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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 18. August 2019

Nachdem ihr Auto liegen geblieben ist sucht ein junges Paar Zuflucht in einem geheimnisvollen Schloss, in dem schräge Gestalten hausen. Vorhang auf für “The Rocky Horror Picture Show”!

 

Where To Invade Next

Von Marius Joa. Publiziert am 4. März 2016

Für seine neueste Doku, Where To Invade Next, bereiste Filmemacher Michael Moore verschiedene Länder um von dort wichtige Errungenschaften mit in seine Heimat USA zu nehmen. Eine kuriose Odyssee nimmt ihren Lauf…

8-10Where To Invade Next
Dokumentation USA 2015. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 120 Minuten. Kinostart: 25. Februar 2016.
Regie: Michael Moore.

Where To Invade Next_Poster

Bitte zuhause nachmachen!

Dass in den Vereinigten Staaten von Amerika (dorthin gemeinhin auch bekannt als “God’s On Country”) so Einiges im Argen liegt, hat Michael Moore (61) mit seinen bisherigen Dokumentarfilmen mehrfach gezeigt. Sei es die Waffenhysterie und Gewaltbereitschaft (Bowling For Columbine, 2002), Einschränkung der Grundrechte und Eroberungskriege unter dem Deckmantel der “Terrorismusbekämpfung” (Fahrenheit 9/11, 2004), die nicht vorhandene Gesundheitsversorgung für die meisten Amerikaner (Sicko, 2007) sowie die Folgen von absurdem Super-Kapitalismus (Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte, 2009). Einen anderen Ansatz wählt der Oscar-Gewinner bei seinem neuesten Film, Where To Invade Next. Warum nicht einfach in anderen Länder “einfallen”, um die positiven Dinge von dort mitzunehmen? Keine schlechte Idee, finden sicher auch die Streitkräfte, schließlich hat die USA seit 1945 keinen Krieg mehr gewonnen, egal ob Korea, Vietnam, Iran, Afghanistan oder Syrien. Da fällt es sicher nicht ins Gewicht, wenn man mit Moore eine Ein-Mann-Armee ausschickt, um dem das Leben im Land der unbegrenzen Möglichkeiten besser zu machen.

Where To Invade Next_Italien Zu Besuch in Italien

Ein großes Sternenbanner auf den Schultern überquert Moore den Atlantik auf einem US-Flugzeugträger und macht seine erste Station in Italien, wo die ganz normalen Beschäftigten sieben Wochen oder mehr bezahlten Jahresurlaub sowie eine ausgedehnte Mittagspause genießen dürfen. In der Kantine einer Kleinstadt-Schule in Frankreich kommt der von Fast Food und mehr sichtlich gezeichnete Regisseur aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ohne große Mehrkosten für Eltern oder Staat wird den Kindern täglich ein ausgewogenes, gesundes, mehrgängiges Mahl zubereitet. Das gleiche gilt ebenso in einer weiteren Schule im sozialen Brennpunkt. Nächste Station auf der “Michael im Wunderland”-Reise: Finnland, der weltweite Markführer in Sachen Bildung. Das Geheimnis ihres Erfolges: weniger Schulstunden, noch weniger Hausaufgaben und (für jeden Amerikaner undenkbar) keine standardisierten Tests!

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Deutschland. Hier wird anhand einer Nürnberger Bleistiftfabrik die humanen Arbeitsbedingungen gezeigt sowie die Möglichkeit, die Arbeitskraft durch eine Reha-Maßnahme wiederaufzufrischen. Der bekennende Patriot Mchael Moore verordnet seinen Landsleuten auch das, was die Deutschen seit Ende der Nazi-Gräuel vor 70 Jahren erfolgreich praktizieren: Vergangenheitsbewältigung.

Moore war noch nie für die schnörkelloser Präsentation von Fakten bekannt, vermutlich auch weil in den USA, wo ernstgemeinte Nachrichtensendungen wie Boulevardmagazine aufgemacht sind, sonst niemand sich für seine Filme interessieren würde. Sicherlich kann man dem 61jährigen vorwerfen, dass er hier und da etwas übers Ziel hinausschießt. Außerdem wird aus den besuchten Ländern nur Gutes berichtet. Problematiken wie die europäische Flüchtlingskrise oder die Folgen der Wirtschaftskrise z.B. in Portugal werden nicht thematisiert. Stattdessen werden die stärksten Gegensätze im Verhältnis zueinander gestellt. Die äußerst liberalen und humanen Gefängnisse in Norwegen und die krasse Antithese dazu: menschenunwrürdige Behandlung von (meist) farbigen Häftlingen in den USA.

Where To Invade Next serviert aber seine Erkenntnisse nicht nur durch kommentierte Szenenfolgen, sondern lässt auch Menschen aller Art zu Wort kommen und entlockt ihnen dabei einfache Wahrheiten, die unbedingt auch in den Vereinigten Staaten Gehör finden sollten. Moores Machart ist es zu verdanken, dass bei allem Ernst der Thematik sein Film wieder ungemein unterhaltsam ist, wenn auch stark von Absurditäten durchsetzt.

Fazit: In seiner unnachahmlichen direkten Art zeigt Michael Moore in Where To Invade Next auf, was in anderen Ländern dieser Welt im Vergleich zum “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” so alles richtig laufen kann. 8 von 10 Punkten.

Where To Invade Next_Slowenien
Audienz beim slowenischen Staatsoberhaupt…
Where To Invade Next_Norwegisches Gefaengnis
… und Rundgang durch Norwegens Hochsicherheitsgefängnis

Marius Joa, 4. März 2016. Bilder: Falcom.

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