Sechswochenamt

Auch deutsche Filme waren im Programm des 52. Internationalen Filmwochenendes Würzburg vertreten, darunter auch das Drama Sechswochenamt von Regisseurin Jacqueline Jansen, über eine junge Frau, die nach dem frühen Tod ihrer Mutter so Einiges zu bewältigen hat.

Sechswochenamt
Drama Deutschland 2025. 98 Minuten. Kinostart: 18. Juni 2026.
Mit: Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Lola Klamroth, Olga Prokot, Patrick Joswig, Markus Forg-Thelen u.a. Drehbuch und Regie: Jacqueline Jansen.



Allein mit der Trauer-Arbeit

März 2020. Die 25jährige Lore (Magdalena Laubisch) ist bei ihrer Mutter Martha (Suzanne Ziellenbach) im Hospiz als Martha dem Krebs erliegt und stirbt. Nun muss sich Lore um einige Dinge kümmern: die Bestattung, die Traueranzeige und das Auflösen der Wohnung. Zudem galt Martha zu Lebzeiten als schwierige Eigenbrötlerin und hatte bezüglich der Bestattung besondere Wünsche geäußert, deren Umsetzung sich wegen der Lockdown-Maßnahmen in der gerade ausgebrochenen Corona-Pandemie als schwierig erweisen. Zwar erhält Lore Zuspruch von ihrer Oma Inge (Gerda Gormanns), Marthas Mutter, aber dennoch zeigt sich das Umfeld der Verstorbenen wenig hilfreich. Lores Schwester Sophie (Stimme: Lola Klamroth) ist erst gar nicht in die alte Heimat angereist. Und so droht Lore zwischen den unterschiedlichen Aufgaben, den Erwartungen von Familienmitgliedern bzw. Verwandten sowie dem eigenen Verlust allmählich zu zerbrechen…

Vor allem einen Satz habe ich im Zusammenhang mit Sechswochenamt, meinem zweiten, auf dem Filmwochenende Würzburg 2026 gesichteten Film, gehört: dies sei „ein Film, den es nicht geben dürfte. Denn Regisseurin Jacqueline Jansen hat diesen ohne Filmförderung und nur mit Spenden von lokalen Sponsoren und dem ehrenamtlichen Einsatz aller an der Produktion beteiligten Personen gestemmt. Zudem hatte sich die Filmemacherin das Kino-Handwerk selbst beigebracht, etwa als Produktionsassistentin bei Serien wie Babylon Berlin und Das Damengambit, ohne wie ansonsten üblich an einer Filmhochschule zu studieren.

Lore und Oma Inge

Dass Sechswochenamt nach Jahren der vergeblichen Versuche, ein ordentliches Budget zu akquirieren, dann eben ohne Förderung produziert wurde, dürfte sicherlich auch daran liegen, dass Jansen diese Geschichte unbedingt auf der Leinwand erzählen wollte. Eine Geschichte, welche Jansens Erlebnisse während und nach dem Tod der eigenen Mutter zu Beginn der Covid19-Pandemie autofiktional aufbereitet. Protagonistin Lore muss nicht nur den Verlust ihrer Mama verarbeiten, sondern sich auch mit allerlei bürokratischen, organisatorischen und logistischen Aufgaben herumschlagen. Wirklich Zuspruch und Hilfe erhält sie dabei kaum. Vor allem die Abwesenheit der eigenen Schwester, die nur per Telefon in der Handlung präsent ist, und die gegensätzlichen Vorstellungen bezüglich der Bestattung setzen der jungen Frau zu.

Ohne jedoch wirklich verletzend oder gemein zu sein so verhalten sich manche der Personen im Umfeld der Trauernden eher wenig rücksichtsvoll. Von der Vermieterin ihrer verstorbenen Mutter wird Lore bei nächstbester Gelegenheit übervorteilt. Und für den katholischen Pfarrer scheint die Möglichkeit günstig Möbel von der Wohnungsauflösung abzugreifen wichtiger als der geistliche Beistand

Gedreht wurde Sechswochenamt für lediglich 96.000 Euro in Erkelenz, der Heimatstadt der Regisseurin im Rheinland. Neben Hauptdarstellerin Magdalena Laubisch (Love Addicts) und anderen professionellen Schauspieler*innen kamen auch Laien-Akteure zum Einsatz. Der Authentizität des ganzen Settings dürfte diese wohl aufgrund der geringen finanziellen Mitteln notwendige Maßnahme nicht geschadet haben, im Gegenteil. Die Kamera von Markus Ott, der in Vertretung Jansens bei der Vorstellung in Würzburg zugegen war und von der Produktion erzählte, bleibt immer sehr nach an der Hauptfigur und ermöglicht den Zuschauer*innen so, die Situation Lores unmittelbar mitzuerleben. Trotz der nüchternen Inszenierung gelingt es Magdalena Laubisch in der zentralen Hauptrolle eine überaus eindringliche Performance abzuliefern, die bis zum auf seine eigene Weise wundervollen Schlussbild bewegt.

Nach der Weltpremiere beim Filmfest München im Juni 2025 wurde das vorliegende Werk mit mehreren Preisen ausgezeichnet und konnte dadurch nicht nur Aufmerksamkeit in Form von weiteren Festival-Einladungen, sondern auch trotz des schweren Themas und der ungewöhnlichen Produktionsgeschichte einen Verleih finden. Und deswegen startet Sechswochenamt von Jacqueline Jansen am 18. Juni 2026 in den deutschen Kinos. Ein Glücksfall für tiefgründige, lebensechte Filmkunst.  

Fazit: Mit einfachen inszenatorischen Mitteln erschaffenes, überaus eindringliches Drama über eine junge Frau, die mit ihrer Trauer und den Erledigungen nach dem Tod der Mutter ziemlich alleingelassen wird.



Marius Joa, 31 Januar 2026. Bilder: Piffl Medien.  


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