Game Of Thrones – Staffel 1

Die Adaption komplexer Fantasystoffe fürs Kino gestaltet sich aufgrund der Eigenheiten der Vorlage immer schwierig. In kreativ armseligen Zeiten macht es der US-Bezahlsender HBO ganz anders. Mit Game Of Thrones liefert er eine Serien-Adaption der wohl komplexesten Fantasy-Romanreihe der Gegenwart.

 

Game Of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer (Game Of Thrones)
Fantasy/Dramaserie USA 2011. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 550 Minuten. Erstausstrahlung: 2. November 2011.
Mit: Sean Bean, Mark Addy, Nikolaj Coster-Waldau, Michelle Fairley, Lena Headey, Emilia Clarke, Iain Glen, Aidan Gillen, Kit Harington, Harry Lloyd, Isaac Hempstead-Wright, Richard Madden, Sophie Turner, Maisie Williams, Jack Gleeson, Alfie Allen, Rory McCann, Peter Dinklage, Jason Momoa u.v.a. Nach der Romanreihe Ein Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin. Adaption: David Benioff und D. B. Weiss.

 

“You Win Or You Die”

 

Inhalt

Auf dem Kontinent Westeros beherrschte einst das Geschlecht der Targaryens die sieben Königslande. Doch nachdem sich der letzte der so genannten „Drachenkönige“ als wahnsinniger Tyrann entpuppte und diverse Adelige ermorden ließ, kam es zur Rebellion der großen Häuser Baratheon, Stark, Tully und Arryn, in deren Verlauf die Targaryens fast völlig ausgelöscht wurden. Seitdem herrscht Robert Baratheon als König in der Hauptstadt King’s Landing. Doch Robert ist ein schwacher Herrscher. Und so bittet er seinen besten Freund und alten Kampfgefährten Eddard „Ned“ Stark, Lord von Winterfell, ihm als Hand des Königs beizustehen. Widerwillig verlässt Lord Stark seine nördliche Heimat sowie seine Familie, um im Intrigen-Netz der Hauptstadt seinem König zu dienen. Ned sieht sich von finsteren Gestalten und Gefolgsleuten der Königin Cersei umgeben. Er stößt auf ein schreckliches Geheimnis.

Währenddessen schließt sich Neds Bastardsohn Jon Snow den Männern der Nachtwache an, einer Armee von verurteilten Verbrechern und Ausgestoßenen an, die die Nordgrenze das Reich vor den dunklen Mächten zu beschützen versuchen, die jenseits des zweihundert Meter hohen Grenzwalls, der Mauer, drohen. In einer Welt, in der Jahreszeiten Dekaden andauern können, neigt sich ein langer Sommer dem Ende zu. Vor allem den Menschen im Norden des Königsreichs ist klar, dass ein gnadenloser Winter naht, der viele Opfer fordern und finstere Kreaturen aus dem verwunschenen Wäldern jenseits der Mauer mit sich bringen wird.

 King’s Landing, die Hauptstadt

Fernab von Westeros, auf dem Nachbarkontinent Essos, leben die beiden letzten der Targaryens. Um seinen rechtmäßigen Thron zurück zu erobern verheiratet der berechnende Viserys seine jüngere Schwester Daenerys mit Khal Drogo, dem Fürsten einer barbarischen Reiterschar. Als Gegenleistung soll Drogos vierzigtausend Mann starke Armee für Viserys in die Schlacht um den Thron der sieben Königreiche ziehen. Der blutjungen Targaryen-Prinzessin Daenerys erscheinen die Sitten und Gebräuche des wilden Reitervolkes allzu fremd. Unterstützung erhält sie von Ser Jorah Mormont, einem verbannten Ritter aus Westeros.

Das Spiel um Throne beginnt…

 

Wichtige Charaktere

Um den Einstieg in Geschichte und ihre zahlreichen Figuren zu erleichtern, folgt nun eine Beschreibung der wichtigsten Charaktere der ersten Staffel.

Haus Stark

Eddard „Ned“ Stark ist der Lord von Winterfell, der Festung im Norden. Durch die Ermordung seines Vaters und seines Bruders schloss er sich der Rebellion von Robert Baratheon an. Etwa 17 Jahre später wird Ned von König Robert zu dessen Hand ernannt und verlässt seine Familie. Ned Stark wird gespielt von Sean Bean (*1959), dem namhaftesten Darsteller im Ensemble. Bean ist vor allem für seine Rollen in James Bond – Goldeneye und der Herr der Ringe-Trilogie bekannt.

Catelyn Stark ist die Ehefrau von Ned Stark. Sie stammt aus dem Haus Tully von Riverrun und war ursprünglich Neds älterem Bruder Bran versprochen, welcher jedoch vom Tyrannen Aerys getötet wurde. Der Entscheidung ihres Mannes, in die Hauptstadt zu gehen und dem König zu dienen, steht Catelyn skeptisch gegenüber. Als ein Anschlag auf ihren zweiten Sohn Bran verübt wird, stellt sie Nachforschungen an und trifft dabei auf ihren Hauptverdächtigen.
Die temperamentvolle Catelyn verkörpert die irische Schauspielerin Michelle Fairley (* 1964). Fairley spielte bisher in vielen britischen TV-Produktionen und hatte kleine Rollen in The Others sowie Harry Potter und die Heiligtümer des Todes.

Robb Stark ist der älteste Sohn von Ned und Catelyn. Als nacheinander seine Eltern Winterfell verlassen, hat er das Sagen in der nördlichen Festung. Äußerlich ähnelt der etwa 17jährige eher seiner Mutter. Robbs Schattenwolf heißt Grey Wind.
Der 1986 geborene Schotte Richard Madden verkörpert den Erben von Winterfell. Madden spielte u.a. im Teenager-Drama Chatroom.

Sansa Stark ist die älteste Tochter der Starks und 13 Jahre alt. Sofort verliebt sich das rothaarige Mädchen in den gleichaltrigen Kronprinzen Joffrey Baratheon. Dies bringt sie in eine sehr gefährliche Position. Ihr Schattenwolf ist Lady.
Sophie Turner, geboren am 21. Februar 1996 in Northumberland, England, gibt mit der Rolle der Sansa ihr Schauspiel-Debüt.

Arya Stark, im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester Sansa, ist sogar nicht mädchenhaft. Anstatt schöne Kleider zu tragen und mit Puppen zu spielen, ist Arya eine echte Kämpferin. Eine Neigung, die vor allem ihr Halbbruder Jon Snow unterstützt, indem er ihr das Schwert „Needle“ schenkt. Mit ihrem Vater und ihrer Schwester zieht Arya nach King’s Landing und bekommt dort „Tanzstunden“ beim Schwertkämpfer Syrio Forel. Nymeria ist Aryas Schattenwolf.
Mit Game Of Thrones liefert die am 15. April 1997 geborene Maisie Williams ihr Debüt.

Brandon „Bran“ Stark ist der zweite Sohn der Starks und zehn Jahre alt. Der Junge träumt davon, später mal ein großer Ritter zu werden. Doch eine seiner Klettertouren über die Mauern Winterfells wird ihm zum Verhängnis. Brans Schattenwolf ist Summer.
Bran Stark wird verkörpert von Isaac Hempstead-Wright. Neben der vorliegenden Serie spielte er im kommenden Horrorfilm The Awakening.

Jon Snow ist der uneheliche Sohn von Ned Stark und einer unbekannten Mutter. Obwohl er sich mit seinen Halbgeschwistern sehr gut versteht, hat er als Bastard keine Zukunft in der Welt der Adeligen und schließt sich deshalb der Nachtwache an, wo auch sein Onkel Benjen dient. Jons Schattenwolf ist schneeweiß und hört auf den Namen Ghost.
Den „Bastard von Winterfell“ spielt Kit Harington, ein am 26. Dezember 1986 geborener englischer Schauspieler. 2012 wird Harington an der Seite von Sean Bean in der Fortsetzung der Videospielverfilmung Silent Hill zu sehen sein.

Theon Greyjoy ist das Mündel von Lord Stark, nachdem sein Haus Greyjoy von den Iron Islands vor zehn Jahren den Aufstand gegen die Krone probte und verlor. Der 19jährige ist oft vorschnell und unbeherrscht, scheint aber dem Hause Stark treu zur Seite zu stehen.
Theon-Darsteller Alfie Allen (geboren am 12. September 1986 in London) stammt aus einer ganzen Familie von Filmschaffenden. Seine Mutter ist Produzentin Allison Owen, sein Vater der Schauspieler Keith Allen. Mit seiner Schwester, der Sängerin Lilly Allen, gab Alfie 1998 sein Debüt in Elizabeth. Außerdem hatte er u.a. kleine Rollen in Abbitte und Die Schwester der Königin.

Weitere Mitglieder des Hauses Stark sind Neds Bruder Benjen (Joseph Mawle), ein Grenzer der Nachtwache, und das jüngste der Stark-Kinder, der sechsjährige Rickon (Art Parkinson).

 

Haus Baratheon

König Robert Baratheon ist der erfolgreichen Rebellion gegen den vorherigen Herrscher Aerys Targaryen vor etwa 17 Jahren König von Westeros. Anstatt sich selbst um die Regierungsgeschäfte zu kümmern, beschäftigt sich Robert lieber mit Huren, Wein und gelegentlicher Jagd. So versucht er, die Dämonen seiner Vergangenheit zu vergessen. Vor allem der Verlust seiner großen Liebe Lyanna Stark hat ihn schwer gezeichnet. Nachdem seine bisherige Hand, der alte Jon Arryn, stirbt, bittet Robert seinen besten Freund Ned Stark, dieses Amt zu übernehmen.
Der am 14. Januar 1964 geborene Mark Addy spielt den schwergewichtigen, bärtigen König Robert und beweist damit seine Wandlungsfähigkeit. Dem deutschen Publikum ist Addy vor allem aus der US-Sitcom Still Standing ein Begriff. 2010 war er außerdem als Bruder Tuck in Ridley Scotts Robin Hood zu sehen.

Königin Cersei ist Roberts schöne und hinterhältige Ehefrau aus dem äußerst reichen sowie mächtigen Haus Lannister. Ihre Zuneigung zu Robert ist im Laufe der Jahre auf den Nullpunkt gesunken. Der Einfluss ihrer Familie und das Wohl ihrer drei Kinder stehen für Cersei an erster Stelle. Außerdem steht sie ihrem Zwillingsbruder Jaime recht nahe.
Lena Headey (* 3. Oktober 1973) gehört neben Sean Bean zu den bekanntesten Darstellern im Ensemble der Serie. Die Engländerin spielte nach Kinofilmen wie Brothers Grimm und 300 die Titelrolle in der Science-Fiction-Serie Terminator: The Sarah Connor Chronicles. Als Cersei trägt die eigentlich dunkelhaarige Headey eine blonde Perücke.

Prinz Joffrey Baratheon ist der älteste Sohn von Robert und Cersei und folglich der Thronerbe. Äußerlich kommt der 13jährige mehr nach seiner Mutter. Obwohl er sich vor allem gegenüber der in ihn verliebten Sansa edel gibt, so ist Joffrey in Wirklich gemein und sadistisch. Seine Geschwister sind Prinzessin Myrcella (Aimee Richardson) und Prinz Tommen (Callum Wharry).
Jack Gleeson ist ein junger irischer Schauspieler, der bisher in Batman Begins und dem Horrorfilm Shrooms zu sehen war.

Petyr „Littlefinger“ Baelish ist der Meister der Münze am Hof von König Robert, also quasi der Schatzmeister. Mit seinem Charme und seinem manipulierenden Fähigkeiten spinnt er ein Netz von Intrigen in King’s Landing. Da er mit Catelyn Stark aufwuchs und ihr freundschaftlich verbunden ist, bietet er Ned Stark seine Hilfe an.
Der am 24. April 1968 in Dublin geborene Aidan Gillen ist ein vielfach beschäftigter irischer Schauspieler, der vor allem in TV-Produktionen tätig ist, darunter die Serien Queer As Folk und The Wire.

Zur Baratheon-Familie gehören außerdem Roberts Brüder Stannis und Renly (Gethin Anthony), wobei ersterer in der ersten Staffel noch nicht auftritt.

 

Haus Lannister

Tywin Lannister ist das unumstrittene Oberhaupt der reichen und überaus mächtigen Familie Lannister. Es war Tywin, der in der finalen Phase der Rebellion die Hauptstadt erobern und die Targaryens fast völlig auslöschen ließ. Seit dem Tod seiner Frau, die bei der Geburt des missgestalteten Sohnes Tyrion starb, ist Tywin ein strenger und gnadenloser Mann.
Der 1946 geborene Engländer Charles Dance ist vor allem als Bösewicht in diversen Film bekannt, z.B. Last Action Hero, James Bond – In tödlicher Mission oder Going Postal. Außerdem war er u.a. in Gosford Park, Alien 3 und Scoop – Der Knüller von Woody Allen zu sehen. In Game Of Thrones ist er allerdings erst ab der siebten Folge dabei.  

Ser Jaime Lannister ist nicht nur ein blendend aussehender Mann in den besten Jahren, sondern auch der wohl beste Kämpfer der sieben Königslande. Als Ritter der Königsgarde ist er seiner Zwillingsschwester Cersei und dem König sehr nah. Im Gegensatz zu anderen Mitgliedern seiner Familie verachtet Jaime seinen jüngeren Bruder Tyrion nicht.
Nikolaj Coster-Waldau, geboren am 27. Juli 1970, ist ein dänischer Schauspieler. Game Of Thrones ist seine zweite englisch-sprachige Serien-Arbeit. 2008 war er in der kurzlebigen SF-Show New Amsterdam zu sehen. Im Kino spielte Coster-Waldau u.a. in Black Hawk Down und Kingdom Of Heaven

Tyrion Lannister ist der missgestaltete und wegen seiner Kleinwüchsigkeit verachtete zweite Sohn Tywins, der nach allgemeiner Auffassung durch seine Geburt die Mutter getötet hat. Tyrions Stärke ist seine Bildung und sein wacher Verstand. Außerdem versteht es der als Gnom oder Halbmann verspottete Mann immer wieder, seine Gegenüber mit Charme und Sprachwitz zu beeindrucken. Sehr zum Missfallen seines Vaters ist Tyrion leichten Mädchen und gutem Wein nicht abgeneigt.
Der am 11. Juni 1969 in New Jersey geborene Peter Dinklage spielt den unter Fans besonders beliebten „Gnom“ Tyrion. Seinen internationalen Durchbruch schaffte der nur 1,33 Meter große Amerikaner 2003 mit dem Film Station Agent. Außerdem spielte er u.a. im Originalfilm und im Remake der schwarzen Komödie Death At A Funeral und in Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia. Für die Verkörperung von Tyrion in Game Of Thrones erhielt Dinklage im September 2011 einen Emmy als bester Nebendarsteller in einer Dramaserie.

Außerdem gehören zur Familie Lannister u.a. noch Tywins Bruder Kevan (Ian Gelder) und dessen Sohn Lancel (Eugene Simon).

 

Haus Targaryen

Daenerys Targaryen wurde kurz nach dem Sturz ihres Vaters, des irren Königs Aerys, geboren und von Vertrauten mit ihrem älteren Bruder Viserys in Sicherheit gebracht. Sie wächst  an verschiedenen Orten auf und befindet sich zu Beginn der Serie beim reichen Kaufmann Illyrio Mopatis. Um eine vierzigtausend Mann starke Reiterarmee für eine Rückeroberung von Westeros zu gewinnen wird Daenerys von ihrem Bruder mit dem Reiterfürsten Khal Drogo verheiratet. Die junge Frau muss sich nun in einer völlig fremden Kultur zurechtfinden.
Für die 1987 geborene Engländerin Emilia Clarke bedeutet die Rolle der Targaryen-Prinzessin den ersten großen Karrieresprung.

Viserys Targaryen ist Daenerys kalter und berechnender älterer Bruder und nach dem Sturz seines Vaters durch Robert Baratheons Rebellion der eigentlich rechtmäßige Thronerbe von Westeros. Viserys inszeniert die Heirat seiner Schwester mit dem wilden Drogo, um sich mit dessen Armee sein Recht zu verschaffen.
Der 27jährige Harry Lloyd verkörpert den Targaryen-Prinzen Viserys. Lloyd spielte u.a. von 2006 bis 2009 die Rolle des Will Scarlett in der Neuauflage der BBC-Serie Robin Hood.

Khal Drogo ist einer der mächtigsten Reiterfürsten auf dem Nachbarkontinent von Westeros. Mit seinem vierzigtausend Mann starken Reiterheer durchstreift er die weiten Steppen und misst sich im Kampf mit anderen Khals und deren Gefolge. Er heiratet die junge Daenerys und obwohl sie sich kaum verständigen können entwickelt sich ihre Beziehung zum positiven.
Neben Peter Dinklage ist der gebürtige Hawaiianer Jason Momoa (* 1. August 1979) der einzige US-Amerikaner im Ensemble von Game Of Thrones. Nach seiner Serienrolle in Stargate Atlantis ergatterte Momoa die Titelrolle im Remake von Conan der Barbar (2011).

Ser Jorah Mormont ist ein aus Westeros verbannter Ritter, der sich dem Gefolge der Targaryens anschließt und vor allem Daenerys hilft, die Sitten und Gebräuche der fremdartigen Dothraki zu verstehen. Er ist der Sohn von Jeor Mormont, dem Lord Commander der Nachtwache.
Der Schotte Iain Glen (* 1961) ist vor allem wegen seiner Rollen in Tomb Raider , Die letzte Legion und Die Päpstin einem größeren Publikum bekannt.

 

 

Entstehung der Romane und Anfänge der TV-Serie

Nach seiner Zeit als Drehbuchschreiber und Produzent der Fantasyserie Die Schöne und das Biest (1987-1990) konnte der amerikanische Autor George R. R. Martin im US-Fernsehen nicht mehr richtig Fuß fassen und begann in der Folge, verstärkt Romane und Kurzgeschichten zu schreiben. So erschuf Martin die immens komplexe Fantasyreihe A Song Of Ice And Fire (deutsch: Ein Lied von Eis und Feuer). 1996 wurde der erste Band veröffentlicht. Aus einer ursprünglichen geplanten Trilogie wurde aufgrund der Materialmenge eine geplante, aber bisher nicht vollendete Heptalogie. Zuletzt erschien der fünfte Band, A Dance With Dragons, im Juli 2011. Aus marketingtechnischen und terminlichen Gründen werden die Romane im deutschen jeweils in zwei Hälften geteilt.

Nach dem großen Erfolg der Buchreihe in jeglicher Hinsicht sicherte sich der amerikanische Pay-TV-Kanal HBO, bekannt für seine aufwendig und hochwertig produzierten Serien wie Rom oder True Blood, die Verfilmungsrechte: als TV-Serie, mit der Prämisse, dass jede Staffel dem Inhalt eines Romans entspricht. Als für die ganze Produktion wählte man den Titel des ersten Romans. Im Herbst 2009 wurde unter der Regie von Thomas McCarthy (Station Agent) eine Pilotfolge in Nordirland und Marokko gedreht. HBO orderte nach dessen Sichtung eine komplette Staffel mit insgesamt zehn Episoden. Die Dreharbeiten der ersten Staffel fanden von Ende Juli bis Dezember 2010 wiederum in Nordirland und auf Malta statt. Einige Rollen wurden neu besetzt, darunter auch die von Catelyn Stark und Daenerys Targaryen. Die guten Zuschauerzahlen der ersten Folge in den USA bewogen HBO dazu, vom neuen Prestigeprojekt gleich eine zweite Season zu bestellen, die seit Ende Juli 2011 in Nordirland, Kroatien und Island gedreht wird.

 

Deutschland-Premiere

Am 2. November startet Game Of Thrones nun endlich auch in Deutschland, erstmal allerdings „nur“ auf TNT Serie (empfangbar über Kabel Deutschland oder Sky). Immer mittwochs um 20:15 und in regelmäßigen Wiederholungen werden die zehn Folgen der ersten Staffel. Aber ist die Adaption eines hundert von Charakteren und Schauplätzen umfassenden Roman-Epos überhaupt verfilmbar?

Ja, ja und nochmals ja. Irgendwie ist es den beiden Chefautoren und ausführenden Produzenten David Benioff (Troja, 25 Stunden) und D. B. Weiss, die alle Drehbücher entweder selbst schrieben oder überarbeiteten, und dem großen Produktionsteam gelungen, nicht nur die komplexe Geschichte des ersten Romans werkgetreu zu übertragen, sondern auch einen guten Einstieg in die Welt von Westeros zu gewährleisten. Die Point-Of-View-Perspektive der Bücher wurde aus dramaturgischen Gründen für die Serie nicht beibehalten. Das Drehbuch zur achten Folge The Pointy End schrieb George R. R. Martin, der auch als beratender Co-Produzent mit an Bord ist, übrigens selbst.

 

Kritik

Game Of Thrones atmet den Geist einer teils fremden, aber im Grunde unserer doch nicht ganz so unähnlichen Welt, in der im Kampf um die Macht nur die überleben, die in ständiger Wachsamkeit am munteren Intrigenspiel teilnehmen oder sich geschickt heraushalten. Wirkliche Fantasy-Elemente gibt es nur in sehr dezenter Form. Die unheimlichen Vorgänge jenseits der Mauer, geheimnisvolle Träume und latent vorhandene Magie sind nur einige Zutaten dieser Welt, die nicht von ungefähr an ein mittelalterliches England oder gar Europa erinnert.

Trotz eines Budgets von geschätzten 60 Millionen Dollar für die ersten zehn Folgen (und dementsprechend aufwändigen Kulissen und Kostümen) sollte man hier keine epischen Schlachtszenen erwarten. Im Gegenteil, die einzig größere Schlacht wird mehr oder minder elegant ausgeblendet. Game Of Thrones ist eben kein Herr der Ringe. Auch wenn es viele blutige und freizügige Szenen gibt, so verzichten die Macher fast völlig auf Effekthascherei. Selbst die Traumsequenzen einer Figur werden ohne Überbelichtung inszeniert.

Der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi (Iron Man) liefert als Komponist der Serie sehr stimmungsvolle und oft eher minimalistisch Musik ab. Das grandiose Titelthema und die Kamerafahrt über die wichtigsten Schauplätze der Handlung sorgen dafür, dass Game Of Thrones den wohl besten Vorspann aller Zeiten besitzt, der im September 2011 mit einem von zwei Emmys ausgezeichnet wurde.

Das große Plus der Produktion ist natürlich das kunterbunte und in vielen Facetten einmalige Schauspieler-Ensemble. Vor allem die Kinderdarsteller um Maisie Williams überraschen mit eindringlichem Spiel. Herausragend unter den „erwachsenen“ Mimen sind sicherlich Sean Bean als Ned Stark, Mark Addy als König Robert, der charmante Peter Dinklage als Tyrion Lannister sowie Michelle Fairley als Catelyn Stark um nur einige zu nennen. Unterstützt werden sie von hochkarätigen Neben- und Gastdarstellern wie Charles Dance, Julian Glover oder Jerome Flynn.

Der Einstieg wird den Nichtbuchkennern wahrscheinlich nicht ganz leicht fallen, doch wer sich auf Game Of Thrones einlässt, wird mit einer der besten Serien der letzten Jahre belohnt, die mit ihren langwierigen Storylines und einem wenig zimperlichen Umgang mit ihren Charakteren den Zuschauer auch gehörig vor den Kopf zu stoßen vermag.

Geringe Abstriche muss man bei den visuellen Effekten machen, die bei einer Fernsehproduktion in so kurzer Zeit nicht besser machbar waren. Auch ist es etwas schade, dass die Schattenwölfe der Stark-Kinder so wenig Screentime haben und immer nur dann wirklich da sind, wenn sie dramaturgisch gebraucht werden. Die mitunter etwas eigenartige Episodenaufteilung hat zur Folge, dass manche Hauptcharaktere über ein oder zwei Folgen pausieren, was nicht immer glücklich wirkt. Dies sind jedoch vernachlässigbare „Schwächen“.

Fazit: Game Of Thrones ist nicht nur eine in vielerlei Hinsicht einmalige TV-Serie, sondern funktioniert auch als werkgetreue Adaption eines großen Roman-Epos. 9 von 10 Punkten.

 Der Eiserne Thron
Arya erhält Tanzstunden
Schattenwolf Ghost

 

TV-Tipp

Game Of Thrones ab 2. November 2011 immer mittwochs um 20:15 auf TNT Serie

 

Linktipps

Wikipedia-Link zur Buchreihe

Winter Is Coming Net (englische Fanseite zur TV-Serie)

 

 

Marius Joa, 31. Oktober 2011. Bilder: HBO.

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