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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 24. November 2020

Seit Anfang November mussten im Rahmen der modifizierten Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie Kinos und alle anderen Kulturbetriebe wieder schließen. Da bleibt dem Cineasten “nur” noch die Möglichkeiten des Heimkinos. Daher habe ich mir Armando Iannuccis Adaption von Charles Dickens’ Roman “David Copperfield” angesehen, welche eine namhafte Darsteller-Riege, darunter Dev Patel, Peter Capaldi, Hugh Laurie, Ben Whishaw und Tilda Swinton, aufbietet.

 

Der göttliche Andere

Von Marius Joa. Publiziert am 15. August 2020

Ein Journalist verliebt sich in eine angehende Novizin. Doch dabei bekommt es der junge Mann mit Widerstand von ganz oben zu tun, in Jan Schomburgs Komödie Der göttliche Andere.


Der göttliche Andere (Divine/The Big Other)
Komödie Deutschland, Italien 2020. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. 91 Minuten. Kinostart: 13. August 2020.
Mit: Callum Turner, Matilda De Angelis, Ronke Adekoluejo, Mark Davison, Anna Bonaiuto, Serge Barbagallo, Lewis Hart, Pino Ammendola, Kemaal Deen-Ellis u.a. Drehbuch und Regie: Jan Schomburg.


 


L(i)eben wie Gott in Italien

Eigentlich ist die Berichterstattung aus Krisengebieten das Fachgebiet des britischen Journalisten Gregory “Greg” Spring (Callum Turner). Doch wegen seiner großen Beliebtheit bei weiblichen Zuschauern schickt ihn der Sender nach Rom, um gemeinsam mit Redakteurin Amina (Ronke Adekoluejo) und Kameramann Robert (Mark Davison) von der Papstwahl zu berichten. Greg ist nicht nur Atheist und Zyniker, Liebe im Allgemeinen und Liebe auf den ersten Blick im Besonderen hält er für Phantastereien. Bis er Maria (Matilda De Angelis) begegnet. Dumm nur, dass die junge Frau ganz kurz davor steht, Nonne zu werden. Doch das entpuppt sich bald als Gregs geringstes Problem. Denn schon bald häufen sich absurde Zufälle und Begebenheiten, die nur einen Schluss zulassen: Gott will Maria für sich allein!

Ein Mann und eine Frau, die sich überraschend ineinander verlieben und auf Widerstand durch eine dritte Partei stoßen. Das klingt irgendwie nach der Konstellation einer klassischen RomCom. Doch was aber wenn die dritte Partei niemand Geringeres als Gott persönlich ist? Aus dieser absurden Prämisse hat Jan Schomburg eine sehr witzige und in Ansätzen auch tiefsinnige Komödie geschaffen. Zuvor inszenierte der 1976 geborene Regisseur nicht nur die auf Festivals gezeigten Dramen Über uns das All (2011) und Vergiss mein Ich (2014), sondern führte auch Regie bei Ein Mord mit Aussicht (2015) und fungierte bei Vor der Morgenröte (2016) als Co-Autor. Der in Rom auf Englisch und Italienisch gedrehte Der göttliche Andere ist Schomburgs internationales Debüt. Die Hauptrollen spielen Callum Turner (Emma. [2020]) und Matilda De Angelis (Veloce come il vento – Giulias großes Rennen).

Wenn sich der Protagonist seiner Angebeteten nähern will muss er immer wieder mit kuriosen Hindernissen kämpfen. So bricht ein Feuer aus kurz bevor sich Greg und Maria in einer Disco küssen. Als Greg mit dem Liebesgeständnis herauszurücken versucht bringt er die entscheidenden drei Worte plötzlich nur auf Finnisch heraus. Mit einem Gehirntumor in Form des Turiner Grabtuches (!) fährt der Allmächtige auch massive Geschütze auf, um das Paar voneinander zu trennen. Doch nimmt der Film diese aus dem Nichts kommenden Situationen keineswegs als Aufhänger für plumpen Slapstick. Nicht selten sind es die insgesamt recht vernachlässigten Nebenfiguren, die für unerhoffte Lacher sorgen.

Insgesamt konzentriert sich die Handlung fast völlig auf die beiden Hauptfiguren. Der Nebenplot um Gregs Versuch, Personen vom Rande der Gesellschaft wie Verbrecher und Geisteskranke über die Papstwahl zu interviewen, rückt mit der Zeit völlig in den Hintergrund. Das erscheint zwar einerseits schade, verhindert aber gleichzeitig, dass die Geschichte zu überladen wirkt. Zumindest innerhalb der Realität des Films gibt es keinen Zweifel über die Existenz Gottes, doch das Thema Religion wird hier angenehm ambivalent und neutral behandelt. So gestaltet sich Der göttliche Andere nicht nur äußerst humorvoll, sondern auch überaus warmherzig. Abgerundet wird das Gesamtbild durch die angenehm unkitschigen Bilder von Kameramann Florian Hoffmeister (Johnny English – Man lebt nur dreimal) und den überaus stimmungsvollen Soundtrack des Schweizers Tobias Jundt alias Bonaparte, der hier mit seiner Reibeisenstimme perfekt das italienische Lebensgefühl zu verkörpern scheint.

Fazit: Schräge, warmherzige Komödie über Glaube und Liebe vor der malerischen Kulisse Roms. 8 von 10 blutigen Nägeln.


Marius Joa, 15. August 2020. Bilder: Warner/X Filme.

 

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