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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 9. Oktober 2020

Abtreibung, ein schwieriges Thema. Und doch findet Regisseurin Eliza Hittman in ihrem Spielfilm “Niemals Selten Manchmal” Immer genau den richtigen Ton, Schwangerschaftsabbruch und damit verbundene Problematiken darzustellen.

 

The Farewell

Von Marius Joa. Publiziert am 25. Januar 2020

In Lulu Wangs autobiographischem Film The Farewell zieht es eine junge Amerikanerin chinesischer Abstammung zurück in die Heimat, um sich von ihrer todkranken Großmutter zu verabschieden


The Farewell (Bie Gaosu Ta)
Drama/Komödie USA, China 2019. FSK: ohne Altersbeschränkung. 101 Minuten. Kinostart: 19. Dezember 2019.
Mit: Awkwafina, Zhao Shuzhen, Tzi Ma, Diana Lin, Jiang Yongbo, Lu Hong, Chen Han, Aoi Mizuhara, Li Xiang u.v.a. Drehbuch und Regie: Lulu Wang.

 

Abschied von der Kindheit

Vor 25 Jahren, als sie noch ein kleines Mädchen war, ist Billi (Awkwafina) mit ihren Eltern Haiyan (Tzi Ma) und Liu Jian (Diana Lin) von China in die amerikanische Metropole New York emigriert. Zwar träumt Billi von einer Karriere als Schriftstellerin aber ihre Bewerbung für ein Stipendium wird abgelehnt. Von ihrem Vater erfährt sie, dass Großmutter Nai Nai (Zhao Shuzhen) todkrank ist und nur noch ein paar Monate zu leben hat. Allerdings wird Nai Nai das wahre Ausmaß ihres Gesundheitszustandes vorenthalten. Um sich von der alten Dame zu verabschieden inszeniert die Familie eine Fake-Hochzeit von Billis Cousin Hao Hao (Chen Han) in der Heimat. Gegen den Rat ihrer Eltern entschließt sich Billi ebenfalls nach China zu fliegen. Doch wird sie es schaffen, Nai Nai weiterhin zu belügen, wie es Familie und Traditionen von ihr verlangen?

 Billi und Nai Nai

Regisseurin Lulu Wang (geb. 1983) verarbeitet mit The Farewell, der seine Premiere vor genau einem Jahr, im Januar 2019, auf dem Sundance Festival feierte, ihre eigene Geschichte. Im Alter von sechs Jahren wanderte sie mit ihren Eltern von China in die USA aus. Vor ein paar Jahren wurde bei ihrer Großmutter väterlicherseits Krebs in fortgeschrittenem Stadium festgestellt. Gemäß chinesischer Sitte wurde ihr diese Diagnose nicht mitgeteilt. Nachdem Wang über diesen Teil ihrer Biographie bereits in einem Podcast berichtet hatte adaptierte die Regisseurin die Story für ihr zweites Langfilmprojekt, welches mit der Unterstützung des Sundance Institutes umgesetzt wurde. Die Dreharbeiten fanden überwiegend in der 7-Millionen-Metropole Changchun statt, ganz in der Nähe des Wohnorts von Wangs Großmutter. Nach der Premiere erhielt The Farewell sehr gute Kritiken und einige Auszeichnungen, z.B. je einen Preis bei den Satellite Awards und den Golden Globes. Zurecht. Denn Lulu Wangs zweiter Spielfilm pendelt gekonnt zwischen ernsten Tönen und lustigen Szenen.

Obwohl oder vielleicht weil es in meiner Familie im letzten Jahr innerhalb von einem Monat gleich zwei Todesfälle gab (mein Onkel väterlicherseits und meine Oma mütterlicherseits) so wollte ich The Farewell unbedingt sehen. Der aus meiner Sicht suboptimale Spielplan des hiesigen Programmkinos ermöglichte mir aber erst vier Wochen nach dem offiziellen Kinostart den Film endlich zu sehen. Meine Befürchtung, ich könnte durch die Geschichte emotional stark mitgenommen werden, hat sich nicht bewahrheitet. Aber nichtsdestotrotz hat mich dieses kleine Werk mit seinen universellen Botschaften sehr bewegt. Wang vermeidet es gekonnt allzu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass hier eher eine Komödie als ein Drama vorliegt. Denn die witzigen Szenen mit viel Situationskomik in welchen die von Zhao Shuzhen (die auf eine lange Theaterkarriere zurückblicken kann) mit viel Herz gespielte Nai Nai im Mittelpunkt steht, überwiegen. Natürlich liegt ein Schatten über dieser alten, lebenslustigen Dame, doch bringt die ganze Angelegenheit den Zuschauer zum Nachdenken darüber, ob die Entscheidung der Familie, die Diagnose zu verheimlichen, vielleicht doch nicht so ganz falsch war.

Vor allem in dramaturgischer Hinsicht wirkt das Drehbuch (ebenfalls von Lulu Wang) überaus organisch. Denn Aufhängungspunkt für die meisten Szenen bildet das gemeinsame Essen sowie das Wiedersehen mit unterschiedlichen Verwandten und Bekannten. Besonders gelungen fand ich die Sequenz als sich die Familie am Grab des Opas trifft und dem Verstorbenen Speisen, Getränke und Zigaretten mitbringt. Das Ensemble um Schauspielerin/Rapperin Nora Lum alias Awkwafina, Tzi Ma (Arrival) und eben Zhao Shuzhen in der Rolle der Nai Nai erweist sich als die große Stärke. Besonders schön auch die musikalische Untermalung von Komponist Alex Weston inklusive dem gefühlvollen Falsett-Gesang von Singer/Songwriter Mykal Kilgore. Lulu Wangs Großtante Lu Hong (die Schwester der echten Nai Nai) spielt sich im Film übrigens selbst.

The Farewell erscheint am 17. April 2020 auf DVD und BluRay.

Fazit: Lulu Wang gelang mit ihrem autobiographischen Film The Farewell eine authentisch-unaufgeregte, gut ausbalancierte Mischung aus Drama und Komödie, die mit tollen Darstellerleistungen glänzt. 8 von 10 Punkten.

 

Zur (vermeintlichen) Hochzeit von Hao Hao…
…trifft sich die Familie um Abschied zu nehmen

 

 

Marius Joa, 25. Januar 2020. Bilder: A24/DCM.

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