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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 26. Mai 2022

Was hat “Das Kapital” von Karl Marx mit Vampiren zu tun? Das erforscht Regisseur Julian Radlmaier in seinem neuen Film “Blutsauger”, der bereits auf der Berlinale 2021 Premiere feierte.

 

Covid Metamorphosen

Von Marius Joa. Publiziert am 26. Dezember 2021

Die Obsessiven Filmemacher Nisan Arikan und Lars Henriks sind zurück. Ihre Dramedy Covid Metamorphosen handelt von Weihnachten im Lockdown und den dazugehörigen Auswirkungen.


Covid Metamorphosen
Komödie/Drama Deutschland 2021. 75 Minuten.
Mit: Virginia Roncalli, Vincent Ellmers, Simon Burghart u.a. Kamera, Licht, Ton, visuelle Effekte: Christian Grundey. Ausstattung, Schnitt, Color Grading, Produktion: Nisan Arikan. Musik, Ton, Tonmischung, Drehbuch, Regie: Lars Henriks.

 


Covid Navidad

Im Dezember 2020 hat die Covid19-Pandemie Deutschland fest im Griff. Polizist Tom (Vincent Ellmauer) verdient sich ein bisschen was dazu, indem er mit Marihuana dealt. Gemeinsam mit Vivienne (Virginia Roncalli), die seit der gemeinsamen Schulzeit in ihn verliebt ist, teilt er sich eine Wohnung. Doch Tom trauert weiterhin seiner Ex-Freundin Sophia (Nisan Arikan) nach. Eines Morgens steht der merkwürdige Peter (Simon Burghart) vor der Tür. Vivienne bittet Tom, den schrägen Typen schnell loszuwerden. Doch kurze Zeit später wird im Fernsehen ein für das gesamte Stadtgebiet geltender Lockdown verhängt. Tom und Vivienne müssen sich wohl oder übel damit arrangieren, dass Peter noch eine Weile bei Ihnen bleiben wird. Peters Anwesenheit und die angestrengte Pandemie-Situation machen das Zusammenleben in der unfreiwilligen Dreier-WG schon bald zur Herausforderung…

Mit ihren bisherigen drei gemeinsamen Filmen Leon muss sterben (2017), Bearkittens (2018) und Performaniax (2019) sowie der Webserie Die Schauspielschüler (2018/19) holten die beiden Hamburger Filmemacher Lars Henriks und Nisan Arikan das Maximale aus minimalsten Budgets heraus. Die Corona-Pandemie und der teils komplette Lockdown ab Frühjahr 2020 ließ das Obssessive-Filmemacher-Duo ihre Kreativität in andere Bahnen lenken. Zum einen stellten sie in einer Videoserie auf Youtube ihre bisherigen Arbeiten vor und riefen außerdem zwei Podcast-Reihen (Pitchcock, Mysterium Pictorum) ins Leben. Im Sommer 2021 wurde ein Open-Air-Theater-Projekt, unter anderem mit einer Aufführung von Sophokles’ Drama Antigone, gestemmt. Parallel arbeitete das Paar aber auch an ihrem besonderen Herzensprojekt, der demnächst (hoffentlich) erscheinenden Serie F 60 Kamikaze. Im winterlichen Lockdown vor einem Jahr entstand zudem der vierte Spielfilm. Covid Metamorphosen beleuchtet wie sich der Lockdown auf Psyche, Kreativität und zwischenmenschliche Beziehungen auszuwirken vermag. Die Handlung spielt dabei mit Motiven aus den Metamorphosen, einem episch-mythologischen Gedicht des antiken Dichters Publius Ovidius Naso, kurz Ovid (43 vor Christus bis 17 nach Christus).

In der Anfangsszene scheint der komische Peter noch so etwas wie den Prolog oder Götterboten zu spielen. Doch schon bald tritt er in das Leben von Polizist Tom und seiner Mitbewohnerin Vivienne, die Public Relations für ein Mode-Startup in Paris macht. Während Vivienne von Peters Anwesenheit zu Beginn noch genervt ist, lässt sie sich bald auf seine Versuche, ihr mit ihren Problemen zu helfen, ein. Tom hingegen isoliert sich immer mehr von den beiden anderen. Durch ständige Einsätze befürchtet er ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für das Virus und entwickelt teils zwanghafte Verhaltensweisen. Außerdem stehen natürlich noch immer Viviennes langjährige Gefühle für Tom im Raum. Dieses Szenario lässt sich auf unterschiedliche Arten und Genres durchspielen, egal ob (Romantik-)Komödie, Psychodrama oder Mystery. Lars und Nisan haben in ihrem weihnachtlichen Lockdown-Film von allem ein bisschen und diese Mischung funktioniert aus meiner Sicht auch. Es wechseln sich komische, ernste und unheimlich-übersinnliche Szenen ab.

Wie ihre vorherigen Projekte entstand auch Covid Metamorphosen mit einer sehr sehr sehr überschaubaren Crew. Mit wenigen Ausnahmen war die Produktion, die geschätzte 4.500 € kostete, auch eine Drei-Personen-Arbeit von Lars, Nisan und ihrem eingespielten Weggefährten Christian Grundey. Dazu kommen natürlich das Darsteller-Trio. Virginia Roncalli hat schon als esoterische Nachwuchsschauspielerin Mimi in Die Schauspielschüler und als abgründige Delinquentin Alicia in Bearkittens auf sich aufmerksam gemacht. Hier spielt sie die zwischen Selbstverwirklichung und unerfüllter Liebe pendelnde Vivienne. Vincent Ellmers macht als eigenbrötlerischer Polizist ebenfalls eine mehr als überzeugende Figur. Die Rolle des weirden “Untermieters” Peter hätte auch Lars Henriks persönlich übernehmen können. Simon Burghart spielt den Part des vermeintlichen dritten Rades am Wagen als eigenwilligen guten Geist, der mit seinen meist nicht direkt passenden Ideen und seinem schrägen Auftreten öfter auch für Kopfschütteln sorgt, aber mögliche Auswege aus der festgefahrenen Situation aufzeigt.

Leider gibt die andauernde Covid19-Pandemie und die Unfähigkeit der Politik ausreichende Maßnahmen rechtzeitig umzusetzen Anlass für eine weitere filmische Aufarbeitung des Themas Lockdown. Aber egal was die Obsessiven Filmemacher als nächstes umsetzen, es wird sicherlich wieder spannend und schräg.

Covid Metamorphosen feierte seine Premiere am 18. Dezember 2021 beim Obsessive Chrystmas Independent Film Festival in Hamburg und ist aktuell kostenlos bei Vimeo zu sehen.

Fazit: Lars Henriks und Nisan Arikan beweisen mit ihrer schrägen Drei-Personen-Dramedy Covid Metamorphosen, dass ein Filmdreh im Lockdown prächtig funktionieren kann. 8 von 10 Punkten.


Marius Joa, 26. Dezember 2021. Bilder: Antikyno/Obsessive Filmmakers.

 

 

 

 

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