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Von Marius Joa. Publiziert am 7. November 2019

Jetzt wo sich der Staub gelegt hat, wird es Zeit für meine ausführliche Kritik zur finalen Staffel von “Game of Thrones”, der TV-Adaption von George R.R. Martins Fantasy-Saga “Das Lied von Eis und Feuer”.

 

Game Of Thrones – Staffel 2

Von Marius Joa. Publiziert am 18. November 2012

Bereits nach der Ausstrahlung einer Folge gab HBO grünes Licht für eine zweite Staffel der hochwertigen und preisgekrönten Fantasy-Serie Game Of Thrones, die auf der Romanreihe des US-Autors George R. R. Martin basiert. In Season 2 nimmt der Kampf um Westeros größere Ausmaße an.

 

 

Game Of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer (Game Of Thrones)
Fantasy/Drama-Serie USA 2012. 10 Folgen. Gesamtlänge: ca. 550 Minuten.
Mit: Peter Dinklage, Lena Headey, Nikolaj Coster-Waldau, Michelle Fairley, Emilia Clarke, Iain Glen, Aidan Gillen, Kit Harington, Charles Dance, Liam Cunningham, Isaac Hempstead-Wright, Richard Madden, Sophie Turner, Maisie Williams, Alfie Allen, Jack Gleeson, John Bradley, Rory McCann, Stephen Dillane, Carice van Houten, James Cosmo, Jerome Flynn, Conleth Hill, Sibel Kekilli, Natalie Dormer u.v.a. Nach der Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin. Adaption: David Benioff und D. B. Weiss.

 

Der Krieg ist schon längst da

Der Tod von König Robert Baratheon und die darauf folgenden Intrigen, die vorläufig in der Hinrichtung von dessen Vertrauten Lord Eddard Stark als vermeintlichem Verräter gipfelten, haben in den Sieben Königslanden von Westeros endgültig zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen geführt. Während die beiden verbliebenen Baratheon-Brüder Stannis (Stephen Dillane) und Renly (Gethin Anthony) sich um die Rechtmäßigkeit ihres jeweiligen Anspruchs streiten, sitzt mit ihrem vermeintlichen Neffen Joffrey (Jack Gleeson) ein sadistischer Soziopath auf dem Thron, dem selbst seine Mutter, die königliche Regentin Cersei (Lena Headey) wenig Paroli zu bieten vermag. Da der eigentlich zur neuen Hand des Königs bestimmte Lannister-Patriarch Tywin (Charles Dance) sich im Krieg mit Robb Stark (Richard Madden), dem „König des Nordens“, befindet, übernimmt vorübergehend der „Gnom“ Tyrion Lannister (Peter Dinklage) die seinem Vater übertragenen Amtsgeschäfte in der Hauptstadt King’s Landing, sehr zum Unmut seiner Schwester Cersei. Deren Zwillingsbruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) befindet sich unterdessen noch in der Gefangenschaft der Starks. Während Lady Catelyn (Michelle Fairley) als Unterhändlerin für die Sache ihres Sohnes bei den Baratheons Klinken putzen geht, steht es mit ihren beiden Töchtern Sansa (Sophie Turner) und Arya (Maisie Williams) sicherlich nicht zum Besten. Erstere ist am Königshof den Launen des verwöhnten Tyrannenbengels ausgesetzt und letztere befindet sich, als Junge verkleidet, mit einem Trupp Verbrecher und Ausgestoßener auf dem Weg zur Mauer.

 Joffrey

Für eine Expedition jenseits der Mauer mit dem Großteil der Nachtwache hat sich Lord Commander Mormont (James Cosmo) entschieden. Auf ihrem Weg in der eisigen Kälte fernab des Eiswalls treffen Jon Snow (Kit Harington), Samwell Tarly (John Bradley) und Co. auf Wildlinge und andere unangenehme Zeitgenossen. Auf dem Kontinent Essos im Osten hat Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) nicht nur ihren Ehemann, den Reiterfürsten Khal Drogo, an Wundfieber und schwarze Magie verloren, sondern auch die meisten Krieger seines Gefolges. Mit einer Handvoll Getreuer um Ser Jorah Mormont (Iain Glen) und drei frisch den Eiern entschlüpften Drachen im Schlepptau zieht Dany zur geheimnisvollen Stadt Quarth, um dort weitere Unterstützung für die „Rückgewinnung“ des Eisernen Thrones zu gewinnen.

Wie es politisch aussieht auf dem Kontinent Westeros, dürfte klar sein. „War is Coming“ steht auf dem Staffelposter. Doch der Bürgerkrieg ist schon längst da und droht sich auszuweiten. Im Westen gelingen Robb Stark, dem König des Nordens, immer wieder kleine Siege gegen die große Lannister-Armee von Lord Tywin. Im Süden droht ein Bruderkrieg der Baratheons. Und auch die große Patrouille der Nachtwache wird jenseits der Mauer bald auf Widerstand treffen, seien es Wildlinge oder finstere Kreaturen des Eises. Die Situation ist also gemäß Titel der Buchreihe eisiger und hitziger (feuriger).

 Ratssitzung

Dabei waren Zuschauer und Kritiker schon von der ersten Folge von Game Of Thrones Feuer und Flamme für die ersten zehn Episoden der Serienverfilmung von George R. R. Martins Romanreihe namens Das Lied von Eis und Feuer. Mit der ersten Season gelang den Machern um die beiden Showrunner, ausführenden Produzenten und Hauptautoren David Benioff (Troja) und D. B. Weiss eine nahezu perfekte Adaption des ersten Bandes (und mehr), die sowohl werkgetreu als auch für Nichtbuchkenner zugänglich und verständlich war. Die zweite Staffel war schon beschlossene Sache , nachdem der produzierende Pay-TV-Sender HBO die hervorragenden US-Zuschauerzahlen der ersten Folge erfuhr und von Juli bis November 2011 wurde dann in Nordirland, Kroatien (anstelle von Malta) und auf Island (!) weitere zehn Folgen gedreht, die am 1. April 2012 (ziemlich genau ein Jahr nach der Serienpremiere) in den USA starteten und am 23. Mai auch im deutschen Bezahlfernsehen (bei Sky Atlantic HD) ihre Erstausstrahlung begannen.

Mal ehrlich. Bei all den glatt gebügelten und massiv redundanten Fantasy-, Sci-Fi-, Action- und anderen Genre-Blockbustern, die wenig kreativ und neuartig sind, kann man hochwertiges Storytelling auf der großen Leinwand heute kaum noch erwarten. Deshalb hat sich schon seit einigen Jahren das (amerikanische) Bezahlfernsehen als Refugium für anspruchsvolles, filmisches bzw. serielles Erzählen etabliert. Höhepunkt dieser vor allem bei HBO voran getriebenen Entwicklung ist seit 2011 Game Of Thrones.

Für das im Vergleich zu Kinofilmen eher mittelprächtige und doch hohe Budget von 60 Millionen US-Dollar boten die ersten zehn Folgen ein beeindruckendes Ergebnis bei Sets, Kostümen, Requisiten und der Bildqualität. Lediglich bei den visuellen Computereffekten musste man hier und da kleine Abstriche machen. Staffel zwei erhielt eine Etaterhöhung um 12 Prozent, die fast ausschließlich für die Schlacht am Blackwater in der gleichnamigen neunten Episode verwendet wurde. Insgesamt zeigen sich die im Rechner künstlich erzeugten Bilder, die u.a. von der deutschen Effekte-Firma Pixomondo (Oscar für die visuellen Effekte von Hugo Cabret) stammen, recht stark verbessert. Generell bilden die Schlachtszenen um King’s Landing in der neunten Folge den inszenatorischen Höhepunkt der Saison. Regie führte hier der Brite Neil Marshall (Doomsday, Centurion), das Drehbuch zu dieser Episode schrieb George R. R. Martin selbst.

Gewohnt erstklassig ist in der zweiten Staffel auch wieder die Musik des deutsch-iranischen Komponisten Ramin Djawadi, dem es vor allem gelingt die vorhandenen Themen wirkungsvoll zu variieren. Im Abspann der neunten Folge und auch auf der Soundtrack-CD kann man mit „The Rains Of Castamere“ von der Indie-Rockband The National eine Vertonung des mehrfach erwähnten gleichnamigen „Trink-Liedes“ aus den Romanen hören.

 Blackwater

Trotz der prominenten Abgänge von Headliner Sean Bean (Ned Stark) sowie Mark Addy (König Robert), Harry Lloyd (Viserys) und Jason Momoa (Khal Drogo) wird der Mimen-Aderlass mehr als gut verkraftet. Neuzugänge sind Stephen Dillane (The Hours, King Arthur ) als Stannis Baratheon, Liam Cunningham (Kampf der Titanen, 2010) als dessen Gefolgsmann Ser Davos Seaworth, Carice van Houten (Operation Walküre) als mystische Priesterin Melisandre, Natalie Dormer (Die Tudors) als Margaery Tyrell, Ehefrau von Renly Baratheon und Schwester von Loras Tyrell sowie die hünenhafte Gwendoline Christie als Kriegerin Brienne. Einige weitere „Gastdarsteller“ aus Season 1 wurden nun zu Hauptakteuren befördert, was dazu führt, dass bis zu 25 Namen den Vorspann zieren. Durch die Erweiterung des Ensembles erhöht sich die Quantität der Schauspiel-Kunst. Vor allem die Kinder-Darsteller beweisen einmal mehr, das sie nicht nur mit den Routiniers mithalten, sondern auch ihre Rollen mehr als grandios meistern können, seien es Maisie Williams als flüchtige Arya Stark (vor allem in den Szenen mit Charles Dance, ganz großes Schauspiel-Kino!), Isaac Hempstead-Wright als verkrüppelter Bran Stark oder Jack Gleeson als sadistischster König Joffrey. Lena Headey kann sich als Regentin Cersei Lannister hier mehr in den Vordergrund spielen und brilliert in Blackwater, als ihre Figur die Kontrolle zu verlieren droht. Neuer „Frontmann“ ist der zu Recht mit Emmy und Golden Globe ausgezeichnete Peter Dinklage als Publikumsliebling Tyrion Lannister, der in Staffel zwei in jeder Folge zu sehen ist und wohl auch die meisten Screentime aller Figuren hat. Dinklage glänzt vor allem in den Szenen mit Jerome Flynn (Bronn) und Conleth Hill (Varys) bzw. wenn er Intrigen spinnt und seine Widersacher ausmanövriert. Ebenfalls noch zu erwähnen ist die eindringliche Performance von Alfie Allen als Theon Greyjoy, der zwischen seiner leiblichen und seiner Adoptiv-Familie hin und her gerissen ist.

 Brienne

War die Welt von Westeros bisher noch in der Serie recht überschaubar, so vergrößert sich der Fokus der Geschichte immer mehr. Somit stiegen auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen für die Drehbuchautoren um David Benioff und D. B. Weiss bei der zweiten Staffel. Dank effektiver Maßnahmen, wie die Streichung nicht unbedingt notwendiger Charaktere und die Raffung des Geschehens ist Ihnen trotz der Komplexität der Vorlage (erneut) eine sehr gute Adaption gelungen. Zwar hat man in Season zwei bisweilen das Gefühl, dass Daenerys Targaryen und Jon Snow wenig zu tun haben, aber dies fällt nicht allzu sehr ins Gewicht. Von den diversen Änderungen wirkt lediglich eine unnötig und störend: Robb Stark verliebt sich hier in eine zur emanzipierten, selbstlosen Krankenschwester (!) gereiften Adelige aus Volantis, einer Stadt auf dem östlichen Kontinent. Diese Figur namens Talisa wurde für die Serie erfunden und wirkt im Kontext von Martins mittelalterlicher Welt äußerst deplatziert und unglaubwürdig. Es bleibt abzuwarten wie dieser Handlungsstrang noch aufgelöst wird. Talisa wird übrigens gespielt von Oona Chaplin, der Enkelin des Leinwandpioniers Charlie Chaplin.

Nach Erstausstrahlung im deutschen Bezahlfernsehen bei Sky Atlantic HD (dem neuen HBO-Ableger in Europa) wird die zweite Staffel von Game Of Thrones auch wieder bei TNT Serie gesendet und zwar ab 21. November 2012 immer mittwochs um 20:15. Einen Sendetermin im frei empfangbaren Fernsehen gibt es noch nicht, zu rechnen ist vermutlich mit einer Ausstrahlung im Frühjahr mit anschließender Veröffentlichung auf BluRay und DVD.

Die dritte Staffel der Serie startet in den USA am 31. März 2013 und wird etwa die Hälfte des dritten Romans A Storm Of Swords beinhalten. Seit 9. Juli 2012 wird an den bekannten Locations und in den Paint Hall Studios bei Belfast gedreht. Zusätzlich wurde auch in Marokko gefilmt. Zu den namhaften Neuzugängen der Besetzung gehören Dame Diana Rigg (Mit Schirm, Charme und Melone, Im Geheimdienst Ihrer Majestät) sowie beiden ehemaligen Rom-Darsteller Ciarán Hinds und Tobias Menzies.

Fazit: Game Of Thrones gelingt es auch in der zweiten Staffel, das hohe Niveau zu halten und die Vorlage ohne gravierende Mängel adäquat umzusetzen. Geniales Fantasy-Drama in Serienform. 9 von 10 Punkten.

 

 
Bran Stark und Hodor
 
Theon in der Heimat
 
Daenerys in Quarth
 
König Stannis und die Priesterin Melisandre

 

 

 

Marius Joa, 18. November 2012. Bilder: HBO.

 

 

 

Empfehlung

Game Of Thrones – Staffel 1 (9/10)

 

Linktipps

Wikipedia-Seite zur TV-Serie (deutsch)
Winter Is Coming
(englische Fansite)

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