Pumuckl und das große Missverständnis

Besonders heute sind Kinderfilme sind oft laut, hektisch und überfrachtet – immer bemüht, möglichst viele Reize in kurzer Zeit zu setzen. Wie schlägt sich da Pumuckl und das große Missverständnis, ein neuer Kinofilm rund um eine der bekanntesten deutschen Kinderfiguren, der bewusst einen ruhigeren, klassischen Weg einschlägt?

Pumuckl und das große Missverständnis
Familienfilm, Deutschland, 2025
FSK: ab 0 Jahren
Länge: ca. 98 Minuten
Mit: Florian Brückner, Maximilian Schafroth (Stimme Pumuckl), Matthias Bundschuh, Gisela Schneeberger, Franziska Wanninger, Robert Palfrader
Regie: Marcus H. Rosenmüller

Der Kobold Pumuckl lebt wieder mitten im Münchner Hinterhof bei seinem Schreinermeister – diesmal nicht Meister Eder selbst, sondern dessen Neffe Florian Eder, der die Werkstatt des legendären Vorgängers weiterführt. Ein scheinbar unaufgeregter Frühling beginnt bunt: Eine zugelaufene Schildkröte, ein drängelnder Operndirigent und schließlich eine Einladung aufs Land zu einer alten Lehrmeister-Werkstatt sorgen für allerlei Wirrwarr. Auf dem Land gilt es, einen maroden Maibaum-Karussell-Antrieb zu retten, Dorftraditionen zu ehren und Freundschaft zu definieren. Als Pumuckl glaubt, Florian wolle dort für immer bleiben, wächst das zwischen den beiden ein großes Missverständnis.

Mit Pumuckl und das große Missverständnis gelingt ein Kinderfilm, der angenehm aus der Zeit gefallen wirkt – und genau daraus seine Stärke zieht. Statt auf permanente Action, grelle Farben oder überdrehten Humor zu setzen, vertraut der Film auf Sympathie und eine klare, einfache Erzählung. Das Ergebnis ist ein warmherziger Familienfilm, der Kinder ernst nimmt und Erwachsene nicht ausschließt.

Visuell präsentiert sich der Film liebevoll. München, die Werkstatt und die ländlichen Schauplätze sind toll gefilmt. Die Kamera drängt sich nie in den Vordergrund, sondern unterstützt die Geschichte mit ruhigen Bildern und einer angenehmen Atmosphäre. Genau diese Unaufgeregtheit sorgt dafür, dass sich der Film wohltuend von vielen zeitgenössischen Kinderproduktionen abhebt.

Im Mittelpunkt steht erneut die Beziehung zwischen Pumuckl und seinem Schreinermeister – diesmal Florian Eder. Das titelgebende Missverständnis ist bewusst klein gehalten, wirkt menschlich und nachvollziehbar. Der Film braucht keine großen Gegenspieler oder künstlich aufgeblasenen Konflikte. Stattdessen geht es um Vertrauen, Freundschaft und die Angst, verlassen zu werden – Themen, die generationsübergreifend funktionieren.

Besonders gelungen ist der respektvolle Umgang mit der langen Geschichte der Figur. Pumuckl wurde in den 1960er-Jahren von Ellis Kaut erschaffen und wurde durch die Fernsehserie mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder und der Stimme von Hans Clarin zur Legende. Der neue Kinofilm versucht nicht, dieses Erbe krampfhaft zu modernisieren oder zu kopieren, sondern führt es behutsam fort. Mit Maximilian Schafroth erhält Pumuckl eine neue Stimme, die den Ton des Originals respektiert, ohne bloße Imitation zu sein. Per Künstlicher Intelligenz wird sie der von Hans Clarin angeglichen.

Kritikpunkte? Wer einen schnellen, spektakulären Kinderfilm erwartet, könnte Pumuckl und das große Missverständnis vielleicht als zu brav empfinden. Obwohl die Figur des Kobolds gerade das ja nie war. Doch genau das ist Teil des Konzepts – und passt hervorragend zur Figur und ihrem Kosmos.

Fazit: Pumuckl und das große Missverständnis ist ein wunderbarer Film für Kinder, funktioniert aber ebenso gut für Erwachsene. Unaufgeregt, schön gefilmt und durchweg sympathisch zeigt der Film, dass gute Kinderunterhaltung keine Dauerbeschallung braucht. Im Vergleich zu vielen heutigen Genrevertretern sticht Pumuckl gerade durch seine Einfachheit positiv hervor. Eine liebevolle Rückkehr einer Kultfigur, die ihre Wurzeln kennt und dennoch im Hier und Jetzt ankommt. 8 von 10 Punkten.

Johannes Michel, 16. Januar 2026. Bilder: Constantin Film Distribution/Neue Super/Bernd Schuller


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