meer übergibt, weil er eine Prophezeiung fürchtet. Hier ist Akrisios der Ehemann von Perseus’ Mutter und weil diese außerehelichen Sex mit Zeus hatte, schickt er sie in den sicheren Tod, worauf Zeus in ihn das Monster Calibos verwandelt. Calibos wiederum ist im Originalfilm allerdings der entstellte Nebenbuhler von Perseus um die Hand der Andromeda. Die Figur der Andromeda ist hier wiederum eigentlich völlig überflüssig, wenn Perseus interessiert sich nur für die mit ewiger Jugend gestrafte (!) Io, die ihm in vielen Gefahren zur Seite steht. Das wären nur wenige Beispiele für ein Drehbuch, das mit einer glatten 6 zu bewerten ist, siehe auch die völlig abgedroschenen Dialoge.

Ein hirnverbranntes Drehbuch wäre kein Problem, wenn die durchaus ansehnlichen Effekte und die Action unterhaltsam wären. Doch irgendwie schafft es der Film auch noch, dem Zuschauer eine völlig seelenlose Performance vorzusetzen. Von den Actionszenen ist einzig der Kampf gegen die Medusa gelungen, ansonsten lassen einen die unübersichtlichen weil schnell geschnittenen Metzeleien ziemlich kalt. Zwar ist der Streifen keineswegs langweilig, aber erschreckend humorlos geraten. Das mag auch daran liegen, dass es keine Charaktere, sondern nur holzschnittartige Wesen gibt, die von zumeist völlig unterforderten Schauspielern gespielt werden, von denen viele hinter schlecht angeklebten Bärten versteckt sind, wie Mads Mikkelsen (Casino Royale) als Hauptmann Draco oder Vincent Regan (Troja, 300) als König Kepheus. Wenn Sam Worthingon (Terminator: Die Erlösung) als Perseus halblaut verkündet, er wolle den Kampf nur mit seinen menschlichen Fähigkeiten bestreiten, so ist das so belanglos, als würde er Werbung für Parfum machen.

Es gelingt auch überdies noch zum Teil talentierte und gestandene Darsteller in Komparsenrollen völlig zu verheizen. So darf Danny Houston (21 Gramm) als Meeresgott Poseidon einen einzigen Satz von sich geben. Polly Walker (Rom) hat als Königin Kassiopeia eine lächerliche Szene mit ein paar Zeilen. Für diese Verschwendung und die sinnlose Story ist auch die von den Produzenten kurz vor knapp zusammen geschnippelte Kinofassung verantwortlich, die etwa auch die Beweggründe der Götter außen vor lässt. Die Produzenten waren es wohl auch, die auf die Idee kamen, den Film im Nachhinein in 3D umzuwandeln, was sich beim fertigen Endprodukt als echte Mogelpackung erweist. Nur wenige Szenen wirken in der dritten Dimension und so wird klar, dass die 3D-Fassung nur dazu dient, dem Zuschauer mehr Geld für ein unterdurchschnittliches Machwerk aus der Tasche zu ziehen.

Fazit: Trotz ansehnlicher Effekte ein inhaltlich hohles und seelenloses Remake, das den mittelmäßigen Original-Film noch unterbietet. 3 von 10 Punkten.

Marius Joa, 19. April 2010. Bilder: Warner.

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