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Von Marius Joa. Publiziert am 14. Juli 2019

“Schlimmer” hätte 2019 auch nicht beginnen können als mit der finalen Staffel von “Eine Reihe betrüblicher Ereignisse”, nach den Büchern von Lemony Snicket…

 

The Double (2013)

Von Marius Joa. Publiziert am 30. Juni 2019

Im Herbst 2013 feierten drei “Doppelgänger”-Filme ihre Premiere im internationalen Festivalbetrieb: Enemy von Denis Villeneuve, Another Me von Isabel Coixet und Richard Ayoades The Double

The Double
Thriller UK 2013. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 89 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Jesse Eisenberg, Mia Wasikowska, Wallace Shawn, Yasmin Paige, Noah Taylor, Kobna Holdbrook-Smith u.a. Regie: Richard Ayoade. Drehbuch: Richard Ayoade und Avi Korine. Nach der Novelle Der Doppelgänger von Fjodor Dostojewski.

Zwischen Kafka, Gilliam und Dostojewski

Simon James (Jesse Eisenberg) lebt ein unscheinbares, einsames Leben. Obwohl er seit sieben Jahren in der gleichen Datenverarbeitungsfirma arbeitet wird er von Kollegen und seinem Vorgesetzten Mr. Papadoulos (Wallace Shawn) übersehen oder ignoriert. Nach Feierabend beobachtet Simon mit einem Teleskop seine hübsche Kollegin Hannah (Mia Wasikowska), die im Appartmentblock gegenüber wohnt und in welche Simon heimlich verliebt ist. Eines Tages taucht James Simon (ebenfalls Eisenberg) in der Firma auf und wird als neuer Mitarbeiter vorgestellt. Äußerlich gleicht er Simon bis aufs Haar, was zuerst niemandem außer Simon selbst aufzufallen scheint. Doch hinsichtlich seiner Persönlichkeit unterscheidet sich der Neuankömmling deutlich. Wo Simon schüchtern und ängstlich ist, agiert James mit großem Selbstbewusstsein und Autorität, wodurch der Doppelgänger sich schnell großer Beliebtheit erfreut. Als sich die beiden optischen “Zwillinge” anfreunden, scheint Simon von James Qualitäten zu profitieren, muss aber schließlich feststellen, dass er von diesem ausgenutzt und hintergangen wird…

Beim Internationalen Filmfestival von Toronto 2013 debüttierten innerhalb eines Tages kurioserweise gleich zwei Filme mit Doppelgänger-Motiv als zentralem Inhalt, die zudem beide auf literarischen Vorlagen basieren. Denis Villeneuves Enemy (nach dem Roman Der Doppelgänger von José Saramago) wurde am 8. September 2013 als eine der “Special Presentations” gezeigt, ein Tag nachdem Richard Ayoades The Double, nach einer Novelle von Fjodor Dostojewski, in der gleichen Reihe Premiere gefeiert hatte. Im November 2013 folgte Isabel Coixets Teenie-Psychodrama Another Me, über eine junge Frau und ihr finsteres Double (nach Romanvorlage von Catherine McPhail), als Uraufführung beim Filmfestival von Rom. Während Enemy und Another Me immerhin ein deutscher Kinostart (Mai bzw. September 2014) vergönnt war, erschien The Double hierzulande leider nur im Heimkino.

Richard Ayoade (geboren 1977) dürfte vielen als Darsteller des sozial unbeholfenen Computer-Nerds Moss aus der britischen Kult-Sitcom The IT Crowd (2006-2013) von Graham Linehan bekannt sein. Davor arbeitete der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer norwegischen Mutter früh als Stand-Up-Comedian und schrieh Bühnenshows. Mit der Coming-of-Age-Dramedy Submarine erschien 2010 Ayoades Debüt als Regisseur. Seine vorliegende zweite Regie-Arbeit widmet sich den in Literatur, Kino und Fernsehen (u.a. Orphan Black) beliebten Motiv des Doppelgängers. Ähnlich wie in Enemy (den ich damals aus Frust über seine Rätselhaftigkeit etwas stiefmütterlich bewertet hatte) liefert The Double keine definitiven Antworten oder Erklärungen über den Ursprung des “Zwillings”, überlässt so die Interpretation des Gesehenen dem Zuschauer.

Mindestens genauso irritierend wie die Situation des Protagonisten erscheint die Welt, in welcher sich das Geschehen abspielt. Farbgebung, Beleuchtung und die fortwährende Dunkelheit verleihen The Double eine starke Film-Noir-Note. Die in trist-düsteren Grau- und Gelb-Tönen gehaltene Firmenräume und die Hindernisse, die Simon zu überwinden hat, erinnern an Terry Gilliams Brazil und andere kafkaeske Dystopien. Auch akustisch erzeugt man hier eine beklemmende Atmosphäre. Die unheilvollen Streicher-Akkorde des Scores basieren wiederum auf dem Lied Der Doppelgänger aus Franz Schuberts Schwanengesang. Außerdem scheint man in vielen Szenen im Hintergrund einen vorbeifahrenden Zug oder eine gigantische, mit Hochdruck arbeitende Druckmaschine zu hören. Eine im besten Sinne eigenwillige Soundkulisse.

Herausragend im skurrilen Darsteller- und Figuren-Ensemble (unter anderem haben Ayoades IT Crowd-Kollegen Chris O’Dowd und Christopher Morris Kurzauftritte) und Herzstück des Films ist natürlich Hauptdarsteller Jesse Eisenberg (The Social Network) der sowohl Simon als auch James verkörpert. Beide haben die gleiche Frisur und tragen den gleichen grauen, hässlichen, etwas zu großen Anzug. Doch Eisenberg gelingt es dank Mimik und Körpersprache zwei völlig verschiedene Personen zu erschaffen, eine beeindruckende Leistung!

The Double von Richard Ayoade ist seit dem 24. Juni 2016 auf DVD und BluRay erhältlich, leider ohne nennenswertes Bonusmaterial.

Fazit: Inszenatorisch dicht gewobener Doppelgänger-Thriller, mit einem nuanciert agierenden Jesse Eisenberg in den beiden Hauptrollen. 8 von 10 Punkten.

Tristesse im Büro
Simon beobachtet das Haus gegenüber
Simon und James

 

Marius Joa, 30. Juni 2019. Bilder: Impuls Home Entertainment.

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