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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 15. Juni 2019

Für Genre-Streifen kennt man Jim Jarmusch so überhaupt nicht. Ein paar Jahre nach seinem Vampirfilm “Only Lovers Left Alive” (2013) drehte der Indie-Kultregisseur aber eine Zombie-Komödie. In “The Dead Don’t Die” wird eine sehr überschaubare Kleinstadt urplötzlich von Untoten überfallen…

 

Rocketman

Von Marius Joa. Publiziert am 2. Juni 2019

Nur sieben Monate nach dem Queen-Biopic Bohemian Rhapsody gibt es den nächsten Kinofilm über eine Rock-Ikone. In Rocketman verkörpert Taron Egerton den jungen Elton John…

Rocketman
Musical/Drama UK, USA 2019. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 121 Minuten. Kinostart: 30. Mai 2019.
Mit: Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard, Gemma Jones, Charlie Rowe, Stephen Graham u.v.a. Regie: Dexter Fletcher. Drehbuch: Lee Hall.


 

 

Still Standin’

Reginald “Reggie” Dwight (Matthew Illesley und Kit Connor) wächst in einer eher tristen Wohngegend im Londoner Stadtteil Pinner auf. Sein Vater Stanley (Steven Mackintosh) glänzt meist durch Abwesenheit und verhält sich dem Sohnemann gegenüber sehr ablehnend. Auch Reggies Mutter Sheila (Bryce Dallas Howard) zeigt sich nicht unbedingt sehr fürsorglich. Dank seines großen Talents als Pianist erhält der Junge ein Stipendium an der Royal Academy of Music. Nach diversen Gigs in Pubs der Gegend bewirbt sich der erwachsene Reginald (Taron Egerton) bei einer Talentagentur, wo er auf den Songschreiber Bernie Taupin (Jamie Bell) trifft. Das Duo ergänzt sich perfekt. Während Bernie poetische Texte schreibt, verarbeitet Reggie diese mit Gesang und Klavier zu starken Songs. Ein Gig im Troubadour in Los Angeles bringt für Elton John, wie sich Reggie nun nennt, 1970 den großen Durchbruch. Zwei Jahre später ist Elton mit 25 Jahren nicht nur Multimillionär, sondern auch der neue Star am Rockhimmel. In John Reid (Richard Madden) findet der erfolgreiche Musiker nicht nur einen Liebhaber, sondern auch geschäftstüchtigen Manager. Der Weg zu großem Ruhm in kurzer Zeit sowie seine Einsamkeit hinterlassen allerdings Spuren bei Elton, führen zu Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit und Bulimie. Durch sein unberechenbares Verhalten stößt der Musiker auch seine wenigen Vertrauten von sich…

Nachdem Bryan Singer drei Wochen vor Drehschluss entlassen worden war übernahm Dexter Fletcher die Regie und vollendete Bohemian Rhapsody, den Film über die legendäre Band Queen und ihren Sänger Freddie Mercury (1946-1991). Das Musiker-Biopic avancierte zum großen Kassenschlager und spielte bei einem Budget zwischen 50 und 55 Millionen Dollar sagenhafte 900 Millionen weltweit ein. Außerdem regnete es zahlreiche Filmpreise, darunter zwei Golden Globes und vier Oscars. Der 1966 geborene Fletcher hatte zuvor überwiegend als Schauspieler (u.a. Press Gang; Bube, Dame, König, grAs; Kick-Ass) gearbeitet und 2011 mit dem Gangsterfilm Wild Bill (2011) sein Regie-Debüt abgeliefert. 2016 veröffentliche Dexter Fletcher mit Eddie the Eagle ein Biopic über Michael Edwards, den ersten britischen Skispringer, der bei Olympischen Spielen teilnahm, mit Taron Egerton (Kingsman: The Secret Service) in der Hauptrolle. Obwohl Elton John himself, der mit seinem Ehemann David Furnish (einem kanadischen Filmproduzenten) sein Leben schon seit längerem filmisch verarbeiten wollte, Justin Timberlake favorisierte, erhielt Egerton den Zuschlag. Zuvor war Tom Hardy auch einer der Kandidaten. Produzent Matthew Vaughn (Der Sternwanderer, X-Men: Erste Entscheidung, Kick-Ass, Kingsmen) wählte schließlich Fletcher für den Regie-Posten aus.

Während Bohemian Rhapsody als klassische Musiker-Filmbiographie funktioniert geht Rocketman heir andere Wege. Immer wieder wird das Geschehen durch eine plötzlich eingestreute Musical-Nummer “unterbrochen” und damit überhöht dargestellt. Dies geschieht meist in Form gängiger Filmmusicals, verleiht der Geschichte aber bisweilen auch eine surreale Note, etwa wenn sowohl Elton als auch das Publikum bei seinem ersten Gig im legendären Club Troubadour wortwörtlich abheben und diese Szene somit den Startschuss für eine einmalige Karriere bildet. Innerhalb dieser wundervoll inszenierten Sequenzen dürfen nicht nur der Protagonist selbst in Gesang ausbrechen, sondern auch diverse Nebenfiguren. Es gelingt darüber hinaus, eine ganze Menge an Songs aus Johns langer Karriere in die Story zu integrieren ohne dass diese überladen wirkt.

Ins Zentrum der Filmhandlung rücken Fletcher und Drehbuchautor Lee Hall (Billy Elliot – I Will Dance) die seit über 50 Jahren andauernde berufliche Beziehung/Freundschaft zwischen Elton John und seinem Texter Bernie Taupin, eine wichtige Konstante im Leben des gefeierten Musikers. Jamie Bell (Billy Elliot – I Will Dance) spielt Taupin als unglamourösen Zeitgenossen, der immer wieder versucht seinen besten Freund auf den Boden zurückzuholen, was aber nicht immer gelingt. Den Gegenpols zu Bells Taupin gibt Richard Madden (Game of Thrones) in der Rolle des Managers/Lebensgefährten John Reid, der allerdings ähnlich wie Freddie Mercurys Vertrauter/Assistent Paul Prenter in Bohemian Rhapsody wie ein etwas plumper Bösewicht dargestellt wird. Diese dramaturgischen Freiheiten als Schwachpunkt haben beide Filme gemeinsam, was bei Rocketman nicht so sehr ins Gewicht fällt, schließlich opfern die Macher von vorneherein Faktentreue zugunsten von phantastischer Überhöhung. Im Queen-Biopic taucht John Reid übrigens ebenfalls auf, wobei er dort von Maddens Game of Thrones-Kollegen Aidan Gillen gespielt wird.

Die mitreßende Inszenierung und eine wirklich authentische Performance von Taron Egerton, der nicht nur Elton John spielt sondern auch alle Songs im Film selbst singt, machen Rocketman zu einem tollen Musikfilm, auch wenn man kein Fan ist. Aber wirklich etwas erfahren über den Mann hinter den grellbunten Kostümen und den auffallenden Brillen tut man hierbei nicht. Vielmehr liefert das Drehbuch mit Absturz und Auferstehung seines Protagonisten sowie fehlender Liebe/Anerkennung im familiären Umfeld nur Allgemeinplätze, die in vielen Musiker-Biographien vorkommen dürften. Die Rahmenhandlung mit dem bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker sein bisheriges Leben rekapitulierenden Elton, bei welcher sich teilweise auch die verschiedenen Erzählebenen überlagern, gehört allerdings zu den Stärken von Fletchers Vision.

Fazit: Mit Rocketman verarbeitet Regisseur Dexter Fletcher die frühen Jahre von Elton John zu einem Biopic-Musical zwischen schrillem Glitzer und selbstzerstörerischer Tristesse, welches in der Erforschung seines Helden nicht über Allgemeinplätze hinaus geht. 7 von 10 Punkten.

Tolles Team: Elton und Bernie
John Reid (Richard Madden)
Elton hebt ab
Wieder zuhause in Pinner

Marius Joa, 2. Juni 2019. Bilder: Paramount.

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