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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 9. August 2020

Wer Btor sagt, muss auch Ator sagen. Oder so ähnlich. Jedenfalls habe ich mich gut drei Jahre nach der Sichtung von “Ator – Der Unbesiegbare” an den Vorgänger herangewagt.

 

Freddy/Eddy

Von Marius Joa. Publiziert am 30. April 2020

Ins Kino gehen ist derzeit leider nicht drin. Aber es gibt Alternativen. On-Demand-Angebote, bei welchen man sich einen Film zuhause ansehen und gleichzeitig das Kino seiner Wahl unterstützen kann. Daher habe ich den Doppelgänger-Thriller Freddy/Eddy von Tini Tüllmann angesehen.

Freddy/Eddy
Psychothriller Deutschland 2016. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 94 Minuten. Kinostart: 1. Februar 2018.
Mit: Felix Schäfer, Jessica Schwarz, Greta Bohacek, Alexander Finkenwirth, Burghart Klaußner, Katharina Schüttler, Anna Unterberger u.a. Drehbuch und Regie: Tini Tüllmann.


 

 


Imaginärer Freund oder böser Zwilling?

Künstler Freddy (Felix Schäfer) soll seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Sandra (Anna Unterberger) und deren neuen Lebensgefährten Krishna (Robert Stadlober) krankenhausreif geschlagen haben, kann sich aber nicht erinnern, die Tat begangen zu haben. Um nicht im Gefängnis zu landen und eine Chance zu haben, seinen Sohn Simon (Neriah Krase) überhaupt noch sehen zu dürfen, begibt sich Freddy in Therapie bei Dr. Weiss (Burghart Klaußner). Doch die Behandlung scheint wenig zu bewirken, im Gegenteil. Plötzlich taucht Eddy (Felix Schäfer) wieder auf, Freddys imaginärer Freund aus der Kindheit und dessen Doppelgänger. Anfangs scheint Eddy dem “Bruder” doch nur helfen zu wollen, doch mit der Zeit verändert sich sein Verhalten drastisch. Vor allem die gute Beziehung zur neuen Nachbarin Paula (Jessica Schwarz) und ihrer 14jährigen Tochter Mizi (Greta Bohacek) sieht Freddy durch seinen Doppelgänger bedroht. David (Alexander Finkenwirth), Freddys Halbbruder, erzählt ihm eines Tages, dass Freddy einen Zwilingsbruder hatte, der aber kurz nach der Geburt verstarb…

Karten an der Kasse kaufen oder abholen, sich Popcorn und Getränke eindecken, danach den Kinosaal betreten und sich in großer Vorfreude im Sessel niederlassen bis dann (nach etwas Reklame) der Film endlich beginnt. Doch aktuell sind alle Lichtspielhäuser aufgrund der Maßnahmen in der Corona-Pandemie geschlossen. Viele Filme werden zwar fast direkt nach Kinostart oder anstelle dessen im Heimkino bei den unterschiedlichen Ondemand-Anbietern als Stream angeboten, aber sich einen Film zuhause ansehen bedeutet nicht die gleiche Stimmung und Atmosphäre wie vor der großen Leinwand. Doch immerhin gibt es für uns Filmfans die Möglichkeit, kleinere Kinos (die nicht Teil einer monströsen Kette sind) zu unterstützten und dabei einen Film im Streaming anzusehen. Kino On Demand gehört zu diesen Angeboten. Um dem Kino meiner Wahl (das Central im Bürgerbräun in Würzburg, dem ich 2016 zur Eröffnung am neuen Standort einen Kinosessel mit meinem Namen spendierte) durch die Krise zu helfen habe ich vor ein paar Tagen Freddy/Eddy angesehen.

Bei ihrem ersten Langfilm als Drehbuchautorin und Regisseurin hat sich Tini Tüllmann ausgerechnet für einen Psychothriller entschieden. Deutsche Genre-Filme sind ja bekanntlich bei den Ottonormal-Zuschauern unerwünscht und so sah sich die 1977 in München geborene Filmemacherin gezwungen, das Geld für Freddy/Eddy selbst zusammenzukratzen. Neben der Verwendung ihrer eigenen Ersparnisse hat sich Tüllmann auch Geld bei ihrem Bruder geliehen. Für 75.000 € wurde 2015 mit teils namhafter Besetzung in malerischer Winterlandschaft rund um den Tegernsee gedreht. Bei den Hofer Filmtagen 2016 wurde die Regisseurin mit dem erstmals vergebenen Preis für die beste Nachwuchsregie ausgezeichnet. Trotz weiterer Ehrungen auf internationalen Festivals fand der Film keinen Verleih. Wieder nahm Tüllmann die Sache selbst in die Hand und brachte ihr Werk mit der eigenen Produktionsfirma Filmlawine im Februar 2018 in einige Kinos. Zwar nicht ins oben erwähnte Programmkino meiner Wahl aber die Gelegenheit einen weiteren Beitrag mit Doppelgänger-Motiv zu sichten, ließ ich mir trotzdem nicht nehmen.

Ohne großes Vorgeplänkel legt die Handlung nach einem kurzen Monolog aus dem Off gleich direkt los. Als Zuschauer kann man die Verwirrung des Protagonisten von Beginn an spüren. Das liegt vor allem an der gekonnten Montage und vieler immer wieder eingestreuter, unscharfer Flashbacks. Dieser Kniff erfordert zwar Aufmerksamkeit vonseiten des Zuschauers zählt aber zweifelsohne zu den großen Stärken des vorliegenden Psychothrillers. Hauptdarsteller Felix Schafer (Traumfrauen) meistert die sicherlich nicht einfache Doppelrolle. Äußerlich gleichen sich die beiden Männer fast bis aufs Haar, doch könnten sie verschiedener nicht sein. Während Freddy eher etwas ängstlich und zurückhaltend agiert, wirkt Eddy ungleich selbstsicherer und tatkräftiger.

Im Gegensatz zu den anderen Doppelgänger-Filmen Enemy und The Double (beide von 2013) klärt Freddy/Eddy das Geheimnis um die beiden Titelfiguren auf. Nur schadet diese Auflösung dem Film eher als das sie nutzt. Das Finale gestaltet sich zwar spannend und konsequent aber gleichzeitig auch recht vorhersehbar und zu geradlinig. Die ein oder andere kleine Logiklücke hat sich leider auch eingeschlichen. Immerhin sind trotz des kleinen Budgets ein paar bekannte Schauspieler vertreten. Während die Rollen von Katharina Schüttler (Freier Fall; Unsere Mütter, unsere Väter) und Robert Stadlober (Crazy, Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm) sehr klein ausfallen haben Jessica Schwarz (Nichts bereuen, Romy) und Burghart Klaußner (Der Stadt gegen Fritz Bauer, Brecht) schon etwas mehr Screentime.

Freddy/Eddy ist seit dem 6. September 2018 auf DVD und BluRay erhältlich sowie bei Kino On Demand, Amazon, Maxdome, Videoload und Videobuster als Stream abrufbar.

Fazit: Gekonnt inszenierter, verstörender Doppelgänger-Thriller mit ein paar erzählerischen Unebenheiten, der im letzten Drittel leider etwas nachlässt. 7 von 10 Punkten.

 

Marius Joa, 30. April 2020. Bilder: Filmlawine/EuroVideo.

 

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