Monotonie gehört irgendwie zum Leben. Wettermann Phil, gespielt von Bill Murray, erlebt in Und täglich grüßt das Murmeltier von Harold Ramis aber eine besondere Form davon. Denn immer wieder durchlebt er den 2. Februar, mit all seinen Begegnungen und Möglichkeiten.
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Und täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day)
Komödie USA 1993. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 101 Minuten (BluRay). Kinostart. 29. April 1993.
Mit: Bill Murray, Andie MacDowell, Chris Elliott, Stephen Tobolowsky, Brian Doyle-Murray, Marita Geraghty u.v.a. Drehbuch: Danny Rubin und Harold Ramis. Regie: Harold Ramis.

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Die Mutter aller Zeitschleifenfilme
Zum vierten Mal soll Wetter-Moderator Phil (Bill Murray) von einem lokalen Sender aus Pittsburgh über die Feierlichkeiten des Murmeltiertags am 2. Februar in Punxsutawney berichten. Mit der neuen Produzentin Rita (Andie MacDowell) und Kameramann Larry (Chris Elliot) fährt der griesgrämige Phil in die Kleinstadt im Westen von Pennsylvania, um der Zeremonie mit dem berühmten Nagetier Punxsutawney Phil beizuwohnen. Sofern das Murmeltier seinen Schatten sieht wird der Winter noch sechs Wochen dauern. Wenn nicht, folgt ein schneller Frühling. Der menschliche Phil ist von dem traditionsreichen Getue eher genervt und wünscht sich eine rasche Heimreise. Doch ein Blizzard macht diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Und so sitzen der Wettermann und sein Team erst einmal in Punxsutawney fest, zumindest bis zum nächsten Tag. Doch der kommt für Phil nicht. Denn als er am nächsten Morgen aufwacht ist wieder der 2. Februar…
Drehbuchautor Danny Rubin hatte die Idee zu Und täglich grüßt das Murmeltier, Originaltitel Groundhog Day, im Jahr 1990 während der Lektüre des Romans Der Vampir Lestat (1985) von Anne Rice. Wie fühlt es sich wohl an, wenn man ewig lebt? Ein erstes Szenario zu dieser Frage kombinierte Rubin schließlich mit einer von ihm in der Vergangenheit verfassten Story über einen Mann, der immer wieder den gleichen Tag aus Neue erlebt. Über eine Agentur fand Rubins ursprüngliches Skript den Weg zu Schauspieler/Autor/Regisseur Harold Ramis, vor allem bekannt für die Rolle des Egon Spengler in den beiden originalen Ghostbusters-Filmen (1984/89). Gemeinsam schrieben Ramis und Rubin die finale Drehbuchfassung, während ersterer die Regie übernahm.

Ein griesgrämiger und/oder misanthropischer Mensch, der durch übersinnliche Phänomene zum besseren Menschen wird? Das klingt nach klassischem Hollywood-Kitsch, gerne auch in einem weihnachtlichen Setting. Dass Groundhog Day eben nicht am Weihnachtsfest spielt, sondern am titelgebenden Feiertag, der nicht nur in Pennsylvania, sondern auch in anderen Gegenden im Osten der USA sowie in Alaska und den östlichen Regionen Kanadas begangen wird, macht den einen Unterschied. Dass die Geschichte auch ohne großen Kitsch zu Herzen geht und funktioniert bleibt die große Stärke der Komödie, auch gut dreißig Jahre nach ihrer Veröffentlichung.
Hinsichtlich der Struktur wird die Entwicklung des Protagonisten angesichts der Zeitschleife anhand des Fünf Phasen der Trauer-Modells der schweizerisch-amerikanischen Psychologin Eliabeth Kübler-Ross (1926-2004) aufgezogen: Leugnen, Ärger, Feilschen, Depression und Akzeptanz. Wettermann Phil (der nicht zufällig so heißt wie das titelgebende Nagetier) muss alle diese Phasen durchlaufen, um seine Wandlung vollziehen zu können. Im Verlauf der unzähligen Loops, von denen die Zuschauer*innen 38 miterleben (viele davon allerdings nicht vollständig), sieht Phil ein, dass er die Zeit auch sinnvoll nutzen kann.
Die Botschaft ist am Ende simpel: auch wenn das Leben und die Menschen um einen herum nervig sein können, so ist es doch für alle Beteiligten leichter, wenn man nett und hilfsbereit zueinander ist. Wie lange der Held dieses wundervollen Komödienklassikers für diese Erkenntnis benötigt, bleibt unklar. Die verschiedenen Schätzungen liegen zwischen zehn und vierzig Jahren oder mehr. Am Ende macht es keinen großen Unterschied.
Eine humoristisches Feuerwerk mit Gags im Minutentakt bietet Und täglich grüßt das Murmeltier nicht, dafür aber immer wieder absurd überspitzte sowie subtil witzige Szenen und Dialoge. Einen massiven Anteil daran, dass die ganze Geschichte so prächtig funktioniert haben die Schauspieler*innen. Bill Murray, vorher gemeinsam mit dem Regisseur bei den Ghostbusters, scheint die Rolle des Misanthropen wie auf den Leib geschrieben und erfüllt die entsprechenden Erwartungen auch. An seiner Seite sehen wir die liebenswerte Andie MacDowell (Sex, Lügen und Video) als Produzentin Rita, Chris Elliott (Abyss – Abgrund des Todes) als trotteliger Kameramann Larry sowie weitere weniger bekannte, aber nicht minder überzeugende Darsteller*innen.
In Folge 23 des Unter Vieraugen-Podcasts sprechen wir über die für uns besonderen Qualitäten des Films und auch andere Werke mit Zeitschleifen als zentrales Element. Hört doch mal rein!
Und täglich grüßt das Murmeltier ist auf DVD und BluRay erhältlich. Zudem gibt es den Film im Angebot von WOW/Sky und als Stream mit Zusatzkosten bei diversen Anbietern.
Fazit: Ein genervter Misanthrop erlebt in einer Zeitschleife den titelgebenden Murmeltiertag immer wieder. Mit dieser simplen, aber wirkungsvollen Prämisse, einem unnachahmlichen Bill Murray und philosophischen Betrachtungen zur Monotonie des Lebens bleibt Und täglich grüßt das Murmeltier auch drei Jahrzehnte später noch ein wundervoller Komödienklassiker.
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Marius Joa, 13. Februar 2026. Bilder: Sony.


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