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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 10. April 2021

Tony McNamara, der Co-Autor des Oscar-gekrönten, herrlich überzeichneten Historienfilms “The Favourite” (2018) hat mit der gleichen Tonalität eine Serie für den US-Streaminganbieter Hulu geschaffen. “The Great” erzählt wie die spätere Katharina die Große (gespielt von Elle Fanning) als künftige Gemahlin des Zars an den russischen Hof kommt und einen echten Kulturschock erleben muss.

 

Performaniax

Von Marius Joa. Publiziert am 8. Dezember 2020

Eine junge Schauspielerin wird zur ihrer Überraschung in ein schräges Theaterensemble aufgenommen, welches sich der grenzüberschreitenden Kunst verschrieben hat. Ein merkwürdiger Trip für Protagonistin und Zuschauer zugleich.


Performaniax
Satire/Horror Deutschland 2019. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 76 Minuten.
Mit: Chiara Lüssow, Clara Giorgina Braun, Vanessa Grzybowski, Luisa Höfer, Sophie Riva, Imke Frieda Sander, Yasmin Saleh, Erhan Savas, Lasse Boje Haye Weber, Helena Krey, Sheila Enzelberger, Anna Behrmann, Jaimie Lee Krohn u.v.a. Regie: Lars Henriks. Drehbuch: Lars Henriks und Nisan Arikan. Nach einer Idee von Nisan Arikan.

 


“Kunst darf alles!”

Nachdem sie bei einem Vorsprechen versagt hat ist Emily (Chiara Lüssow) ernüchtert. Ihre Agentin Sybill (Clara Giorgina Braun) versucht die junge Schauspielerin mit potenziellen Rollen in Werbespots aufzumuntern. Doch Emily möchte etwas Bedeutendes schaffen und nicht nur Werbung machen. Als sie einem geheimnisvollen, androgynen Mädchen (Jaimie Lee Krohn) begegnet findet sich Emily plötzlich mitten im Casting für das Theaterprojekt Performaniax, welches sie ohne irgendetwas zu tun besteht und daher gleich in das Ensemble aufgenommen wird. Die trinkfeste Samira (Luisa Höfer) stellt Emily die anderen Mitglieder der Gruppe und deren Stationen vor. Performaniax steht nicht einfach nur für Theater, sondern hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Grenzen der Kunst auszuloten. Emily findet die ganze Sache allerdings komisch, vor allem weil sie aus den anderen Ensemblemitgliedern und der meist abwesenden Regisseurin Hanna (Yasmin Saleh) nicht so richtig schlau wird. Doch schon nach wenigen Tagen erhält sie die versprochene Gage…

Unter dem Label Obsessive Filmmakers haben Lars Kokemüller alias Lars Henriks und Nisan Arikan, beide 1991 geboren, bereits drei Filme als Produktionen mit geringem oder ohne Budget gemacht. Der neueste Streich der zwanghaften Cineasten ist Performaniax, welcher nach seiner Premiere auf dem Sanford International Film Festival im US-Bundesstaat Maine am 16. Oktober 2019 irgendwann im Laufe des Jahres 2020 als Stream bei Amazon erschien. Henriks (Regie, Drehbuch, Produktion, Tonmischung) und Arikan (Drehbuch, Produktion, Schnitt) inszenieren hier einen schrägen und surrealen Trip in die Welt eines Theaterensembles von Freaks und radikalen Kunstbegeisterten. Als hätte der berühmt-berüchtigte Theater-/Film-Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief (1960-2010) sein eigene Version von Dario Argentos Giallo-Klassiker Suspiria (1977) gedreht.

Obwohl wenig bis kein Geld vorhanden war (Das Budget betrug laut imdb.com 5.000 €) machen Henriks und Arikan das beste aus ihren begrenzten produktionstechnischen Möglichkeiten. Mit teils psychedelischer Farbgebung, surrealen Traumsequenzen und absurd-komischen Figuren wird in bodenständiger Weise die Welt des titelgebenden Theaterensembles erschaffen. Protagonistin Emily fungiert hier freilich als postmoderne Alice im Wunderland, die Greta – einer Mischung aus weißes Kaninchen und Grinsekatze – in den “Kaninchenbau” folgt. Diese motivische Verknüpfung zu Lewis Carrolls bekanntem Werk wird auch durch die Kapitelüberschriften bestätigt. Hier tummeln sich schräge Gestalten wie die ständig in einem Einhorn-Kostüm herumlaufende, fast kindliche Kira (Vanessa Grzybowski). Das Ensemble will mit tabubrechenden Aktionen zu den Themenbereichen Rassismus, Homophobie, Sexualität und Tod für Furore sorgen, denn wie Samira erklärt, dürfe Kunst alles.

Gedreht wurde Performaniax mit Absolventen des Bühnenstudios Hamburg, jener Schauspielschule, die auch Lars Henriks besucht hat. Die Dialoge wirken teilweise etwas gekünstelt oder hölzern, doch die Sprache passt wunderbar zum Theater-Setting. Der kurz vor Schluss noch forcierte Thrillerplot macht die ganze Geschichte leider erzählerisch etwas zu unrund, vor allem weil der ganze Film eben nur 76 Minuten dauert. Obwohl das Ende insgesamt stimmig wirkt.

Performaniax ist über Amazon Instant Video abrufbar.

Fazit: Kuriose Performancekunst-Satire in bodenständiger Low-Budget-Machart mit Giallo-Anleihen. 7 von 10 Punkten.

 


Marius Joa, 8. Dezember 2020. Bilder: Obsessive Filmmakers/Amazon.

 

 

 

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Rubrik Kino

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