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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 20. April 2019

So kurz vor Ostern wirkt ein Film mit niedlichen, hoppelnden Langohren keinesfalls fehl am Platz. Der bisher nur bei Streaminganbietern verfügbare Streifen “Hey Bunny” kommt da gerade recht.

 

Abbitte

Von Lena Stadelmann. Publiziert am 7. November 2007

Nach zwei langen Monaten startet nun auch in Deutschland am Donnerstag der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Venedig: Joe Wrights zweiter Kinofilm Abbitte. Lena Stadelmann, die seit August sehnsüchtig darauf gewartet hat, hat den Film in einer Preview schon gesehen.

Abbitte (Atonement)
Drama, Großbritannien 2007. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. 130 Minuten.
Mit: James McAvoy, Keira Knightley, Romola Garai, Saoirse Ronan, Brenda Blethyn, Vanessa Redgrave, Juno Temple u.a. Regie: Joe Wright.

Bitter Sweet Symphony

An einem heißen Sommertag 1935 zerstört die 13jährige Briony Tallis (Saoirse Ronan) in ihrer kindlichen Naivität und Unbedachtheit das Leben ihrer Schwester Cecilia (Keira Knightley) und das von Robbie Turner (James McAvoy), dem Sohn der Haushälterin. Aufgrund einer Verkettung missverstandener Szenen und ihrer überbordenden Phantasie interpretiert das Mädchen die zärtlich aufkeimende Liebe zwischen Robbie und Cecilia als Triebtäterschaft Robbies. Als am Abend auf dem Anwesen der Tallis Brionys Cousine Lola (Juno Temple) vergewaltigt wird, gibt es für Briony nur einen möglichen Täter. Obwohl sie ihn nicht gesehen hat, beschuldigt Briony als angebliche Augenzeugin Robbie, der daraufhin zuerst drei Jahre ins Gefängnis und danach in den Krieg nach Frankreich muss. Cecilia und Robbie versuchen, ihre Liebe durch Briefe aufrecht zu erhalten, während die inzwischen erwachsene Briony (Romola Garai) ihren furchtbaren Fehler einsieht und ihr Leben lang versucht, dafür Abbitte zu leisten.

Noch verstehen sich die Schwestern Cecilia (Keira Knightley) und Briony (Saoirse Ronan).

Wie auch in seinem ersten Kinofilm wagt sich Regisseur Joe Wright (Stolz & Vorurteil) an die Verfilmung eines britischen Romans, der aufgrund der verschachtelten, experimentellen Erzählweise Ian McEwans keineswegs leicht umzusetzen ist. Trotzdem hält sich Joe Wright genau an die Vorlage und erschafft so einen vielschichtigen, raffinierten Film, der in Kameraführung, Soundtrack und nicht zuletzt den Schauspielern seinesgleichen sucht. Besonders beeindruckend sind die Perspektivwechsel, die sowohl im Buch als auch im Film zu erklären versuchen, wie es zu dem folgenschweren Missverständnis von Seiten Brionys kommen konnte. Wright macht es dem Zuschauer nicht einfacher, indem er die beiden Szenen einfach zusammen schneidet, sondern er zeigt zuerst Brionys unvollständige Sichtweise und dann die komplette Szenerie noch einmal in der realen Variante. Dadurch wird einerseits Brionys Handeln verständlicher, aber andererseits bleibt ungestörter Raum für die Entwicklung einer wunderschönen Liebesgeschichte, deren gewaltsames Ende umso schockierender ist.

Erst im zweiten Teil, der Robbies Reise durch Nordfrankreich nach Dünkirchen erzählt, hält sich Wright in einem Punkt nicht an die Buchvorlage. Er thematisiert den Krieg ohne eine einzige Kampfhandlung, sondern ganz leise, was die Szenen nur noch bewegender macht. Man sieht den Krieg nur an den Folgen, den Toten und Verwundeten, und in einer fünf minütigen ungeschnittenen Kamerafahrt am Strand von Dünkirchen, die die ganzen Schrecken des Krieges und die Verzweiflung der Soldaten zeigt, die in der Hoffnung dorthin kamen, zurück nach England gebracht zu werden und in Dünkirchen nur Chaos und keine Rettung finden. Der ganze Film, vor allem aber dieser zweite Teil leben von der darstellerischen Leistung von James McAvoy (Der letzte König von Schottland, Geliebte Jane), der nur durch seinen Blick das ganze Grauen auszudrücken vermag, das im völligen Kontrast zu der Leichtigkeit des jungen angehenden Medizin-Studenten steht, der zu Beginn des Films in Anzug und Fliege an einem Sommerabend zu seiner großen Liebe geht. Auch Keira Knightley wird wie schon in Stolz & Vorurteil perfekt von Wright inszeniert und überzeugt in der Rolle einer jungen Erwachsenen, die zunehmend verzweifelter wird und doch trotz aller Widerstände um ihre Liebe kämpft.

Eine großartige Leistung liefern auch die drei Briony-Darstellerinnen ab: Saoirse Ronan verkörpert die kindlich-naive Dreizehnjährige, die einer Zukunft als Schriftstellerin entgegensieht und jede Handlung ihrer Umgebung dramatisieren muss. Romola Garai (Vanity Fair, Angel) spielt die inzwischen Erwachsene, die mit allen Mitteln versucht, ihre Schuld wieder gut zu machen, zuerst kühl und zurückhaltend und blüht erst auf, als sie, mittlerweile Krankenschwester, die Verwundeten aus Dünkirchen versorgt. Den Schlusspunkt setzt Vanessa Redgrave (Der Herr der Diebe, Das Versprechen) als 70jährige Briony, die in ihrem Monolog den genialen erzähltechnischen Coup Ian McEwans, der den ganzen Film rückblickend verändert, mit emotionaler Intensität umsetzt.

So überraschend das Ende auch ist, es ist doch angedeutet im Hauptthema des Soundtracks, das den ganzen Film mit dem Stakkato-Rhythmus einer Schreibmaschine unterlegt und von Beginn an eine unheilschwangere Stimmung heraufbeschwört. Joe Wright hat für die Musik wieder Dario Marianelli (V wie Vendetta, Brothers Grimm) verpflichtet, mit dem er auch schon bei Stolz & Vorurteil zusammengearbeitet hat und der wieder die perfekte Untermalung für die beeindruckenden Bilder liefert.

Alles in allem hat Joe Wright seinen viel versprechenden Erstling mit Abbitte vor allem durch die herausragenden schauspielerischen Leistungen noch übertroffen. Dabei gleitet er nie in oberflächlichen Kitsch ab, sondern inszeniert die Geschichte, die von den Auswirkungen menschlicher Fehler im kleinen wie im großen Rahmen erzählt, mit einer tiefgehenden Emotionalität, die den Zuschauer nach dem Ende des Films bewegt und aufgewühlt zurücklässt.

Fazit: Schockierend berührend. 10 von 10 Punkten.


Robbie (James McAvoy) am Strand von Dünkirchen.

Die große Liebe: Cecilia und Robbie.
Lena Stadelmann, 07. November 2007. Bilder: Universal.

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