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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Die Fälscher

Von Lena Stadelmann. Publiziert am 27. Mai 2007

Deutsche Geschichte und kein Ende: Nach der DDR im letzten Jahr kommt nun wieder ein KZ-Film in die Kinos. Schon wieder, ist man versucht zu sagen. Doch Stefan Ruzowitzkys auf einer wahren Begebenheit beruhendes Drama Die Fälscher schafft es, neue Aspekte zu beleuchten, und das Thema (schon wieder) fesselnd darzustellen.

Die Fälscher
Kriegsdrama, Deutschland/Österreich 2007. 98 Minuten. FSK: ab 12.
Mit: Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow, Martin Brambach, August Zirner, Veit Stübner, Sebastian Urzendovsky u.v.a. Regie: Stefan Ruzowitzky.

Überleben ist alles

Der Meisterfälscher Salomon „Salli“ Sorowitsch (Karl Markovics) wird 1936 von Kriminalkommissar Friedrich Herzog (Devid Striesow) aufgrund seines Versuchs, Dollars zu fälschen, festgenommen. Zuerst im KZ Mauthausen untergebracht, wo er es versteht, sich durch sein zeichnerisches Talent Privilegien zu verschaffen, kommt er 1944 nach Sachsenhausen. Dort trifft er wieder auf Herzog, mittlerweile Offizier der SS und Leiter des „Unternehmen Bernhard“ – eine Geldfälscherwerkstatt, die die Banknoten der alliierten Staaten im großen Stil herstellen soll. Dazu wurden alle Juden mit drucktechnischem Know-How nach Sachsenhausen gebracht, die sich nun unter der Leitung von Salli an die Herstellung eines perfekten Pfundscheins machen sollen und dafür angenehmere Haftbedingungen erhalten. Probleme macht dabei nur einer: Adolf Burger (August Diehl), ein idealistischer Kommunist, der nicht einsieht, den Nazis bei der Kriegsfinanzierung zu helfen und die Fälschungen sabotiert. Ein Spiel auf Leben und Tod, denn nur der perfekte Geldschein rettet das Überleben der Fälscher.

Salli (Karl Markovics) bei der Arbeit.

Konfliktreicher kann ein Film kaum aufgebaut sein: Die Fälscher müssen ihren Peinigern bei der Kriegsführung helfen, obwohl sie wissen, dass dadurch noch mehr Menschen sterben und vor allem mehr Juden in die KZs gebracht werden. Gleichzeitig leben sie in einer Blase mitten im KZ, die von den nicht privilegierten Häftlingen misstrauisch beäugt wird. Trotz der Annehmlichkeiten ist die Gefahr des Todes stets präsent: vor den Holzwänden, die die Fälscherwerkstatt vom übrigen KZ-Leben abtrennen und durch die rohe Gewalt, mit der jeder Fehler bestraft wird. Innerhalb der Gruppe dann der offensichtlichste Konflikt zwischen dem idealistischen Rebellen Adolf und dem pragmatischen Zyniker Salli, stellvertretend für das Gewissen und den Überlebenswunsch der Fälscher.

Trotz dieser spannungsreichen Komposition gibt es immer wieder Phasen (fälschlicher) Ruhe, die vor allem durch Herzog eingeleitet werden, der sich selbst als Philanthrop sieht und keinesfalls als brutalen Nazi. Er baut zu Salli fast schon etwas wie eine Freundschaft auf, lädt ihn in seine herrschaftliche Villa ein und schenkt der Fälschertruppe eine Tischtennisplatte als Arbeitsmotivation. Gebrochen wird diese gönnerische Farce nicht nur durch Herzog selbst, sondern vor allem durch seine Untergebenen, die allesamt in bester Nazischergen-SS-Manier die Häftlinge demütigen, foltern und willkürlich töten.
Immer wieder, wenn sich sowohl Salli als auch die Zuschauer in kleinster Sicherheit wiegen und die Achtsamkeit nachlässt, passiert wieder irgendetwas Furchtbares, um auch dem letzten klarzumachen: wir sind immer noch im KZ. Diese Momente, in denen auch der sonst so pragmatische Salli verzweifelt, hebt Regisseur Stefan Ruzowitzky (Anatomie) durch gedämpfte Töne hervor, wodurch der Zuschauer die Verzweiflung hautnah miterlebt. Dazu trägt aber auch das hervorragende Spiel von Karl Markovics (Die Männer ihrer Majestät, Komm, süßer Tod) bei, der die Figur des Salli extrem zurückhaltend spielt und trotzdem neben Devid Striesow (Der Untergang, Napola) die größte Präsenz entwickelt.
Etwas störend wirkt die Figur Adolf Burger, keineswegs wegen der schauspielerischen Leistung von August Diehl, sondern der von Anfang bis Ende durchgezogenen moralischen Erhabenheit, die selbst vor dem Tod der Kameraden nicht zurückschreckt. Während Salli sich mit seiner Devise „Anpassen, um zu überleben“ um alle Mithäftlinge kümmert, stilisiert sich Burger zum Gewissen der Fälscher und zum unantastbaren Helden, was daran liegen kann, dass das Buch „Des Teufels Werkstatt“, auf dem der Film basiert, von Adolf Burger stammt.

Ebenfalls ein kleiner Wehmutstropfen ist die stellenweise katastrophale Tonnachbearbeitung, die das akustische Verständnis extrem erschwert.

Fazit: Hervorragend gespielter, spannungsreicher Film. 7 von 10 Punkten.


Herzog (Devid Striesow) riecht die Sabotage und droht den Fälschern mit dem Tod.

Wird Burger (August Diehl) seinen Plan trotzdem durchziehen?
Lena Stadelmann, 27. Mai 2007. Bilder: Universum.

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