The Day After Tomorrow

Actionthriller, USA 2004, 123 Minuten, FSK ab 12
Mit: Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal, Emmy Rossum, Dash Mihok, Jay O. Sanders, Sela Ward, Austin Nichols, Arjay Smith, Tamlyn Tomita, u.a.; Regie: Roland Emmerich

„Verbrennt nicht Nietzsche, sondern unser Steuerrecht“

Weil die Welt jahrelang nicht auf Leute wie den Paläoklimatologen Adrian Hall (Dennis Quaid) und die beständigen Warnungen vor den dramatischen Folgen einer globalen Erwärmung hören wollte, peitschen nun Wetterkatastrophen und die Vorboten einer neuen Eiszeit mit Macht auf die angstschlotternde Menschheit hernieder. Statt wie alle anderen gen Süden zu fliehen, macht sich Hall auf nach New York, um seinen Sohn Sam (Jake Gyllenhaal) aus dem verschneiten New York zu bergen und, falls möglich, einen Ausweg aus dem Desaster aufzuzeigen.

Endzeit- beziehungsweise Katastrophenfilme sind die Spezialität von Roland Emmerich. Jeder wird sich noch daran erinnern, wie er ein „Independence Day“ Aliens auf die Erde schickte, um die Menschheit auszulöschen. Diesmal ist die Katastrophe aber nicht extraterrestrisch, sondern hausgemacht. Kein Politiker nimmt die Ansprachen von Klimatologe Hall wahr, der seine Eiszeit allerdings frühestens in etwa einhundert Jahren prophezeit. Das die Katastrophe dann doch viel schneller als erwartet eintrifft – damit hatte selbst er nicht rechnen können. Besonders negativ dargestellt wird die US-Regierung, vertreten durch den Vizepräsidenten, der wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellt und die Kosten für den Klimaschutz als unbezahlbar darstellt.

„The day after tomorrow“ weist die typischen Stärken und Schwächen eines Hollywood-Actionspektakels auf. Die Effekte sind erstklassig, die Schauspieler wirken überzeugend – insbesondere Dennis Quaid in der Rolle des Adrian Hall. Die auf New York zurasende Flutwelle reist den Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes mit, die Soundeffekte unterstreichen die aufkommende Stimmung sehr gut. Dem entgegen stehen aber viele konstruierte Szene und unlogische Vorkommnisse. Beispiel: Sam und seine Freunde verschanzen sich vor der Flutwelle in der New Yorker Stadtbibliothek. Wie aus heiterem Himmel fährt plötzlich ein Ozeankreuzer quer durch die breiten Straßen der Stadt und macht in der Nähe der Bibliothek halt. Auf der Suche nach Verpflegung begeben sich die Freunde auf das Schiff – mit Taschenlampen. Woher haben sie diese? Auf dem Schiff befindet sich keine Besatzung, weder tot (also erfroren, da die Eiszeit am Aufkommen ist) noch lebendig. Wo ist diese hingekommen?

Dennoch: Wer einen netten Kinoabend verbringen möchte und gleichzeitig etwas ernsthaftere Unterhaltung schätzt, der sollte sich Roland Emmerichs neuestes Werk unbedingt anschauen. Schon allein wegen eines Spruches: In der Bibliothek beginnen die Freunde, Bücher zu verbrennen, um sich warmzuhalten. Dabei stoßen sie auf ein Werk Nietzsches. Während sich der eine weigert, es zu verbrennen, sucht ein anderer weitere Bücher und meint dann: „Hier unten steht unser Steuerrecht. Das können wir verbrennen.“ – sicher eine sinnvolle Tat. Zu Recht wird deutliche Kritik an der Regierung geübt, die falsch und vor allem viel zu spät reagiert.

Daher: 8/10 Punkten (inklusive speziellem „Roland-Emmerich-Bonus“).

Johannes Michel, 06. Juni 2004


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Kommentare

Eine Antwort zu „The Day After Tomorrow“

  1. […] bewarben, entschied man sich für die wenig bekannte damals 16jährige Emmy Rossum (“The Day After Tomorrow“), wohl weil sie seit frühester Kindheit eine Gesangsausbildung an der Metropolitan Opera in […]

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