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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 17. Februar 2019

Vor 17 Jahren begann meine “Karriere” als Hobbyfilmkritiker mit der zugebenermaßen nicht sehr kritischen Rezension zu “Der Herr der Ringe: Die Gefährten”. Anlässlich einer Aufführung der “Extended Edition” im Kino habe ich mir diesen Film seit langem wieder einmal angesehen.

 

Paterson

Von Marius Joa. Publiziert am 9. November 2016

Wie sind eigentlich diese Menschen, welche den lieben langen Tag im Bus am Steuer sitzen? Regisseur Jim Jarmusch liefert mit seinem neuen Film Paterson eine mögliche Antwort auf jene Frage.

8-10Paterson
Tragikomödie USA, Deutschland, Frankreich 2016. FSK: ohne Altersbeschränkung. 123 Minuten. Kinostart: 17. November 2016.
Mit: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley, Rizwan Manji, William Jackson Harper, Chasten Harmon u.a. Drehbuch und Regie: Jim Jarmusch.

Paterson_Poster

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Die leise Poesie der Routine

Das Leben von Paterson (Adam Driver) verläuft in völlig geordneten Bahnen. Jeden Tag verrichtet der junge Mann seine Arbeit als Busfahrer für die Linie 23 durch seine Heimatstadt in New Jersey, die ebenfalls Paterson heißt. Anschließend kommt Paterson zu seiner lebenslustig-kreativen Gattin Laura (Golshifteh Farahani) nach Hause und führt nach dem Abendessen den gemeinsamen Hund Marvin Spazieren, bevor der Abend in Docs (Barry Shabaka Henley) Bar mit genau einem Bier ausklingt. Nur in seinen Arbeitspausen entflieht Paterson dieser Routine und schreibt Gedichte in sein Notizbuch…

Paterson_WegNach seinem eigenwilligen Vampirfilm Only Lovers Left Alive 2013 war der amerikanische Indie-Filmemacher Jim Jarmusch (Dead Man, Coffee & Cigarettes) beim diesjährigen Filmfestival von Cannes gleich mit zwei neuen Werken vertreten. Zum einen Gimme Danger, eine Doku über Iggy Popp und The Stooges, zum anderen Paterson, die fiktive Lebensgeschichte eines einfachen Mannes, der durch seinen Alltag zum Dichten inspiriert wird. Die überwiegend nicht gereimten Verse, welche der Titelheld niederschreibt und die auch im Film auf der Leinwand in Handschrift zu sehen sind, stammen von Jarmuschs Lieblingsdichter Ron Padgett, einem Poeten der New Yorker Schule. Als Vorbild des Protagonisten fungiert William Carlos Williams (1883-1963), der über seine Heimatstadt Paterson fünf Gedichtbände verfasste.

Die im Film gezeigte Woche (und folglich auch fast jede andere) im Leben des Busfahrer ist ziemlich gleichförmig und doch birgt diese Monotonie poetisches Potenzial. Paterson erlebt zwar im Grunde fast immer denselben Tagesablauf, aber im Gegensatz zur Zeitschleifen-Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) sind die einzelnen Tage nicht völlig gleich. Paterson schnappt Gespräche seiner Fahrgäste auf und tritt beim abendlichen Bier in der Kneipe auf unterschiedliche Menschen.

Paterson_SchlafenDiesen gleichmütigen, ruhigen und nachsichtigen Alltagshelden spielt Adam Driver (Star Wars: Das Erwachen der Macht, Girls) mit unfassbar effektivem Minimalismus. Als krasser Gegenpol fungiert Golshifteh Farahani als Patersons bessere Hälfte, die in ihrer Kreativität ungebremst scheint. Wände, Vorhänge und ihre eigenen Kleidungsstücke hat sie mit den von ihr innig geliebten Schwarzweiß-Mustern verziert und träumt außerdem als Bäckerin von (natürlich schwarz-weißen) Cupcakes oder Countrysängerin reich und berühmt zu werden. Unermüdlich bittet Laura ihren Gatten, er möge doch endlich Kopien seiner Verse aus dem Notizbuch machen. Hund Marvin, den sein Herrchen jeden Abend ausführt, komplettiert die kleine Familie und ist neben Laura für die humoristische Auflockerung zuständig. Die englische Bulldoge namens Nellie, welche Marvin verkörpert, wurde in Cannes posthum mit dem Palm Dog Award ausgezeichnet.

Über jenen einfachen und doch eigentümlichen Titelcharakter hätte es keinen anderen Film geben können. Die gleiche leise Passion, mit welcher Paterson seine auf den ersten Blick einfachen und anfangs etwas banal wirkenden Verse zusammenfügt, scheint auch den Regisseur anzutreiben. Die Inszenierung ist so angenehm ruhig und ausgeglichen, auch wenn sie vielleicht vordergründig eintönig wirkt. Doch die langen Kameraeinstellungen und die virtuos-träumerische Bildkomposition entwickeln einen eigentümlichen Sog. Der simplen, unmittelbaren Schönheit der Geschichte wohnt eine grundlegende Erkenntnis inne: jedes noch so einfache Leben ist voller unterschwelliger Geheimnisse und Poesie. Auch als Patersons Welt etwas aus den Fugen gerät, verfällt der Film nicht in Pathetik oder gar Effekthascherei und bleibt damit so wundervoll stimmig.

Am 17. November 2016 startet Paterson in den deutschen Kinos.

Fazit: Jim Jarmusch zelebriert in seinem neuen Film Paterson die Poesie des Alltags als entschleunigte, fast meditative Busfahrt mit gelegentlichen Hindernissen. 8 von 10 Punkten.

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Laura hat sich wieder kreativ ausgelebt
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Am Wasserfall

Marius Joa, 9. November 2016. Bilder: Weltkino

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