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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 11. Juli 2018

Bei den allgegenwärtigen Debatten um Migration und Integration zeigt ein kleiner Film von der Grünen Insel, dass alles vielleicht doch nicht immer so kompliziert sein muss: “Halaleluja – Iren sind menschlich”.

 

Life Guidance

Von Marius Joa. Publiziert am 26. Januar 2018

Mal ehrlich: jeder von uns möchte Dinge an sich verbessern, sich weiterentwickeln. Wohin allerdings der totale Optimierungsdrang führen kann, erforscht die Österreicherin Ruth Mader mit ihrem Spielfilm Life Guidance, der auf dem 44. Internationalen Filmwochenende in Würzburg zu sehen war.

Life Guidance
Science-Fiction-Drama Österreich 2017. 101 Minuten. Kinostart: unbekannt.
Mit: Fritz Karl, Katharina Lorenz, Florian Teichtmeister, Nicolas Jarosch, Petra Morzé u.a. Regie: Ruth Mader. Drehbuch: Ruth Mader und Martin Leidenfrost.

 

 

Schöner wohnen, schlimmer leben

In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Gesellschaft vom perfektionierten Kapitalismus beherrscht. Die “Arbeitsunfähigen” fristen ein ruhiggestelltes Dasein in sogenannten Schlafburgen. Die arbeitende Bevölkerung besteht fast nur aus fröhlichen und motivierten Leistungsträgern, deren permanentes Ziel es ist, sich immer weiter zu verbessern. Für die wenigen unglücklichen Beschäftigten wurde die Agentur “Life Guidance” eingerichtet, damit auch jene (wieder) zu optimalen Mitgliedern der Gemeinschaft geformt werden können. Alexander (Fritz Karl) ist Mitarbeiter im Finanzsektur und gehört zu den Leistungsträgern, auch weil er im System funktioniert. Dennoch spürt der Familienvater, dass etwas nicht stimmt. Als ihn Sohn Franz (Nicolas Jarosch) eine Träne verdrücken sieht, taucht umgehend Life Guidance auf. Deren Agent Fainmann (Florian Teichtmeister) folgt Alexander auf Schritt und Tritt, dringt in dessen Familienleben ein und fordert ihn zur Optimierung auf. Alexander versucht sich dagegen anzukämpfen, doch die Agentur scheint übermächtig…

 Alexander fühlt sich nicht optimal

Auf dem Internationalen Filmwochenende in Würzburg wurde 2012 der Dokumentarfilm Work Hard – Play Hard gezeigt. Darin entlarvte Regisseurin Carmen Losmann den längst zur Normalität gewordenen Optimierungswahn in der modernen Arbeitswelt im Zuge des “Human Ressources Managements”. Die fiktionale Variante des Themas inszenierte Losmanns Kameramann Dirk Lütter mit seinem Regiedebüt Die Ausbildung, in welcher sich ein junger Berufsanfänger den Mechanismen der schaurigen Arbeitswelt unterwirft. Auf dem diesjährigen 44. Internationalen Filmwochenende in Würzburg (25. bis 28. Januar 2018) wird eben jene Thematik erneut aufgegriffen. Der österreichische Beitrag Life Guidance von Regisseurin Ruth Mader (What Is Love) behandelt den Zustand der totalen Optimierung und erweitert ihn auf alle Lebensbereiche.

“Das ist nicht optimal!” “Ein lasche Einstellung kann fatal sein.” “Ich sehe deine Leistungen!” Solche Sätze bekommt der Protagonist (und damit auch der Zuschauer) dieses Films vor die Füße geworfen. Dazu trällert ein Kinderchor: “Ich wachse über mein Potenzial hinaus!” Wer sich dem gnadenlosen System nicht unterwirft erhält besondere Aufmerksamkeit von der titelgebenden Optimierungsagentur. Alexander lehnt sich erst leise gegen die unmenschlichen Zustände auf, ergründet deren Auswüchse und sucht an verschiedenen Orten nach einem Ausweg. Hauptdarsteller Fritz Karl (Wer früher stirbt ist länger tot, Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe) verleiht seiner Figur mit wirkungsvoll-minimalistischem Spiel Tiefe, verkörpert fast ausnahmelos die einzige Person in der ganzen Geschichte, die zu Emotionen fähig scheint, Lebendigkeit versprüht. Alle anderen existieren nur als seelenlose, unheimliche Roboter mit fahlen, ausdruckslosen Gesichtern.

Regisseurin Mader und ihr Co-Autor Martin Leidenfrost halten sich nicht mit großen Erklärungen auf, sondern lassen das Publikum gemeinsam mit Alexander die schaurige, neue Welt mit ihrer retro-futuristischen Architektur (gedreht wurde unter anderem auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität Wien) und den ruhig-trostlosen Bildern von Kamerafrau Christina A. Maier (Satte Farben vor Schwarz) erkunden. Die Interieurs der Häuser sind stylish, funktional, aber leer, klinisch, steril, frei von jeglicher Individualität und ohne jegliches Zubehör, als hätte man gerade im Möbelhaus die allerneuesten Designstücke aufgebaut. Die Inszenierung bleibt passenderweise die meiste Zeit über recht ruhig und unspektakulär, wirkt dadurch noch umso effektiver. Lediglich die aus brodelnden Streicher-Sequenzen bestehende Filmmusik von Manfred Plessl drängt sich etwas in den Vordergrund.

Zur Thematik “Die Zukunft des Menschen in einer optimierten (Arbeits-)Welt” kann man sich neben den bereits erwähnen Work Hard – Play Hard (2011) und Die Ausbildung (2011) sicherlich auch Terry Gilliams The Zero Theorem (2013) und den Animationsfilm Anomalisa (2015, Regie: Charlie Kaufman, Duke Johnson) ansehen. 2017 erschien außerdem Stille Reserven von Valentin Hitz, der ebenfalls in Wien gedreht wurde.

Nach der Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig im September 2017 läuft Life Guidance seit dem 12. Januar 2018 in den österreichischen Kinos. Ein deutscher Starttermin steht noch aus.

Fazit: Life Guidance von Regisseurin Ruth Mader blickt in die kalte, entmenschlichte Zukunft, die uns bei andauerndem Optimierungswahn droht. 8 von 10 Punkten.

Perfekt durchoptimierte Menschen
Ästhetische, aber sterile Architektur

 

Marius Joa, 26. Januar 2018. Bilder: Picture Tree International.

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