Die Nacht der lebenden Toten

Ein abgelegenes Farmhaus, eine Gruppe verzweifelter Menschen und Untote, die langsam aus der Dunkelheit auftauchen: Mit Die Nacht der lebenden Toten schuf George A. Romero 1968 einen Meilenstein des Horrorkinos und prägte das Zombiegenre für Jahrzehnte. Doch kann ein mit bescheidenen Mitteln gedrehter Schwarz-Weiß-Film auch heute noch das Fürchten lehren?

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Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)
Horrorfilm USA 1968. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 96 Minuten (Blu-ray). Deutscher Kinostart: 18. März 1971.
Mit: Duane Jones, Judith O’Dea, Karl Hardman, Marilyn Eastman, Keith Wayne, Judith Ridley, Kyra Schon u.v.a. Drehbuch: John A. Russo und George A. Romero. Regie: George A. Romero.

George Romero, Livingdead, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

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Alles beginnt auf einem Friedhof

Die Geschwister Barbara und Johnny besuchen das Grab ihres Vaters auf einem abgelegenen Friedhof in Pennsylvania. Doch plötzlich werden sie von einem unheimlichen Fremden angegriffen. Barbara gelingt die Flucht in ein nahe gelegenes Farmhaus, wo sie auf Ben trifft, der ebenfalls vor einer rätselhaften Bedrohung Schutz sucht.

Schon bald wird klar, dass die Toten wieder zum Leben erwacht sind und Jagd auf die Menschen machen. Während sich immer mehr dieser unheimlichen Gestalten dem Haus nähern, versuchen Ben und weitere Überlebende, sich zu verbarrikadieren und die Nacht zu überstehen.

Doch nicht nur die lebenden Toten vor dem Haus werden zur Gefahr. Auch innerhalb der Gruppe entstehen Konflikte, denn längst nicht alle sind sich darüber einig, wie man sich am besten schützen kann.

Wer lieber hört statt liest, findet viele Infos zum Film auch in Folge 30 vom Unter Vieraugen-Podcast. Marius und Johannes sprechen darin über den Film und das Zombie-Genre allgemein.
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Ein Meilenstein des Horrorkinos

Es gibt Filme, die ein ganzes Genre nachhaltig verändern. George A. Romeros Die Nacht der lebenden Toten aus dem Jahr 1968 gehört zweifellos dazu. Zwar gab es bereits vorher Zombiefilme, doch Romero prägte entscheidend das Bild der menschenfressenden Untoten, das wir heute kennen.

Dabei entstand der Film mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget, weitgehend unbekannten Schauspielern und einfachen technischen Mitteln. Umso erstaunlicher ist, welche Wirkung er damit erzielte.

Eine der größten Stärken ist die Schwarz-Weiß-Fotografie. Die harten Kontraste, dunklen Räume und teilweise grobkörnigen Aufnahmen verleihen dem Film eine beklemmende, beinahe dokumentarische Atmosphäre. Besonders die Untoten profitieren davon. Ihre bleichen Gesichter heben sich gespenstisch von der Dunkelheit ab, ihre langsamen Bewegungen wirken unheimlich. Dabei erkennt man durchaus, dass die Masken und Effekte mit einfachen Mitteln entstanden sind. Doch das stört überhaupt nicht. Im Gegenteil: Gerade diese schlichte Machart trägt wesentlich zur besonderen Stimmung bei.

Romero beweist eindrucksvoll, dass guter Horror weder ein riesiges Budget noch aufwändige Spezialeffekte benötigt. Manchmal reicht schon eine Gestalt, die langsam aus der Dunkelheit auf ein Haus zukommt.

George A. Romero creator QS:P170,Q51511, Bill Hinzman, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Die Gefahr lauert auch im Haus

Wie in vielen guten Horrorfilmen sind es die Konflikte zwischen den Überlebenden, die für Kontroversen sorgen und die Spannung weiter anheizen. Während draußen die Untoten lauern, sind sich die Menschen im Farmhaus keineswegs einig, wie sie der Bedrohung begegnen sollen. Ben versucht, die Situation möglichst vernünftig einzuschätzen und die Gruppe zum gemeinsamen Handeln zu bewegen. Andere Figuren verfolgen dagegen ihre eigenen Vorstellungen. Gerade das macht die Geschichte so glaubwürdig. In einer wirklichen Extremsituation würden Menschen vermutlich ebenfalls nicht immer rational handeln. Angst, Unsicherheit und Misstrauen können schnell dazu führen, dass jeder nur noch seine eigene Lösung für richtig hält.

Damit greift Romero bereits ein Motiv auf, das später für viele Zombiefilme und Serien wie The Walking Dead charakteristisch werden sollte: Die Menschen können füreinander mindestens ebenso gefährlich werden wie die Untoten.

Besonders hervorzuheben ist Duane Jones als Ben. Er ist ohne Frage die stärkste Figur des Films. Jones spielt einen entschlossenen, intelligenten Mann, der versucht, in einer scheinbar ausweglosen Situation einen klaren Kopf zu behalten. Dabei ist seine Figur keineswegs fehlerlos, sondern bleibt menschlich und glaubwürdig. Bemerkenswert ist zudem, dass Romero die Hauptrolle 1968 mit einem afroamerikanischen Schauspieler besetzte. Im damaligen amerikanischen Kino war das alles andere als selbstverständlich. Interessant ist darüber hinaus, dass Bens Hautfarbe innerhalb der Handlung nicht ausdrücklich thematisiert wird.

Erstaunlich kompromisslos

Auch fast 60 Jahre nach seiner Entstehung ist Die Nacht der lebenden Toten keineswegs harmlos. Gerade im letzten Drittel wird der Film deutlich drastischer, als man es von einer solchen Produktion vielleicht erwarten würde. Romero erzählt seine Geschichte ausgesprochen kompromisslos. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrückender, und das Ende gehört zu jenen Filmabschlüssen, die man so schnell nicht vergisst.

Einen Kritikpunkt gibt es aber dennoch: Die im Film angedeutete Erklärung für das Auftauchen der Untoten, bei der unter anderem eine Raumsonde und radioaktive Strahlung eine Rolle spielen könnten, überzeugt nicht wirklich. Besser wäre gewesen, wenn Romero die Ursache vollständig offengelassen hätte.

Für die eigentliche Geschichte ist sie schließlich gar nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, wie die Menschen mit der plötzlich entstandenen Bedrohung umgehen.

Wie einflussreich Romeros Film war, zeigt sich besonders an seinen Nachfolgern. Mit Zombie – Dawn of the Dead (1978) entwickelte er seine Ideen weiter und verlegte den Überlebenskampf in ein Einkaufszentrum. Dabei rückte auch die Gesellschaftskritik stärker in den Vordergrund. Es folgte Day of the Dead (1985), der sich unter anderem mit den Konflikten zwischen Wissenschaftlern und Militärs beschäftigte.

Spätere Filme wie 28 Days Later, Shaun of the Dead oder World War Z interpretierten das Zombiegenre auf ganz unterschiedliche Weise neu. Doch viele seiner grundlegenden Motive gehen auf Romeros Werk zurück. Allein deshalb lohnt es sich, diesen Klassiker einmal gesehen zu haben.

Direction and cinematography both by George A. Romero, Ben giving Barbra slippers in Night of the Living Dead bw, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Fazit

Die Nacht der lebenden Toten ist einer der wichtigsten Horrorfilme überhaupt – und erfreulicherweise nicht nur aus filmhistorischer Sicht interessant. Besonders überraschend ist, wie gut der Film auch heute noch funktioniert.

Wer sich für Filmgeschichte interessiert oder wissen möchte, woher viele der heute selbstverständlichen Motive des Zombiegenres stammen, kommt an diesem Film kaum vorbei. Und auch wer einfach einen richtig guten, atmosphärischen Horrorfilm sehen möchte, wird hier bestens versorgt. 8 von 10 Punkten.

Johannes Michel. Bilder: Wikipedia / gemeinfrei


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