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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 19. Oktober 2019

Weiter im diesjährigen Horroctober, heute mit einem Film, der auch schon seit Langem auf meiner Watchlist steht. In “Elizabeth Harvest” heiratet eine junge Frau einen reichen Wissenschaftler, der ihr alles bietet. Nur ein Zimmer im gemeinsamen Haus ist tabu…

 

Leid und Herrlichkeit

Von Marius Joa. Publiziert am 28. Juli 2019

Mit dem kürzlichen Kinobesuch von Leid und Herrlichkeit habe ich das erste Mal einen Film von Pedro Almodóvar gesehen. Darin kämpft ein alternder Filmemacher mit diversen gesundheitlichen Problemen und einer andauernden kreativen Krise.

Leid und Herrlichkeit
(Dolor y Gloria)
Drama Spanien 2019. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. 114 Minuten. Kinostart: 25. Juli 2019.
Mit: Antonio Banderas, Penélope Cruz, Asier Etxeandia, Nora Navas, Asier Flores, César Vicente, Julieta Serrano u.v.a. Drehbuch und Regie: Pedro Almodóvar.

 

 

Schaffenskrise und Lebensmut

Salvador Mallo (Antonio Banderas) ist ein gefeierter Filmregisseur, nicht nur in seiner Heimat Spanien. Doch seit ein paar Jahren plagt ihn eine arge Schaffenskrise. Physische (wie chronische Rückenschmerzen, Migräne, Tinnitus) und psychische Leiden blockieren Salvador derart, dass er weder schreiben geschweige denn Filme inszenieren kann. Und so lebt der Filmemacher zurückgezogen in seiner teuer eingerichteten Wohnung. Die Aufführung einer digital restaurierten Fassung seines umjubelten Debütfilms Sabor nimmt Salvador allerdings zum Anlass, Kontakt zu seinem damaligen Hauptdarsteller und Vertrauten Alberto Crespo (Asier Etxeandia) aufzunehmen, mit dem er vor 32 Jahren im Streit auseinander ging. Die beiden Männer versöhnen sich und Alberto macht Salvador mit Heroin bekannt. Durch die Droge werden Erinnerungen Salvadors (Asier Flores) an seine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen mit seiner energischen Mutter Jacinta (Penélope Cruz) und Vater Venancio (Raúl Arévalo) wieder erweckt. Nach anfänglichem Zögern erlaubt Salvador Alberto einen autobiographischen Text als Ein-Personen-Stück auf die Bühne zu bringen…

Am 25. September diesen Jahres wird Pedro Almodóvar 70 Jahre alt. Der Spanier gilt als wichtigster Filmschaffender seiner Heimat und prägender Autorenfilmer Europas. Ich selbst hatte bisher keinen seiner Filme gesehen, wenngleich der ein oder andere Beitrag seines Werkes durchaus mein Interesse geweckt hat. Und so sichtete ich an einem internationalen Kinoabend mit einer Gruppe Spanier Almodóvars neuesten Film Leid und Herrlichkeit in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Almodóvar packt viele Themen und Motive wie kreative Schaffenskrise, chronische Krankheiten, Alter, Verlust, Homosexualität, Kindheitserinnerungen, Drogenkonsum sowie die magische Kraft des Kinos in die autobiographisch geprägte Geschichte seines Protagonisten. Dennoch wirkt Dolor y Gloria (so der Originaltitel) zu keiner Zeit überladen oder zu komplex. Aus meiner Sicht ist die gute inhaltiche Balance auf die Erzählweise zurückzuführen. Die Rückblenden auf Salvadors Kindheit werden auf organische Weise in die Haupthandlung eingebettet, bewusst ohne inszenatorische Unterschiede zwischen den beiden Erzählebenen. Durch diese Komposition scheint Leid und Herrlichkeit zumindest für mich etwas aus gängigen Strukturen der Filmdramaturgie auszubrechen. Die im besten Sinne unaufgeregte Bildsprache wird durch die Farbe rot dominiert, vor allem in vielen Kleidungsstücken der Figuren. Eine kuriose Animationssequenz illustriert die gesundheitlichen Probleme des Hauptcharakters.

Trotz der Schwermut des Hauptcharakters und dessen ernster gesundheitlicher Verfassung driftet der Film nie in Theatralik ab. Ganz im Gegenteil. In einer Szene erklärt Salvador Alberto, dass ein Schauspieler nicht weinen, sondern die Tränen zürückhalten müsse. Diese Aussage verdeutlicht auch die Herangehensweise an Emotionalität in Doloy y Gloria. Hauptdarsteller Antonio Banderas (der hier zum achten Mal mit Pedro Almodóvar zusammenarbeitet) spielt das Alter Ego des Regisseurs mit nüchterner, aber wirkungsvoller Zurückhaltung, was eine zunehmende Empathie von Zeiten des Zuschauer ermöglicht. Leid und Herrlichkeit ist sicherlich keine 1:1-Adaption von Almodóvars bisherigem Leben sondern davon inspirierte, altersweise und ambivalente Autofiktion.

Fazit: Pedro Almodóvar gelingt mit seiner 21. Regie-Arbeit ein leise-melancholisches, autobiographisch geprägtes Drama, das vor allem von seiner wunderschönen Erzählweise und dem zurückhaltenden Spiel von Hauptdarsteller Antonio Banderas lebt. 8 von 10 Punkten.

Familie Mallo zieht in eine Höhle

 

Salvador und Alberto


Marius Joa, 28. Juli 2019. Bilder: Studiocanal.

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