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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Keinohrhasen

Von Lena Stadelmann. Publiziert am 26. Dezember 2007

Zur Weihnachtszeit gibt es regelmäßig das Phänomen, das Kinofilme gar nicht kitschig genug sein können und vor allem „Romantic Comedies“, die bis zum Bersten mit Klischees gefüllt sind, ihre Hochzeit erleben. Erfrischend anders ist dagegen Keinohrhasen, der neueste Film von und mit Til Schweiger, den sich Lena Stadelmann angesehen hat.

Keinohrhasen
Liebeskomödie, Deutschland 2007. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. 115 Minuten.
Mit: Til Schweiger, Nora Tschirner, Matthias Schweighöfer, Alwara Höfels, Barbara Rudnik, Jürgen Vogel u.a. Regie: Til Schweiger.

Typisch deutsch, und das ist auch gut so!

Klatschreporter Ludo (Til Schweiger) ist mit seinem Fotografen Moritz (Matthias Schweighöfer) immer auf der Suche nach der besten und aktuellsten Story aus der Berliner High-Society. Bei dem Versuch, als einziger Reporter Wladimir Klitschkos Verlobung mit Yvonne Catterfeld zu dokumentieren, verursacht er jedoch einen derartigen Schaden, dass er zu 300 Stunden Sozialarbeit verurteilt wird. Die soll er in einem Kinderhort ableisten, in dem Anna (Nora Tschirner), eine Bekannte von Ludo aus Kindertagen, als Erzieherin arbeitet. Während Ludo Anna kaum noch kennt, erinnert sich diese noch an jede Demütigung, die ihr von Ludo und seiner Clique zugefügt wurde, und sieht die einmalige Chance zur Rache. Als sie jedoch sieht, wie rührend sich Ludo nach einem Unfall um seinen Neffen Lollo kümmert, nähern sich die beiden etwas an und es entwickelt sich eine (zunächst) platonische Freundschaft…

Anna (Nora Tschirner) sinnt auf Rache.

Liebeskomödien oder auch neudeutsch „Romantic Comedies“ bieten kaum Raum für Überraschungen. Am Anfang steht das wie auch immer geartete Kennenlernen, am Ende selbstverständlich das Happy End. Dazwischen zartes Anbandeln, große Leidenschaft, kurz vor dem Ende die totale Katastrophe mit Trennung und melancholischer Musik bis sich alle wieder auf- und zusammenrappeln. Normalerweise kann man sich schon nach dem Trailer die gesamte Handlung denken, so schien es auch bei Keinohrhasen zu sein. Doch Til Schweiger, der wie schon bei Barfuss das Drehbuch schrieb, Regie führte und produzierte, gelingt es, diesen schematischen Ablauf aufzulockern und alle Klischees gekonnt zu umschiffen.

Dazu tragen zum einen die Schauspieler bei: sowohl Til Schweiger (Barfuss, Wo ist Fred!?) als auch Nora Tschirner (Kebab Connection, FC Venus) haben so eine herrlich schnoddrige Art an sich, dass der Film überhaupt nicht kitschig werden kann. Obwohl es durchaus einige Szenen mit Kitsch-Potential gibt, wirken diese vor allem durch Tschirners natürliches und glaubwürdiges Spiel völlig authentisch. Die – mal wieder dem Schema folgend obligatorischen – Freunde der beiden Protagonisten sind mit Matthias Schweighöfer (Soloalbum) und Alwara Höfels herzerfrischend komisch besetzt und tragen viel zur entspannten Erzählweise des Films bei. Dazu gesellen sich in Nebenfiguren (!) Barbara Rudnik, Jürgen Vogel, Rick Kavanian und Christian Tramitz. Das Herz des Films sind jedoch die Kinder, darunter auch Schweigers eigene, allen voran die bezaubernde fünfjährige Emma, die (kleiner Seitenhieb auf Familie Ochsenknecht) die kleine Cheyenne-Blue spielt („Meine Mama ist Schauspielerin und die dürfen ihren Kindern keine normalen Namen geben“).

Neben den durchweg überzeugenden Schauspielerleistungen ist es vor allem der ständig präsente Witz, der Keinohrhasen vor Ausflügen in seichtere Gewässer schützt. Gleich der erste Gag (mit Jürgen Vogel, soviel sei verraten…) zündet sofort, ebenso wie alles im Zusammenhang mit BLATT, der wundervollen Persiflage auf die BILD-Zeitung, und den netten Seitenhieben auf die scheinheilige Volksmusik-Welt und kleinkarierte Taxifahrer.

Keinohrhasen erinnert nicht nur aber vor allem in der Farbgebung sehr an seinen Vorgänger Barfuss, der ebenfalls in warmen, erdigen Tönen gefilmt ist. Diese „Erdigkeit“ geht in beiden Filmen auf die Atmosphäre des Filmes über: er wirkt nie bemüht oder konstruiert, sondern warmherzig, ehrlich und echt. Somit kann man Til Schweiger schon nach zwei Regiearbeiten (eigentlich drei, aber Der Eisbär entspricht ja nicht gerade einer klassischen Liebeskomödie) eine markante Handschrift bescheinigen, die natürlich auch dem gleichen Kameramann, Cristof Wahl, zu verdanken ist und von der man nur zu gern mehr sehen würde.

Fazit: Ein rundum gelungener Film, den man sofort nach dem Abspann noch mal anschauen möchte! 9 von 10 Punkten.


Das Kriegsbeil begraben: Anna und Ludo.

Der Namensgeber des Films: Ludo (Til Schweiger) mit dem Keinohrhasen.

BLATT-Chefredakteur (Rick Kavanian) mit Moritz (Matthias Schweighöfer).

Liebenswerte Rasselbande.
Lena Stadelmann, 26. Dezember 2007. Bilder: Warner.

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