A Knight of the Seven Kingdoms: Staffel 1

Das Game of Thrones-TV-Universum expandiert weiter. Einige Monate vor Staffel 3 von House of the Dragon startete Mitte Januar ein weiteres Prequel zur großen Saga aus George R.R. Martins vielschichtiger Fantasywelt Westeros. A Knight of the Seven Kingdoms handelt vom einfachen „Heckenritter“ Duncan und seinen jungen Knappen Egg. 

A Knight of the Seven Kingdoms: Staffel 1
(A Knight of the Seven Kingdoms: Season 1)
Fantasyserie USA 2026. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 6 Folgen. Gesamtlänge: ca. 210 Minuten. Starttermin: 19. Januar 2026.
Mit: Peter Claffey, Dexter Sol Ansell, Shaun Thomas, Daniel Ings, Bertie Cavel, Finn Bennett, Sam Spruell, Tamzyn Crawford u.v.a. Nach Der Heckenritter von George R.R. Martin. Adaption: Ira Parker und George R.R. Martin. Regie: Owen Harris und Sarah Adina Smith.



Die Lektionen des Heckenritters

In den Sieben Königslanden von Westeros. Seit seiner Jugend war der hochgewachsene Duncan (Peter Claffey), genannt Dunk, Knappe des erfahrenen Heckenritters Ser Arlan of Pennytree (Danny Webb). Nach Arlans Tod macht sich Dunk allein auf die Reise. Auf dem Weg nach Ashford, wo bald ein großes Turnier in Anwesenheit einiger namhafter Ritter stattfinden sollen, trifft Dunk auf den glatzköpfigen Jungen Egg (Dexter Sol Ansell), den er etwas widerwillig als Knappen verpflichtet. In Ashford angekommen muss der junge Ritter allerdings feststellen, dass er einen Fürsprecher für die Teilnahme am Turnier benötigt. Dunk und Egg begegnen der dornischen Bühnenkünstlerin Tanselle (Tamzyn Crawford), dem erwachsenen Knappen Raymun Fossoway (Shaun Thomas) sowie dem ausgelassenen Ser Lyonel Baratheon (Daniel Ings). Wenig später treffen auch Kronprinz Baelor Targaryen (Bertie Cavel) und sein Bruder Maekar (Sam Spruell) mit ihrem Gefolge ein. Bei einer der Aufführungen kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall und Ser Duncan steht vor einer aussichtslosen Aufgabe…

Durch die überaus gefeierte Serien-Adaption Game of Thrones (2011-2019) avancierte die Fantasy-Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer (A Song of Ice and Fire) zum Popkulturphänomen und deren Autor George R.R. Martin (geboren 1948), kurz GRRM, vom ohnehin schon gefeierten Bestsellerautor zu einem der einflussreichsten Männer der westlichen Phantastik. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die TV-Verfilmung die immer noch unvollendete Buchreihe inhaltlich doch recht schnell überholte und somit das Ende vorwegnahm, was sicherlich auch einer der Gründe war, dass sich Game of Thrones in den letzten zwei bis drei Staffeln aus meiner Sicht als inhaltlich durchwachsen präsentierte.

Über einen Zeitraum von 15 Jahren, zwischen 1996 und 2011, hatte Martin die bisherigen fünf der auf sieben Bände ausgelegten Buchreihe veröffentlicht. Mittlerweile sind weitere eineinhalb Jahrzehnte vergangen und Band sechs trotz gelegentlicher Updates des Autors nicht wirklich in Sicht. Dafür ist GRRM ein gefragter Mann in Hollywood geworden und früh wurden weitere Serien aus der Welt des fiktiven Kontinents Westeros ins Gespräch gebracht. Mit House of the Dragon, dem Prequel über den schweren Nachfolgekrieg im Geschlecht der Targaryens, und der vorliegenden Miniserie sind erst zwei „successor shows“ wirklich produziert und veröffentlicht worden.

Ser Duncan und sein Knappe Egg

A Knight of the Seven Kingdoms basiert auf GRRMs Tales of Dunk and Egg, einer bis bisher aus drei Novellen bestehenden Reihe (1998, 2003 und 2010 veröffentlicht, in Deutschland 2013 erstmals in einem Band), die sich gemäß dem Titel von den Abenteuern des einfachen, hochgewachsenen Ritter Ser Duncan the Tall alias Dunk und seinem neunjährigen Knappen Egg erzählen. Weil GRRM ja scheinbar doch nichts anderes zu tun hat war er bei der Konzeption der neuen Show an der Seite von Chefautor Ira Parker beteiligt, obgleich er in den Credits nur als Miterfinder und ausführender Produzent gelistet wird. Die Serie wurde 2023 bestellt und jede Staffel soll eine der drei Novellen adaptieren. Die Dreharbeiten zur ersten Staffel fanden von Juni bis September 2024 in Nordirland statt. Ursprünglich sollte Season 1 wohl im Herbst oder Ende 2025 erscheinen, doch aus mir nicht ersichtlichen Gründen wurde die Premiere auf Mitte Januar 2026 verschoben, wo die sechs Episoden auf dem seit diesem Jahr neu in Deutschland verfügbaren Streamingdienst HBO Max zu sehen sind.

Im Gegensatz zu den weitschweifigen und überaus aufwändigen Vorläufern wurde die Adaption der Geschichten des Heckenritters und seines Knappen als Produktion mit kleinerem Fokus und weniger großen Setpieces angelegt. Fast ausnahmslos spielt sich die Handlung in und um Ashford statt, wo zu Ehren der jungen Tochter des dortigen Lords ein Ritterturnier abgehalten wird. Schließlich steht der aus ärmlichsten Verhältnissen stammende Dunk im Mittelpunkt. Zeitlich befinden wir uns 70 Jahre nach den Geschehnissen von House of the Dragon und 90 Jahre vor dem Beginn von Game of Thrones.

Der gänzlich andere Blickwinkel auf das Leben in den Sieben Königslanden und die Lektionen, welche der Heckenritter (so nennt man einen fahrenden Ritter, der bei Turnieren antritt oder sich zeitweise von einem Lord verpflichten lässt) Duncan sukzessive zu spüren bekommt gehören zu den stärksten Pluspunkten der Miniserie. Peter Claffey, eine ehemaliger Rugbyspieler, spielt die Hauptrolle des Ser Duncan mit großer Authentizität. Seine Figur hat von seinem verstorbenen Mentor die richtigen Skills und Tugenden eines „echten“ Ritters gelernt und versucht diese nun erstmals auf sich gestellt in der Praxis anzuwenden. Unfreiwillig gerät er dabei in Schwierigkeiten und muss feststellen, dass ritterliche Ideale im Spiel der Mächtigen und Reichen bisweilen schnell über Bord geworfen werden.

Trotz des reduzierten Settings werden hier doch einige Charaktere aufgeboten, von denen allerdings manche effektiv wenig Screentime erhalten und deswegen keinen großen Eindruck hinterlassen. Neben Peter Claffey als Dunk und dem Kinderdarsteller Dexter Sol Ansell als etwas frechem aber sehr gescheiten Egg bleiben vor allem Bertie Cavel (Jonathan Strange & Mr Norrell) als gerechter Kronprinz Baelor Targaryen, Shaun Thomas (How to Have Sex) als Knappe Raymun Fossoway und Daniel Ings (Lovesick) als „Feierbiest“ Ser Lyonel Baratheon in Erinnerung. Auf die ikonische Game of Thrones-Musik von Ramin Djawadi muss das Publikum hier verzichten. Der Score von Dan Romer entpuppt sich passend zum Ton der Produktion als folkig und weniger episch.

Über die Struktur und die Dramaturgie dieser Produktion muss ich mich allerdings schon wundern. Aus meiner Sicht erscheint der zeitliche Rahmen – 6 Folgen mit einer Laufzeit zwischen ca. 30 und 40 Minuten – nicht ganz richtig für die erzählte Geschichte. So denke ich, dass ein gut zweistündiger Film oder ein Dreiteiler die bessere Wahl gewesen wären. A Knight of the Seven Kingdoms wirkt in mancher Hinsicht inhaltlich uneben. Bis zum Ende der 3. Folge passiert recht wenig. Natürlich besteht ein Ritterturnier vor allem für einen „Newcomer“ von ganz unten aus viel Warterei, aber die Handlung der ersten drei Episoden hätte man locker auf eine straffen können. Zudem wird der zentrale Höhepunkt durch eine ausgiebige Rückblende auf die Jugend von Dunk eher ausgebremst, obgleich dieser Einschub für die Charakterentwicklung des Protagonisten natürlich wichtig ist. Man hätte das aber genauso gut an anderer Stelle einbauen können. 

Die komplette erste Staffel von A Knight of the Seven Kingdoms ist seit dem 23. Februar 2026 Teil des Angebots von HBO Max. Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel haben im Dezember 2025 begonnen.

Fazit: Dramaturgisch holprige, aber dennoch weitgehend gelungene Miniserie über einen einfachen Heckenritter und seine bitteren Lektionen beim ersten Turnier.

Kronprinz Baelor Targaryen
Der feierwütige Ser Lyonel Baratheon



Marius Joa, 29. März 2026. Bilder: HBO Max.

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