Am Ende das Licht

Mit seinem Near-Future-Drama Am Ende das Licht, das bei den Eröffnungstagen des Antikyno in Hamburg-Harburg gezeigt wurde, wirft Regisseur Robert von Wroblewsky einen Blick in die düstere Zukunft in Zeiten des Klimawandels.

Am Ende das Licht
Endzeit-Drama Deutschland 2023. 87 Minuten.
Mit: Katharina Löwe, Johanna Meinhard, Rosa Henriette Löwe, Katharina Hollstein, Max Haase, Sabine Ritter, Timothée Dumont u.v.a. Drehbuch und Regie: Robert von Wroblewsky.



Endzeit in Deutschland

Eine psychisch kranke Frau (Katharina Löwe) lebt mit ihrer achtjährigen Tochter (Rosa Henriette Löwe) in einem abgelegenen Haus am Waldrand. Im Angesicht des kaum mehr aufzuhaltenden, menschengemachten Klimawandels hat sich die junge Mutter einer Sekte angeschlossen und hofft mit radikalen Mitteln ihrer Tochter doch noch eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Jahre später ist die Tochter (nun: Johanna Meinhard) selbst erwachsen und Teil einer radikalen Gruppe von Ökoterroristen, welche ältere Menschen tötet, mit der Begründung, dass diese in der Vergangenheit nichts gegen die Umweltzerstörung getan hätten. Als die Gruppe den Auftrag erhält, mit einem Anschlag nicht nur einzelne, alte Leute zu töten, häufen sich die Zweifel der Tochter…

Robert von Wroblewsky (geboren 1982) arbeitet seit den späten 1990ern in diversen Funktionen bei Film und Fernsehen. Neben seinem Hauptjob als technical director bei einem Streamingdienst hat der Berliner etwa den Kurzfilm Die Zukunft des Films?! (2009) und gemeinsam mit Matthias Kubusch den Jugendfilm Zeit läuft (2019) inszeniert. Sein neuestes abendfüllendes Werk Am Ende das Licht wurde am letzten Tag (23. April 2023) der Opening Days des Antikyno von Nisan Arikan und Lars Henriks gezeigt und erforscht vor allem die Folgen des Klimawandels auf die menschliche Psyche.

Wenn man sich das Weltgeschehen so ansieht, erscheint es derzeit nicht wahrscheinlich, dass die Menschheit den Klimawandel, für welchen sie selbst verantwortlich ist, wirklich aufhalten kann. Dafür wurde in den letzten Jahrzehnten einfach zu wenig getan. Doch wie wird der fortschreitende Klimawandel sich auf das Leben der Menschen, vor allem ihre Psyche auswirken? Diese Frage rückt Regisseur und Drehbuchautor Robert von Wroblewsky im vorliegenden Film in den Mittelpunkt und erschafft dabei ein bedrückendes Near-Future-Drama.

Die Geschichte wird aus der Perspektive zweier nicht namentlich benannter Frauen erzählt. Die psychisch kranke Mutter sucht ihr Seelenheil bei einer Sekte, welche die Sonne anbetet. Das schlechte Gewissen darüber, dass sie ihrer Tochter keine bessere Welt hinterlassen kann, sowie die Hoffnung, diese Situation vielleicht noch zu verbessern, treibt die Mutter zu radikalen Taten. Ihre Tochter ist dabei meist auf sich allein gestellt und kann mit ihren acht Jahren natürlich nicht alles verstehen. Die Distanz zwischen Mutter und Tochter wird auch dadurch veranschaulicht, dass es fast keine Gespräche zwischen den beiden gibt. Als erwachsene Frau ist die Tochter dann selbst Teil einer Gruppe radikaler Ökoterroristen.     

Das Drehbuch arbeitet geschickt mit Auslassungen und verschränkt die beiden Zeitebenen gekonnt miteinander, so dass die Story am Ende überaus rund wirkt. Wie Regisseur Robert Wroblewsky, bei der Vorführung im Antikyno mit Kameramann Alexander Aehlig und Kostümbildnerin Leonie Albert anwesend, erklärte, sei der Film ohne Budget entstanden. Eine erstaunliche Leistung. Durch die Reduzierung des Settings auf wenige Schauplätze und Figuren merkt man das dem fertigen Werk überhaupt nicht an. Die zwischenzeitlich eingestreuten postapokalyptischen Bilder von Naturkatastrophen und verheerender Umweltzerstörung entstammen Nachrichten und Doku-Archiven unserer Gegenwart.  

In welchem Jahr sich die Handlung abspielt bleibt unerwähnt, doch die Tatsache, dass es die gezeigte Zukunft nicht allzu fern ist sowie die dystopischen Elemente machen Am Ende das Licht zu einem schwer verdaulichen Stück Kino mit bedrückender Atmosphäre. Das starke Schauspieler-Ensemble wird von Katharina Löwe und Johanna Meinhard angeführt. Mit Floriane Daniel (WaPo Bodensee), Pierre Sanoussi-Bliss (Der Alte [1997-2015], Bin ich schön?) und Matthias Freihof (Coming Out [1989], Operation Walküre) sind drei durchaus bekannte Darsteller in kleinen Rollen zu sehen.

Am Ende das Licht lief bereits auf Festivals in Berlin, Prag, Palm Beach und Los Angeles. Einen offiziellen deutschen Kino- oder Heimkino-Start gibt es bisher aber leider noch nicht. HIER kann mann sich den Trailer ansehen.

Fazit: Ernüchterndes Endzeit-Drama über die (psychischen) Folgen des Klimawandels, in welchem die Einzelschicksale zweier Frauen parallel erzählt werden. 8 von 10 Punkten.



Marius Joa, 24. Mai 2023. Bild: Pavlov Pictures/Alex Productions.


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