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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (“Brügge sehen…und sterben?”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) neuester Film, “The Banshees of Inisherin”.

 

Lux Æterna (2019)

Von Marius Joa. Publiziert am 15. Oktober 2022

Beim Dreh eines Films über Hexenverfolgung kommt es zu chaotischen Zuständen, in Gaspard Noés Lux Æterna, dem zweiten Beitrag des diesjährigen Horroctobers.

Lux Æterna (LVX ÆTERNA)
Experimentalfilm/Horror Frankreich 2019. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 51 Minuten.
Mit: Béatrice Dalle, Charlotte Gainsbourg, Félix Maritaud, Maxime Ruiz, Abbey Lee, Clara Deshayes, Karl Glusman u.a. Drehbuch und Regie: Gaspard Noé.

 



Hexenjagd und Strobo-Inferno beim Chaosdreh

Schauspielerin Beátrice (Béatrice Dalle) führt Regie bei einem Film über Hexenverbrennung. Für die Hauptrolle hat sie ihre gefeierte Kollegin Charlotte (Charlotte Gainsbourg) engagiert. Nach einem Gespräch der beiden Frauen über ihre unterschiedlichen Schauspiel-Erfahrungen beginnt der Dreh. Doch nichts läuft wirklich rund. Béatrice äußert mehrfach ihren Unmut über Verzögerungen und die schlechte Organisation. Charlotte, die ständig vom zufällig anwesenden amerikanischen Schauspieler Karl (Karl Glusman) über sein eigenes Filmprojekt zugelabert wird, erhält einen Anruf von ihrer Tochter mit einer verstörenden Nachricht. Unterdessen versucht Produzent Félix (Félix Maritaud) Béatrice als Regisseurin feuern zu lassen, wie er es dem Kameramann Maxime (Maxime Ruiz) versprochen hat. Dazu hat Félix Tom (Tom Kan) beautragt, der Regisseurin ständig mit einer Kamera zu folgen, um Beweise für ihr Fehlverhalten zu sammeln. Als der Dreh einer Szene mit Charlotte sowie ihren Kolleginnen Abbey (Abbey Lee) und Clara (Clara Deshayes) auf einem Scheiterhaufen endlich anläuft häufen sich die Probleme und Differenzen im ganzen Team. Und die Studiotechnik sorgt schließlich für ein ungeahntes Inferno…

Dem in Frankreich lebenden Argentinier Gaspard Noé (geboren 1963) haftet dank Werken wie Menschenfeind (1998), Irreversibel (2002), Enter the Void (2009), Love (2015) und Climax (2018) der Ruf eines Skandalfilmemachers an. Auf den Filmfestspielen von Cannes 2019 feierte Noés Film Lux Æterna Premiere, welcher sich mit einer Laufzeit von nur 51 Minuten irgendwo zwischen Kurzfilm und abendfüllendem Spielfilm bewegt. Zu Beginn werden Szenen aus den Stummfilmen Hexen (Originaltitel Häxan, 1922) von Benjamin Christensen und Carl Theodor Dreyers Tag der Rache (Vredens dag, 1943) gezeigt, welche beide von Hexerei und Hexenverfolgung handeln. Die Haupthandlung widmet sich dem Hexenfilm-Dreh, der in einem irrsinnigen, etwa zehn Minuten andauernden Stroboskopie-Inferno kulminiert. Glücklicherweise erlitt ich hinterher keinen Migräneanfall. Personen, die an Epilepsie oder einer ähnlichen Erkrankung leiden, sollten von der Sichtung absehen.

Noé liefert hier einen filmischen Essay über die mögliche Überschneidung von Kunst und Glauben sowie die Gemeinsamkeiten von Schauspielerinnen und Hexen, welche beide in der Öffentlichkeit zur Schau gestellt werden. Unterbrochen wird die Geschichte immer wieder durch Texteinblendung von Zitaten prägender Filmeschaffender wie dem bereits erwähnten Dreyer, Luis Buñuel und Rainer Werner Fassbinder, welche sich mit der Kontrolle eines Regisseurs über die Produktion befassen. Weite Teile der Handlung sind im Split Screen zu sehen, entweder mit zwei gleichzeitig ablaufenden und nebeneinander gestellten Szenen oder unterschiedlichen Perspektiven der gleichen Szene. In Kombination mit dem verkleinerten Bildformat ergibt das eine Atmosphäre der Hektik und Enge. Béatrice Dalle (Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen, L’Étoile du Jour) und Charlotte Gainsbourg (Antichrist, Nymphomaniac) spielen hier wie vermutliche alle anderen Akteure fiktionalisierte Versionen ihrer realen Persönlichkeiten, wobei die beiden Protagonistinnen sich im Verlauf immer mehr selbst wie verfolgte Hexen vorkommen, weil diverse Leute am Set ständig etwas von ihnen einfordern oder sie nicht gut behandeln.

51 Minuten Laufzeit erscheinen mir definitiv zu kurz für die angesprochenen Thematiken, vor allem da Manches dann noch etwas plakativ wirkt. Dennoch für Freunde des experimentellen Kinos ein sehenswerter Beitrag. Die Stroboskopie-Szene am Ende sollte allerdings definitiv nicht länger sein.

Lux Æterna von Gaspard Noé ist seit dem 14. Mai 2021 auf DVD und BluRay erhältlich. Online ist der Film als Teil des Angebots von MUBI sowie als kostenpflichtiger Stream bei diversen Anbietern abrufbar.

Fazit: Intensiv-herausfordernder, kurzer Trip hinter die Kulissen eines desaströsen Hexen-Horrorfilm-Drehs. 7 von 10 Punkten.


Am Set

Die Hexen

Marius Joa, 15. Oktober 2022. Bilder: Alamode Film/MUBI.

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