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Von Marius Joa. Publiziert am 11. Juli 2018

Bei den allgegenwärtigen Debatten um Migration und Integration zeigt ein kleiner Film von der Grünen Insel, dass alles vielleicht doch nicht immer so kompliziert sein muss: “Halaleluja – Iren sind menschlich”.

 

Halaleluja – Iren sind menschlich

Von Marius Joa. Publiziert am 11. Juli 2018

Bei den allgegenwärtigen Debatten um Migration und Integration zeigt ein kleiner Film von der Grünen Insel, dass alles vielleicht doch nicht immer so kompliziert sein muss: Halaleluja – Iren sind menschlich.

Halaleluja – Iren sind menschlich! (Halal Daddy)
Komödie Irland, Deutschland, Frankreich 2017. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 95 Minuten. Kinostart: 21. Juni 2018.
Mit: Nikesh Patel, Art Malik, Sarah Bolger, Colm Meaney, Deirdre O’Kane, Paul Tylak, David Kross, Jerry Iwu, Stephen Cromwell u.a. Drehbuch: Conor McDermottroe und Mark O’Halloran. Regie: Conor McDermottroe.

 

Integration auf Irisch

Weil ihn sein traditionsbewusster Vater (Art Malik) verheiraten will, ist der junge indischstämmige Raghdan (Nikesh Patel) vor einiger Zeit vom englischen Bradford nach Sligo an der irischen Westküste geflohen, wo er bei seinem Onkel Jamal (Paul Tylak) und dessen Lebensgefährtin Doreen (Deirdre O’Kane) lebt. Wenn er Jamal nicht gerade in der örtlichen muslimischen Gemeinde hilft, verbringt Raghdan die Zeit mit seinen besten Kumpels Neville (Jerry Iwu) und Derek (Stephen Cromwell) beim Surfen oder Partymachen oder mit Freundin Maeve (Sarah Bolger). An Raghdans 21. Geburtstag steht Papa Amir auf der Matte, im Gepäck eine faustdicke Überraschung. Amir hat die Räumlichkeiten der stillgelegten Fleischfabrik aufgekauft, um diese unter Leitung seines Sohnes in einen Halal-Schlachthof umzuwandeln. Den Laden managen soll dabei ausgerechnet Maeves knorriger Vater, der arbeitslose Martin Logan (Colm Meaney), ehemals Geschäftsführer des Fleischbetriebes. Als Maeve dann noch verdächtig viel Zeit mit ihrem Ex-Freund Jasper (David Kross) verbringt, scheint Raghdans Lebens etwas aus den Fugen zu geraten…

 Raghdan und sein Vater

Culture-Clash-Komödien haben in den letzten Jahren ihren festen Platz im Kino erobert. Meist kommen Beiträge dieses Subgenres aus Frankreich, wie der Kassenschlager Willkommen bei den Sch’tis (2008) oder aktuell Ein Lied in Gottes Ohr (Kinostart: 26. Juli 2018), über eine Musiktrio mit Priester, eRabbi und einem Imam. Mit seiner zweiten Regiearbeit lässt der eher als Schauspieler bekannte Conor McDermottroe (Quigley der Australier, Kampf der Kobolde) verschiedene Ethnien und kulturelle Vorstellungen in der irischen Provinz aufeinander treffen. Die einzelnen Wendungen der durchaus etwas turbulenten Geschichte sind ziemlich vorhersehbar, aber in seiner Gesamtheit unterhält Halaleluja – Iren sind menschlich als prächtiges Feelgood-Movie.

Integration muss in der Praxis nicht immer so schwierig sein. Diesen Eindruck könnte man zumindest hier gewinnen. Die Kleinstadt Sligo (ca. 17.000 Einwohner) an der Westküste Irlands wird zum Multi-Kulti-Mikrokosmos. Der Protagonist besucht mit seinem Onkel die Moschee, trifft sich dann mit seiner Clique, zu denen auch der Sohn eines nigerianischen Taxifahrers gehört, zum Surfen. Anschließend feiern die jungen Leute im Pub einer polnischen Kneipenwirtin. McDermottroe spielt mit Klischees und Vorurteilen, entlarvt dabei religiöse beziehungsweise andere althergebrachte Regelwerke als nicht mehr realitätsnah.

Im humoristischen Zentrum dieser Zelebrierung von Toleranz und irischer Schrulligkeit steht mit Colm Meaney (Star Trek – The Next Generation, Deep Space Nine; Layer Cake) einer der bekanntesten Schauspielers des Landes, der hier als uriger Manager-Typ des neuen Unternehmens kaum ein Fettnäpfchen auslässt. Etwa wenn er Amir fragt ob Frauen im Halal-Schlachtbetrieb arbeiten dürfen und wenn ja, wie verhüllt diese dann sein müssen. Als Martin Logan schließlich die “Creme de la creme der Arbeitslosen von Sligo” als potenzielle Belegschaft präsentiert, menschelt es (wie es der nicht völlig unpassende deutsche Untertitel andeutet) auf anrührende Weise. Freilich wirkt das plottechnisch am Ende alles recht einfach strukturiert, zeigt aber auch mögliche Wege aus der Krise. Gemeinsam anpacken! Diese Devise kann man aus Halaleluja – Iren ist menschlich auf jeden Fall mitnehmen.

Fazit: Halaleluja – Iren sind menschlich gerät zwar insgesamt ziemlich vorhersehbar, bietet aber eine wundervolle, sympathische Culture-Clash-Comedy. 7 von 10 Punkten.

Maeve und Raghdan sind ein Paar
Raghdan mit seinen Freunden
Die Creme de la Creme der Arbeitslosen von Sligo

 

Marius Joa, 11. Juli 2018. Bilder: Koch Media.

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