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Von Marius Joa. Publiziert am 22. September 2019

In Runde zwei nimmt die von Schauspieler/Autor/Regisseur Seth MacFarlane (“Family Guy”) ins Leben gerufene Scifi-Serie “The Orville” einen Kurswechsel in Richtung Ernsthaftigkeit vor. Ob das funktioniert?

 

Ein Quantum Trost

Von Marius Joa. Publiziert am 10. November 2008

Der 21. James Bond-Film Casino Royale sorgte vor zwei Jahren für einen herausragenden und höchst erfolgreichen Neustart der Filmreihe. Doch wie geht es weiter mit 007? Ob er in Ein Quantum Trost wieder ganz der alte ist, lesen Sie in der Kritik von Marius Joa. Und Johannes Michel kommentiert…

Ein Quantum Trost (A Quantum Of Solace)
Agententhriller/Actionfilm USA/UK 2008. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 106 Minuten. Deutscher Kinostart: 6. November 2008.
Mit: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, David Harbour, Jesper Christensen, Anatole Taubmann, Joaquín Cosio u.v.a. Regie: Marc Forster. Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade & Paul Haggis.

James Bond am Limit

Wir erinnern uns an das Ende von Casino Royale: nachdem Bond (Daniel Craig) herausfand, dass seine Geliebte Vesper ihn verraten hatte, ließ diese bereitwillig den Tod über sich ergehen. Sachdienliche Hinweise, die Vesper hinterließ, führten 007 zum Hintermann Mr. White (Jesper Christensen), der mit einem gezielten „Beinschuss“ außer Gefecht gesetzt wurde. Genau hier setzt die Fortsetzung Ein Quantum Trost an und glaubt man den diversen Angaben der Beteiligten, so geht es wenige Minuten nach Ende des Vorgängers weiter.

Nach einer höchst rasanten Verfolgungsjagd quer durch Norditalien bringt Bond Mr. White zum Verhör zu M (Judi Dench) in ein Versteck unter der Toskana-Stadt Siena. Doch bevor White verhört werden kann, entpuppt sich Ms Leibwächter als Verräter. 007 verfolgt ihn durch unterirdische Gänge und über die Dächer Sienas. Mr. White verschwindet.
Nachforschungen führen Bond nach Tahiti und von dort aus nach Bolivien. Er kommt auf die Spur der mysteriösen Verbrecher-Organisation „Quantum“, deren Mitglied Dominic Greene (Mathieu Amalric) sich als großer Umweltaktivist ausgibt, in Wahrheit aber die wichtigsten Rohstoffe der Welt unter seine Kontrolle bringen will. In Bolivien will Greene den General Medrano (Joaquín Coslo) als Diktator etablieren, damit dieser nach seiner Pfeife tanzt. Mit Medrano wiederum hat die attraktive Camille (Olga Kurylenko) noch eine Rechnung offen. Auch die CIA um Bonds Kumpel Felix Leiter (Jeffrey Wright) und dessen Vorgesetzten Beam (David Harbour) hat ihre Finger im Spiel.
M ist mittlerweile über die rigorose Vorgehensweise von Bond entsetzt, da dieser schon einige Leichen hinterlassen hat. So stellt sich die Frage, ob 007 einfach nur einen blinden Rachefeldzug führt. Der Versuch, ihn zu stoppen, misslingt. Und so macht sich 007 gemeinsam mit Camille an die Arbeit, Greenes Pläne zu vereiteln.

Flammendes Inferno.

Mit Stirb an einem anderen Tag (2002) war die Bond-Reihe irgendwo zwischen Jubiläums-Revue und CGI-Unsinn festgefahren. Mit dem neuen (und insgesamt sechsten) Darsteller Daniel Craig (Layer Cake, München) gelang in Casino Royale (2006) ein in so gut wie allen Belangen perfekter Neustart. Die eingeschlagene Richtung – knallharter Realismus mit Tiefgang und damit eine Absage an bekannte Bond-Zutaten wie z.B. übermäßige Gadgets – sorgte bei einigen Fans des harten Kerns für Verstimmung. Und diese wird sich auch mit Ein Quantum Trost kaum lösen. Regie führt hier der in Illertissen bei Ulm geborene Schweizer Marc Forster (Monster’s Ball, Drachenläufer). Er ist damit der erste Regisseur eines 007-Streifens, der nicht aus dem Commonwealth stammt.

Bond-Film Nr. 22 setzt genau da an, wo Nr. 21 aufgehört hat. Bonds große Liebe Vesper, für die er alles aufgeben wollte, hat sich umgebracht, nachdem ihr Verrat ans Licht kam. Zu Beginn des neuen Films jagt Bond durch Italien, um dann in Siena nach einem viel zu kurzen Verhör erneut die nächste Hatz zu durchlaufen. Und so präsentiert sich das Werk insgesamt als fast durchgehender Hochgeschwindigkeitsthriller, der Bond und dem Publikum nur wenig Ruhe lässt. Die rasanten Kamerafahrten sorgen außerdem für eine sehr hektische Atmosphäre. Ein bisschen weniger wacklige Handkamera wäre allerdings besser gewesen.

Doch Ein Quantum Trost bietet nicht nur rasante Action und Spannung, sondern auch optisch beeindruckende Locations. Über die Straßen Norditaliens, die Kanäle und Dächer Sienas, Tahiti, die Seebühne in Bregenz nach Bolivien (das von Panama und Chile gedoubelt wurde). Ein Quantum Trost ist auch der Bond-Film mit den meisten Außen-Drehorten, was sicherlich zum gigantischen Budget von 230 Millionen Dollar beigetragen haben muss. Nur wenige Szenen entstanden in den Pinewood Studios in England. Anstelle des übermäßigen Einsatzes von visuellen Computereffekten wurden hier die spektakulärsten Actionszenen mit waghalsigen Stunts ohne große Tricks in Szene gesetzt.

Und spätestens bei den bis an die Schmerzgrenze gehenden Kämpfen sollte sich jeder Bond-Fan über eines klar sein: den leichtfüßigen Geheimagenten, der per Knopfdruck die Gegner ins Jenseits befördert, als sei es nichts und die willigen Bondgirls mit einem zotigen Einzeiler verführt, sind vorbei. James Bond ist nun ein eiskalter Killer, der weder sich noch seine Gegner schont und für die kleinste Aussicht auf eine Spur tötet. Diesen grimmigen, kantigen, aber auch wegen jüngster Ereignisse verbitterten 007 spielt Daniel Craig sehr gut. Zeit für ein bisschen Charme und Erotik bleibt kaum, und wenn dann nur mit „dienstlichen“ Hintergedanken.

Bei seinen tödlichen Streifzügen überschreitet Bond so manche von M gesetzte Grenze und der Vertrauens- und Lizenzentzug durch die Geheimdienstchefin scheint unmittelbar bevor zu stehen. Mit dem Bond-Girl Camille, gespielt von dem ukrainischen Ex-Model Olga Kurylenko (Hitman, Max Payne), verbindet Bond keine Liebe oder Begierde, sondern die gemeinsame Suche nach Vergeltung.

Trotz der geradlinig-rasanten Inszenierung und der tollen Locations hat Ein Quantum Trost leider auch ein Quantum Schwächen. Die kurze Laufzeit des Films von 106 Minuten (damit ist er der kürzeste Bond-Film bisher) und die Betonung auf die Actionszenen haben zur Folge, dass die Story doch sehr an der Oberfläche bleibt. So wirkt Bösewicht Dominic Greene ( Mathieu Amalric – München, Schmetterling und Taucherglocke) wenig ausgearbeitet. Zwar sind seine Motive in einer Zeit großer Konzernmacht durchaus vorstellbar, aber die Figur bleibt blass.

Wer auf Antworten zu manchen Fragen aus Casino Royale hofft, der wird ebenfalls enttäuscht. Weder die Rolle von Mathis (Giancarlo Giannini), der hier wieder auftaucht, noch die Hintergründe um Vesper werden erklärt. Über die geheimnisvolle Organisation „Quantum“ erfährt man ebenfalls so gut wie nichts, was ein Indiz dafür ist, dass diese in folgenden Filmen eine wichtige Rolle spielen wird. Und glaubt man neuesten Meldungen, so soll „Bond 23“ bereits im Jahr 2010 (vermutlich wieder im November) in die Kinos kommen. Die Produzenten planen die Auswertung erster Drehbuchentwürfe für Januar 2009. Und angeblich sollen im nächsten Film Tüftler Q und Sekretärin Moneypenny (wieder) dabei sein.

Für alle, die sich mit dem in Casino Royale und im vorliegenden Film gezeigten James Bond nicht anfreunden können, bleiben als „Quantum Trost“ die ersten 20 Filme der Reihe. Denn auch wenn es in den zukünftigen 007-Streifen sicherlich das ein oder andere kleine Gadget sowie Zitate aus alten Bond-Filmen geben wird, so werden die Macher ihrer neuen Linie treu bleiben.

Fazit: Rasanter und optisch beeindruckender Agententhriller, der sich in Sachen Actionkino wahrlich auf der Höhe der Zeit bewegt, aber trotz umweltpolitischer Thematik eine etwas zu dünne Story bietet. 8 von 10 Punkten.


Dominic Greene gibt sich als Umweltaktivist aus.

Bond jagt in Siena einen Verräter.

Greene will General Medrano als Diktator installieren.

Auch die CIA hat ihre Finger mit im Spiel.

Camille verbündet sich mit Bond.
Marius Joa, 10. November 2008. Bilder: MGM/United Artists/Columbia Pictures.

Kommentar

Ist Bond noch Bond?

Viel wurde in den vergangenen Wochen und Monaten über den neuen James Bond geschrieben. Zeit, ein Resümee zu ziehen und die Frage zu stellen: Wie geht es mit dem berühmtesten Agenten der Welt weiter?

Zu Casino Royale haben wir bei Vieraugen Kino noch zwei verschiedenen Filmkritiken veröffentlicht. Auch damals gingen die Meinungen über die Qualität des Films nicht sehr weit auseinander, dies ist auch bei Ein Quantum Trost der Fall. Daher macht eine zweite Kritik wenig Sinn, dennoch ist aber der Frage nachzugehen, wie viel Bond noch in Marc Fosters Film steckt.
Nach Stirb an einem anderen Tag, dem letzten Bond mit Pierce Brosnan, mehrte sich die Kritik an der bisherigen Vorgehensweise. Bond drohte Science Fiction zu werden – und schließlich legte Brosnan, der daran mit Sicherheit keine Schuld daran hatte, sein Amt nieder und machte somit den Weg frei für neue Ideen. An Daniel Craig lässt sich sehr gut zeigen, dass die Bond-Macher das 20. Jahrhundert endgültig hinter sich gelassen haben – und damit auch Konflikte wie den Kalten Krieg. Craig ist ein moderner Bond, noch immer etwas Gentleman, aber nicht mehr unfehlbar, nicht unbesiegbar. Wenn er sich nach einem harten Tag im Hotel das Hemd auszieht, sind an seinem Körper deutlich die Kampfspuren der (jüngsten) Vergangenheit zu sehen – bei einem Sean Connery wäre das undenkbar gewesen. Halten wir also als Zwischenstand fest: Die Bond-Modernisierung wurde angegangen und ist in vielen Bereichen auch gelungen. Bond wird so wieder etwas glaubwürdiger, auch wenn selbst der durchtrainierte Hochleistungssportler Craigs Klettertiraden über Kräne und Häuser nicht heile überstehen würde.
Ein Problem hat das Phänomen Bond dann aber doch: Die Tradition. Während sich beispielsweise die Filmemacher vom zweiten Triple-X nicht unbedingt auf Traditionen berufen mussten, wird gerade dies von Bond-Filmen gefordert. Denn schließlich hat der Geheimagent schon so manchen anderen Kinostar überlebt und genießt eine ähnlich große Anhängerschaft wie Star Wars oder Herr der Ringe – wobei letzteres Phänomen am Ausklingen zu sein scheint. Damit Bond nicht auch in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und damit die „alten“ Fans nach Ein Quantum Trost auch dem nächsten Film 2010 entgegen fiebern, müssen einige Veränderungen her.
Wichtig ist zunächst, etablierte Charaktere wieder zu installieren. Mit Felix Leiter (CIA) hat es zumindest ein bekannter Bond-Kollege schon in die neuen Filme geschafft. Hinzukommen sollten (und werden allem Anschein nach) Moneypenny und Q, damit auch Daniel Craig wieder mit diversen Gadgets versorgt wird. Übrigens: Es heißt immer, der neue Bond bräuchte solche technischen Spielereien nicht. Dabei wird gerne vergessen: Ohne sein modernes Kamerahandy wäre es ihm in keinen Fall möglich gewesen, die Hintermänner von Dominic Greene im neuesten Film zu ermitteln.
Außerdem muss Bond wieder etwas mehr zum Lebemann werden. Nein, nicht die Bestellung eines geschüttelten und nicht gerührten Wodka Martini macht’s aus, wobei Anleihen daran auch in beiden Craig-Filmen zu finden waren: Einmal ist ihm egal, wie der Martini serviert wird, ein andermal wird ihm gleich das Rezept vorgebetet. Lebemann meint eher: Bond muss sich wieder einen Drink zum Spaß bestellen – und nicht erst dann, wenn‘s brenzlig wird und er Nervennahrung braucht.
Der Schluss von Ein Quantum Trost soll hier nicht verraten werden, nur so viel: Die Hoffnung, dass Bond wieder, zumindest ein bisschen, so wird, wie ihn viele kennen und lieben, ist größer denn je. Sehen wir die beiden neuen Filme einfach als eine längere Hinführung zum Thema, als Prolog. Und nun kann es wirklich neu losgehen.

Johannes Michel, 14. November 2008.

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Rubrik James Bond

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