Chatroom

Vor allem junge Menschen organisieren ihr persönliches Umfeld verstärkt in sozialen Netzwerken, mit entsprechenden Vor- und Nachteilen. Mit den Schattenseiten eines Chats setzt sich der Japaner Hideo Nakata (Ring) in Chatroom auseinander.

 

 

7-10Chatroom
Jugend-Drama/Thriller UK 2010. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 93 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Aaron Johnson, Imogen Poots, Matthew Beard, Hannah Murray, Daniel Kaluuya, Megan Dodds, Michelle Fairley u.v.a. Regie: Hideo Nakata. Drehbuch: Enda Walsh. Nach seinem Theaterstück.

Chatroom_DVD

 

Netzwerk der sozialen Störungen

William (Aaron Johnson) eröffnet in einem Internetchat einen neuen Chatroom namens „Chelsea Teens“. Schon bald trifft er dort auf vier weitere Jugendliche: das junge Model Eva (Imogen Poots), den depressiven Jim (Matthew Beard), die schüchterne Emily (Hannah Murray) und Mo (Daniel Kaluuya). William bringt die Gruppe dazu, sich gegenseitig von den eigenen Problemen zu erzählen und präsentiert seinen neuen Freunden Auswege aus ihrer jeweiligen Lage. Doch insgeheim führt er nichts Gutes im Schilde und hat es vor allem auf den labilen Jim abgesehen…

Chatroom_Chatroom Im Chatroom

Mit einem Genre kennt sich der japanische Regisseur und Drehbuchautor Hideo Nakata besonders gut aus: Horror. Neben dem Originalfilm Ring inszenierte und schrieb der 51jährige auch dessen Fortsetzung sowie die des Remakes, The Ring 2. Doch auch abseits des Nippon-Gruselfilms hat Nakata etwas zu bieten. In Chatroom lässt er fünf Teenager in einem (für den Zuschauer) fleischgewordenen Chatraum einander begegnen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des irischen Dramatikers Enda Walsh, der auch das Drehbuch verfasste.

Den Titel gebenden Chatroom als einen visuell erfassbaren, wenn auch im Endeffekt virtuellen, Raum zu kreieren, erweist sich als wirkungsvoller Kniff der Inszenierung. Denn das „Abfilmen“ der Chatprotokolle und das ständige Hin- und Herwechseln von einem User zum anderen wäre sicherlich langweilig und zu anstrengend gewesen. So treffen sich die fünf Teenager in einem zwar, was Möbel betrifft, spartanischen, aber durchaus prunkvoll ausgestatteten Zimmer. Auch in die weiteren virtuellen Räumlichkeiten wird hier und da ein Blick riskiert.

Was Nakata den Zuschauern hier liefert ist ein zynisch-kritischer Blick in die dunkle Welt des Online-Chats, der neben dem Hauptplot sich auch weiteren kurz angerissenen Themen widmet. So fährt die Kamera in einer Szene durch mehrere Separées und entlarvt die Scheinidentitäten und Tabulosigkeit so mancher User. Die verstörenden Schattenseiten der Onlinewelt präsentiert der Film in ungeschönten, drastischen Szenen. Auffällig auch die farbliche Gegenüberstellung. Die reale Welt ist trist und grau, die virtuelle bunt und vordergründig fröhlich.

Im Verlauf der Handlung konzentriert sich Chatroom immer mehr auf die Beziehung von William zum psychisch angeschlagenen Jim und deren dramatische Folgen. Das mag dramaturgisch Sinn mache, führt aber auch dazu, dass die weiteren „Hauptcharaktere“ vernachlässigt werden. Vor allem die Geschichte um die brave Emily, die mit unlauteren Mitteln um die Aufmerksam ihrer Eltern kämpft, wird nur kurz angerissen und anschließend wieder fallen gelassen. Bei dem vorhandenen Figurenpotenzial ist das sehr schade.

Neben Hannah Murray als Emily sind mit Michelle Fairley als Jims Mutter und Richard Madden als Williams Bruder prominente Darsteller aus der Fantasyserie Game Of Thrones in kleinen Rollen zu sehen.

Fazit: Verstörendes Jugenddrama, das die Schattenseiten der „schönen neuen“ Onlinewelt mit drastischen Mitteln zeigt und keinesfalls beschönigt. 7 von 10 Punkten.

 

Chatroom_William
Was führt William im Schilde?
Chatroom_Eva
Eva im Chat

 

 

Marius Joa, 14. April 2013. Bilder: Universum Film.


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