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Von Marius Joa. Publiziert am 11. Juli 2018

Bei den allgegenwärtigen Debatten um Migration und Integration zeigt ein kleiner Film von der Grünen Insel, dass alles vielleicht doch nicht immer so kompliziert sein muss: “Halaleluja – Iren sind menschlich”.

 

Tsotsi

Von Johannes Michel. Publiziert am 15. Juni 2006

Der diesjährige Preisträger des Auslandsoscars hat es natürlich verdient, von Vieraugen Kino besprochen zu werden. Wir waren – nach langer Wartezeit – im Kino und sahen “Tsotsi”. Lesen Sie nachfolgend, ob er die „Vorschusslorbeeren“ auch verdient hat.

Drama, Südafrika/Großbritannien 2005. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 94 Minuten.
Mit: Presley Chweneyagae, Terry Pheto, Kenneth Nkosi, Mothusi Magano, Zenzo Ngqobe, Zola, Rapulana Seiphemo u.v.a. Regie: Gavin Hood.

Für einen Oscar-prämierten Film nicht gerade überragend

In einem Getto am Rand von Johannesburg lebt der 19-jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) in den Tag hinein. Der Anführer einer kleinen Gangsterbande ist der coole und für seine Brutalität gefürchtete Held des Viertels. Eines Abends sieht er sich drastisch mit den Folgen seiner Gewalttätigkeit konfrontiert: In einem noblen Vorort schießt er auf eine Frau, stiehlt deren Auto und flüchtet, als er plötzlich auf dem Rücksitz ein neugeborenes Baby entdeckt. Vor Schreck baut er einen Unfall und muss seine Flucht zu Fuß fortsetzen. Er könnte das schreiende Kind allein in dem Wrack zurück lassen, doch etwas in ihm sperrt sich dagegen. Also steckt er es in eine Papiertüte und nimmt es mit in seine Welt.

Im Getto übernachten Kinder in zu Schlafplätzen umfunktionierten Kanalrohren.

Obwohl “Tsotsi” 2006 den Auslandsoscar in Los Angeles gewonnen hatte, hielten es viele Kinobetreiber nicht für notwendig, ihn auch zu zeigen. So mussten wir ganze zwei Monate warten, bis endlich ein kleines Programmkino in unserer Nähe den Film auf die Leinwand brachte.

Schonungslos, aber zum Teil auch verherrlichend, zeigt “Tsotsi” die Unterschiede zwischen Arm und Reich in der Stadt Johannesburg. Während die Kinder in den Armenvierteln in von einer Baufirma zurück gelassenen Kanalrohren übernachten müssen, sind die Straßen der Reichen nachts hell erleuchtet. Sie besitzen große Autos und wohnen in exklusiven Villen. Klar: In den Armenvierteln wird mit Sicherheit auch ein ganz normales Leben gelebt, dennoch wird hier äußerst beschönigt – sei es bezüglich der Kleidung oder der Unterkünfte.

Protagonist Tsotsi lässt zwar das Kind nicht auf dem Autositz zurück, könnte aber viel schneller reagieren. Er macht eine Entwicklung durch, allerdings bricht der Film in dem Moment ab, wo der Zuschauer erfahren würde, ob diese auch von Erfolg gekrönt ist – ein offener Schluss sozusagen. Und das nach nur 94 Minuten, da wäre durchaus noch Luft für mehr gewesen. Das vollkommen unbekannte Schauspielerteam hingegen liefert eine sehr gute Leistung ab, auch die beeindruckend gefilmten Aufnahmen der Armenviertel und der sie umgebenden „Natur“ überzeugen.

Auch wenn “Tsotsi” eine brisante Thematik aufweist, muss doch die Frage gestellt werden, ob die Oscar-Akademie in diesem Jahr die prämierten Filme wirklich gesehen hat. “Tsotsi” ist, genauso wie “Brokeback Mountain“, ein äußerst problematischer Film. Einen Oscar hat er nicht unbedingt verdient – für die Thematik sicherlich, allerdings nicht für die Umsetzung. Und darauf kommt es bei einem Kinofilm letztendlich an.

Fazit: 6 von 10 Punkten. Hier wäre mehr drin gewesen.


Kontrastprogramm: Das Kinderzimmer des Babys, welches Tsotsi zufällig entführt.
Johannes Michel, 15. Juni 2006. Inhaltszusammenfassung und Bilder: Kinowelt.

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