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Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Australia

Von Marius Joa. Publiziert am 28. Dezember 2008

Ganze sieben Jahre ließ sich Regisseur Baz Luhrmann Zeit, seinen vierten Film nach Strictly Ballroom, Romeo + Julia und Moulin Rouge! zu veröffentlichen. Marius Joa hat Australia nun gesehen.

Australia
Abenteuerfilm/Drama Australien/USA 2008. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 165 Minuten. Deutscher Kinostart: 25. Dezember 2008.
Mit: Nicole Kidman, Hugh Jackman, Bryan Brown, Brandon Walters, David Wenham, Jack Thompson, David Guilpilil u.v.a. Regie: Baz Luhrmann. Drehbuch: Baz Luhrmann, Ronald Harwood, Stuart Beattie & Richard Flanagan.

Große Gefühle, beeindruckende Bilder

1939: Um ihren Mann, Lord Ashley, von seiner Farm wegzulocken und ihn dazu zu bewegen, sie zu verkaufen, reist die englische Adelige Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) nach Australien. Für die zimperliche und etwas eingebildete Sarah ist die Ankunft in „Down Under“ natürlich ein Kulturschock. Um zu „Far Away Downs“, der Farm ihres Mannes im nördlichen Territorium zu kommen, schließt sie sich dem Viehtreiber Mr. Drover (Hugh Jackman) an. Nach mehreren Tagen beschwerlicher Fahrt muss Sarah entdecken, dass ihr Mann ermordet wurde. Der Verwalter Fletcher (David Wenham) behauptet, dass King George (David Guilpilil), ein Stammesführer der Aborigines, die Tat begangen haben soll. Doch dessen Enkel Nullah (Brandon Walters), ein aufgeweckter Mischlingsjunge, kennt die Wahrheit. Von Nullahs Familie und dem übrigen Personal der Farm ermutigt, will Sarah das Werk ihres verstorbenen Mannes fortführen und das Rindfleisch-Monopol des zwielichtigen Großindustriellen King Carney (Bryan Brown) zu durchbrechen. Dazu muss sie 1 500 Rinder durch das halbe Land nach Darwin führen. Etwas widerwillig übernimmt der Drover die Führung der Rinderherde.

Die ersten drei Filme des australischen Regisseurs Baz Luhrmann (geboren 1962) bilden zusammen die „Red Curtain“-Trilogie. In Strictly Ballroom (1992) war der Tanz das erzählende Mittel, in Romeo + Julia (1996) das gesprochene Wort und in Luhrmanns bisher bestem Film Moulin Rouge! (2001) der Song. Die Fans des lustigen und visionären Australiers mussten für seinen vierten Kinofilm nun ganze sieben Jahre warten. Da ist es natürlich nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Erwartungshaltung in die Höhe steigt und das Endprodukt diese Erwartungen nicht erfüllen kann. Doch bezüglich Australia kann Entwarnung gegeben werden. Denn Luhrmann Nr. 4 ist großes Gefühlskino mit beeindruckenden Bildern.

Für die männliche Hauptrolle war ursprünglich Australiens Top-Export Russell Crowe vorgesehen. Doch weil Crowe auf einer hohen Gage bestand, die das Budget des Films noch mehr in die Höhe getrieben hätte, wurde er durch Hugh Jackman (X-Men, Prestige, The Fountain) ersetzt. Für die weibliche Hauptrolle kam natürlich nur eine in Frage: Nicole Kidman. Bereits in Moulin Rouge! hatten Kidman und Luhrmann erfolgreich zusammengearbeitet. Der Regisseur setzte auch im aktuellen Film wieder auf viele Nebendarsteller aus dem bunten Musical. Mit David Wenham (Moulin Rouge!, Der Herr der Ringe) und Bryan Brown (Die Dornenvögel) sind zwei weitere Top-Stars Australiens mit von der Partie. Gedreht wurde das 120-Millionen-Dollar-Projekt von April bis Dezember 2007. Von den anfangs sechs Handlungssträngen schafften es drei in den Film.

Trotz akribischer Produktion und großer Star-Power ist Australia kein Meisterwerk. Doch sollte das nicht der Maßstab sein, ob der Film den Kinobesuch nun wert ist oder nicht. Aufgeteilt ist die Story in drei Teile. Das erste Drittel präsentiert sich fast als Gesellschaftskomödie, wo die eine eitle englische Lady einen amüsanten Kulturschock in Australien erlebt. Hier trifft sie auf einen ihr völlig entgegen gesetzten Charakter, den tatkräftigen Drover. Im Anschluss verwandelt sich der Film in eine Art australisches Westernabenteuer, wenn das schwierige Unterfangen, die vielen Rinder durch die Weiten des Landes zu bringen, in aller Deutlichkeit und Spannung gezeigt wird. Im letzten Drittel verwandelt sich die Geschichte schließlich noch in ein Kriegsdrama, als Darwin von Japanern zerstört wird und die drei Hauptpersonen verzweifelt auf der Suche nach einander sind.

Die Stärke von Australia ist es, das alle diese drei Teilstücke funktionieren und gut ineinander übergehen. Auch wenn die Antagonisten (King Carney und Fletcher) richtig böse und alle anderen weitgehend richtig gut sind, so mildert die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere nicht das Zuschauervergnügen. Diese inhaltlich gute und unterhaltsame Geschichte, verbindet Regisseur Luhrmann mit beeindruckenden Bildern seiner Heimat. Wenn die Sonne im Land der Kängurus auf- und untergeht, so bekommt man große Lust auf einen ausgiebigen Australien-Urlaub. Obwohl der Film mit der Rinderzucht, den Aborigines und der „gestohlenen Generationen“ sowie dem Angriff der Japaner mehrere nicht ganz unkomplexe Themen recht gründlich behandelt, wirkt die Story dennoch nicht überladen oder oberflächlich. Es fehlt vielleicht der letzte Funke zum großen Meisterwerk, aber wer sich hier bewegen und unterhalten lässt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Unterstützt wird diese optische und inhaltliche Stärke von den guten Schauspielern. Dass Hugh Jackman und Nicole Kidman ihr Fach verstehen und gute Leistungen bringen, muss man nicht weiter ausführen. Die Überraschung ist hier der 12jährige Brandon Walters als Nullah, der Lady Sarah Ashley quasi in seinen Bann zieht und sie dazu bringt, das fremde Land in ihr Herz zu schließen.

Am Ende bleibt die Frage, ob Australia nicht vielleicht der Auftakt einer neuen Trilogie von Baz Luhrmann ist. Und natürlich die große Hoffnung, dass uns der sympathische Australier nicht wieder sieben Jahre warten lässt, bis sein neuer Film das Licht des Kinosaals erblickt.

Fazit: Sehr gelungene, vierte Regie-Arbeit von Baz Luhrmann. Ein Film, der Australien ganzheitlich zu erfassen vermag und mit großen Gefühlen, einer Prise Humor sowie beeindruckenden Bildern zu fesseln weiß. 8 von 10 Punkten.


Der „Marlboro Man“ Australiens: Mr. Drover.

Traumhafte Bilder.

Romantisch im Regen.
Marius Joa, 28. Dezember 2008. Bilder: Bazmark/20th Century Fox.

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