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Von Marius Joa. Publiziert am 22. September 2019

In Runde zwei nimmt die von Schauspieler/Autor/Regisseur Seth MacFarlane (“Family Guy”) ins Leben gerufene Scifi-Serie “The Orville” einen Kurswechsel in Richtung Ernsthaftigkeit vor. Ob das funktioniert?

 

Der unglaubliche Hulk

Von Marius Joa. Publiziert am 14. Juli 2008

Nach Ang Lees zwiespältiger Comicverfilmung Hulk vor fünf Jahren startet Marvel mit Der unglaubliche Hulk einen Neustart der Reihe. Über das, was sich geändert hat, schreibt Marius Joa in seiner Kritik.

Der unglaubliche Hulk (The Incredible Hulk)
Comicverfilmung USA 2008. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 112 Minuten (gekürzte deutsche Kinoversion). Deutscher Kinostart: 10. Juli 2008.
Mit: Edward Norton, Liv Tyler, Tim Roth, William Hurt, Tim Blake Nelson, Ty Burrell u.v.a. Regie: Louis Leterrier. Drehbuch: Zak Penn, Edward Norton. Nach den Comics von Stan Lee und Jack Kirby.

Gelungener Neustart

Unter der Führung von General Ross (William Hurt) forscht ein Wissenschaftler-Team um Dr. Bruce Banner (Edward Norton) und Elizabeth „Betty“ Ross (Liv Tyler), der Tochter des Generals an einem sogenannten „Supersoldaten“-Serum. Doch etwas geht schief. Bei einem Unfall wird Betty schwer verletzt und Bruce einer hohen Konzentration von Gamma-Strahlung ausgesetzt. Seitdem verwandelt er sich in das grüne Monster Hulk, wenn sein Puls 200 erreicht. Um sein Alter Ego unter Kontrolle zu bekommen, hat sich Bruce in ein Armenviertel in Brasilien zurückgezogen, wo er sich auch als Arbeiter in einer Limonadenfabrik verdingt. Als jedoch General Ross und seine Einheit Bruce aufspüren, ist es erstmal vorbei mit der bisher erfolgreichen Therapie. Bruce/Hulk entkommt nach Guatemala und kehrt heimlich in die USA zurück. Doch kann er sich für kurze Zeit bei der noch leicht traumatisierten Betty verstecken, doch das Militär um Ross und den russisch-englischen Söldner Emil Blonsky (Tim Roth) macht weiter Jagd auf ihn.

Bruce Banner.

Die Figur des grünen „Hulk“ (zu deutsch: Koloss) erfanden Comic-Ikone Stan Lee und sein kreativer Partner Jack Kirby 1962. Von 1978 bis 1982 lief die Geschichte unter dem Titel Der unglaubliche Hulk als Serie im US-Fernsehen, wobei Bill Bixby und Bodybuilder Lou Ferrigno die beiden Hauptpersonen spielten. Im Nachklang entstanden drei Fernsehfilme und eine gleichnamige Zeichentrickserie. Im Universum der Marvel-Comics war Hulk auch Mitglied der „Avengers“.

2002/03 versuchte sich der für seine vielfältigen Arthaus-Filme bekannte Taiwanese Ang Lee an der ersten Kinoumsetzung des Stoffes. Doch die gelungene, emotionale erste Hälfte des Films wurde von der plumpen Action in der Folge erdrückt und der Film konnte die Erwartungen an der Kinokasse nicht erfüllen. Pläne für eine Fortsetzung, die 2005 erscheinen sollte, wurden ad acta gelegt. Die Filmrechte fielen wieder an Marvel zurück. Im Januar 2006 gab der Comic-Konzern bekannt, dass in Zusammenarbeit mit Universal ein neuer Hulk-Film in Produktion gehen werde. Der neue Streifen werde das Franchise richtig in die Gänge bringen. Ursprünglich sollte Der unglaubliche Hulk eine reine DVD-Veröffentlichung werden, doch mit der Zeit kristallisierte sich doch ein Kinofilm heraus. Der unglaubliche Hulk setzt nach Iron Man die neue Reihe der von Marvel eigenproduzierten Filme fort.

Was ist nun das Ergebnis des „Neustarts“? Eine insgesamt solide, wenn auch nicht ganz optimale Comicverfilmung, die alle Schwächen des Vorgängers vergessen lässt. Als Regisseur verpflichtete man den Franzosen Louis Leterrier (Transporter). Und Hauptdarsteller Edward Norton durfte das von Zak Penn (X-Men: Der letzte Widerstand) abgelieferte Drehbuch teilweise nach seinen Vorstellungen umschreiben. Das Ergebnis: eine ausgewogene Mischung aus Actionszenen und Charaktermomenten.

Auch wenn Der unglaubliche Hulk als Neustart verstanden werden will, so schließt er doch inhaltlich an Ang Lees Hulk teilweise an. Flüchtete sich Bruce Banner am Ende des Vorgängers in den brasilianischen Regenwald, so befindet er sich nun in einer Favela, einem charakteristischen Armenviertel von Rio de Janeiro. Diese Location liefert auch beeindruckende Bilder.

Doch schnell sind wir bei den Änderungen zum Film von 2003. Die ganze Vorgeschichte ist eine andere. Die Forschungen, an denen Bruce und Betty arbeiten, sind von vorneherein vom Militär (General Ross) initiiert und forciert worden. Der Unfall, resultierend aus einem Selbstversuch von Bruce, hat nicht nur dessen „Mutation“ zur Folge, sondern bedeutet für Betty auch eine traumatische Verletzung. Trotz der schweren Schäden hat General Ross keine Skrupel, die Arbeiten am „Supersoldaten“-Serum zu vollenden, wobei er im Söldner Emil Blonsky ein williges Versuchskaninchen vorfindet. Dies hat natürlich verheerende Folgen.

Bei der Vorgeschichte findet sich schon der erste Kritikpunkt am Film. Die Ursache für die Entstehung des grünen Riesen wird nur in zwei viel zu kurzen Rückblenden erklärt. Für mit dem Stoff völlig unvertraute Zuschauer ein echtes Problem. Dies liegt wohl daran, dass die Produzenten eine Kürzung des Films von ca. 135 auf 114 Minuten durchsetzten, angeblich auch gegen den Widerstand von Hauptdarsteller Edward Norton. Das deutsche Publikum wird außerdem doppelt über den Tisch gezogen, denn die in fast allen Kinos gezeigte Fassung ist gegenüber dem Original um zwei Minuten geschnitten, natürlich um die Altersfreigabe FSK 12 zu erreichen. Dies sorgt vor allem im Endkampf für unlogische Sequenzen. Die ungekürzte US-Kinofassung wird es auf DVD geben, die zu den 135 Minuten fehlenden Szenen vermutlich auch.

Doch trotz der unklaren Vorgeschichte funktioniert vor allem die Story von Der unglaubliche Hulk ziemlich gut. Es herrscht ein ausgewogenes Nebeneinander von Action-Sequenzen und Charakter-Szenen mit etwas Tiefgang. Und nicht wie bei Ang Lees Versuch ein Nacheinander dieser Elemente. Die Humorlosigkeit des Vorgänger ist gelindert, wenn es auch diesbezüglich nur wenige „lustige“ Momente gibt. Schauspielerisch kann der neue Film auch überzeugen, was vor allem an einem dezent, aber hervorragend aufspielenden Edward Norton (Fight Club) liegt. Da können seine Kollegen nicht ganz mithalten. Bei William Hurt und Tim Roth liegt es aber auch daran, dass ihre Rollen wenig Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Und Liv Tyler ist als Betty Rose leider meistens nur eine zu rettende Schöne. Diese leichten Schwächen werden allerdings von Edward Norton wettgemacht, der es versteht, einen Film alleine zu tragen.

Aus der Effekt-Abteilung ist eine Steigerung zu vermelden. War Hulk im Vorgänger zwar schon recht gut animiert, so wirkte er doch sehr bunt und glatt. Der neue grüne Riese sieht weniger grün, böser und vor allem faltiger aus. Insgesamt kann der Film in technischer Hinsicht voll überzeugen. Die Actionszenen sind mitunter leicht ausufernd, aber dennoch gut dosiert. Sehr passend ist auch die Filmmusik von Craig Armstrong (Moulin Rouge!), die zwischen klassischen und elektronischen Stücken hin- und herwechselt.

Die Marke Hulk wurde hiermit auf die richtige Fanschiene gebracht, was vor allem bei den Fans ankommen dürfte, ist Der unglaubliche Hulk doch auch sehr von der beliebten, gleichnamigen Fernsehserie inspiriert. Der damalige Hulk-Darsteller Lou Ferrigno hat einen Kurz-Auftritt, der für ihn einem Ritterschlag gleichkommt. Mögliche Ansatzpunkte für eine Fortsetzung sind vorhanden. Einer Fortsetzung wird bei ordentlichem Ergebnis an der Kinokasse nicht viel im Wege stehen.

Fazit: Trotz leichter Schwächen eine gelungene Neuauflage mit einem ausgewogenen Nebeneinander von Action und Charaktermomenten. 7 von 10 Punkten.


General Ross.

Die Schöne …

… und das Biest.

Blonsky traut seinen Augen nicht.
Marius Joa, 14. Juli 2008. Bilder: Marvel/Concorde/Universal.

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